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Porträt

08.09.2020

Janine Wissler: Die Top-Kandidatin für den Chefposten der Linken

Die Landtagsabgeordnete Janine Wissler will Linken-Bundesvorsitzende werden.
Bild: Frank Rumpenhorst, dpa

Janine Wissler gilt als Redetalent mit Charme und guten Chancen auf den Linken-Vorsitz. Doch mit ihr könnte sich die Option "Rot-Rot-Grün" erledigt haben.

Am Freitag hat Janine Wissler ihre Bewerbung um den Bundesvorsitz der Linken verkündet, am gleichen Tag gab auch Susanne Hennig-Wellsow ihre Kandidatur bekannt. Nun ist eine weibliche Doppelspitze im Rennen – aussichtsreich, sagen die einen; das Aus für Rot-Rot-Grün, sagen die anderen. Denn Wissler sei zu radikal für eine Regierungsbeteiligung.

Knapp ein Jahr ist es her, als Janine Wissler der AfD „Nachhilfe in Sachen Meinungsfreiheit“ während einer Rede im hessischen Landtag erteilte. Das auf Youtube veröffentlichte Video erregte einige Aufmerksamkeit. Viele feiern Wissler für ihre rhetorische Stärke. Im rechten Spektrum sorgt sie für Wut.

Das „ß“ im Namen hat sie durch „ss“ ersetzt  

Vor einigen Monaten erhielt Wissler sogar Morddrohungen, die mit „NSU 2.0“ unterzeichnet waren. In der Partei gilt sie als pragmatisch und zuverlässig. Den Pragmatismus zeigt die 39-Jährige direkt am eigenen Namen: Eigentlich heißt sie Wißler – doch ein ‚scharfes S’ sei in Zeiten von Internet und E-Mail schwierig, daher die Schreibweise mit zwei S, twitterte Wissler einmal.

Janine Wissler: Die Top-Kandidatin für den Chefposten der Linken

Sie kommt gebürtig aus Hessen und studierte von 2001 bis 2012 Politikwissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Den ersten Teil des Studiums finanzierte sie sich mit ihrem Teilzeitjob als Fachverkäuferin in einem Baumarkt. Anschließend arbeitete sie an ihrer politischen Blitzkarriere.

Janine Wissler war Mitglied bei Attac und Marx21

Wissler hat die Ursprünge der Linken-Partei miterlebt und mitgetragen: 2004 engagierte sie sich als Studentin bei der SPD-Abspaltung WASG (Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit) und war 2005 Gründungsmitglied der gleichnamigen Partei. Als sich im Jahr 2007 die Linke aus dem Zusammenschluss der WASG mit der PDS gründete, wurde Wissler Mitglied des Bundesvorstands.

2008 zogen sie und die Linkspartei erstmals in den hessischen Landtag ein - Wissler war damals jüngste Abgeordnete im Parlament; 2009 wurde sie Fraktionsvorsitzende in der Opposition. Erst drei Jahre später beendete sie mit ihrer Diplomarbeit offiziell das Studium.

Wissler stellt sich klar gegen den Kapitalismus

Die Linken-Politikerin ist Mitglied in der Gewerkschaft Verdi, der globalisierungskritischen Organisation Attac und bei Marx.21. Vor allem Letzteres brachte ihr Kritik ein: Denn das Netzwerk lehnt eine Regierungsbeteiligung der Linken kategorisch ab. Vom Bundesamt für Verfassungsschutz wurde es als linksextrem eingestuft.

Janine Wissler, Fraktionsvorsitzende der Linken im hessischen Landtag, hat vor einigen Monaten Drohungen erhalten.
Bild: Arne Dedert, dpa

Wissler stellt sich zwar klar gegen den Kapitalismus, doch angesichts der fast tausend Reden, die sie seit 2008 im hessischen Landtag gehalten hat, fällt es schwer, sie als Gegnerin des Parlamentarismus einzuordnen. In Bezug auf die Bundestagswahl 2021 sagte sie im Sommer-Interview, sie habe oft den Eindruck, man könne aus der Opposition heraus, „wenn man wirklich Druck macht, mehr erreichen“. Letztendlich seien für sie aber die Inhalte entscheidend.

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