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Corona-Krise

28.05.2020

Jens Spahn warnt vor neuer Spaltung der Gesellschaft durch Corona

Gesundheitsminister Jens Spahn fordert eine offene Debatten-Kultur in der Corona-Krise
Bild: Kay Nietfeld, dpa

Exklusiv Droht Deutschland eine erneute Spaltung der Gesellschaft? Gesundheitsminister Jens Spahn sieht Parallel zur Flüchtlingskrise und fordert eine offene Debatte.

Der Streit um den richtigen Weg aus der Corona-Krise wird mit immer härteren Mitteln ausgetragen. Am Mittwoch haben der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und der Chefvirologe des Robert-Koch-Instituts, Christian Drosten, Drohbriefe erhalten. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird in sozialen Netzwerken mit Hass überzogen. Im Live-Interview unserer Redaktion warnte der CDU-Politiker vor einer neuerlichen Spaltung der Gesellschaft. Am Anfang der Pandemie habe es ein neues Wir-Gefühl gegeben, nun drohe eine ähnliche Polarisierung wie auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise. „Wir müssen sehr aufpassen, dass uns das nicht wieder passiert“, sagte der CDU-Politiker.

Jens Spahn fordert offene Debatten-Kultur in der Corona-Krise

Den Vorwurf, über die drastischen Einschränkungen sei zu wenig diskutiert worden, hält Spahn für unangebracht. Zur vermeintlichen Alternativlosigkeit der Regierungspolitik sagte er lakonisch: „Es gibt natürlich immer eine Alternative. Eine Alternative wäre zum Beispiel gewesen, nichts zu tun und sich das Virus einfach weiter ausbreiten zu lassen.“ Obwohl immer noch eine große Mehrheit der Deutschen hinter den Maßnahmen im Kampf gegen das Virus steht, wird die Stimmung vergifteter. Auf sogenannten Corona-Demos schlägt den politisch Verantwortlichen Verachtung entgegen. Eine Umfrage von Infratest dimap ergab, dass jeder fünfte Wahlberechtigte der Meinung ist, dass „Politik und Medien die Gefährlichkeit des Coronavirus ganz bewusst übertreiben, um die Öffentlichkeit zu täuschen“. Häufiges Ziel der Anfeindungen ist Gesundheitsminister Spahn.

 

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Der 40-Jährige fordert eine offene Debattenkultur: „Entscheidend ist die Frage: Wollen wir einander zuhören und verstehen, warum jemand eine andere Position hat als man selbst, oder ist jeder in seiner Echokammer und es wird immer polarisierter und man beschimpft sich und macht sich gegenseitig Vorwürfe?“ Spahn appelliert an die Protestierenden, sich nicht von Verschwörungstheoretikern vereinnahmen zu lassen. „Debatten sind auch lebensnotwendig für eine Demokratie. Den Demonstranten sollte aber klar sein, mit wem sie demonstrieren. Man muss nach links und rechts schauen, wer da so dabei ist.“

Bundesländer im Osten wollen schnellere Lockerungen der Corona-Beschränkungen

Die Ministerpräsidenten der Länder reklamieren die Entscheidungshoheit über die Maßnahmen inzwischen für sich. Formal haben sie ohnehin die Befugnisse, doch auf dem Höhepunkt der Krise hatten sich Bund und Länder geeinigt, gemeinsam vorzugehen. Am Dienstagabend beschlossen sie, dass die Kontaktbeschränkungen – also die Vorgaben, wie viele Menschen sich wo treffen dürfen – noch mindestens bis 29. Juni gelten sollen. Vor allem im Osten, der von Infektionen weniger stark betroffen ist, ist der Wunsch nach schnelleren Lockerungen aber groß. Am Mittwoch sprach Kanzlerin Angela Merkel mit den Regierungschefs der ostdeutschen Bundesländer. Vom Vorpreschen des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, der die Einschränkungen quasi komplett abschaffen will, ist sie wenig begeistert. Der Mindestabstand von eineinhalb Metern müsse eine Verpflichtung bleiben. „Denn sonst kann es sehr schnell zu der Situation kommen, dass die sich durchsetzen, die stärker sind, und die, die etwas schwächer sind, sich gar nicht mehr auf die Straße trauen“, warnte Merkel.

Lesen Sie hier das gesamte Interview mit Jens Spahn: Jens Spahn zu Corona-Schutz: "Die Vernunft gebietet, sich impfen zu lassen"

Sie möchten das Interview lieber hören? Hier finden Sie den Podcast:

 

Sie möchten sich das Gespräch lieber im Video ansehen? Hier haben Sie noch einmal die Möglichkeit dazu:

In einer Videoschalte diskutieren Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Chefredakteur Gregor Peter Schmitz über Einschränkungen und Lockerungen in der Corona-Krise und über das Gerücht einer Impfpflicht.
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Die Diskussion ist geschlossen.

28.05.2020

Ich habe nach links und rechts geschaut. Das einzige, was ich gesehen habe, sind normale Menschen, die für ihre Grundrechte einstehen. Bei aktuelle 5 Corona-Erkrankten in meinem Heimatlandkreis, von denen 0 im Krankenhaus sind und es auch keine Neuinfektionen gibt, ist eine Diskussion wohl mehr als überfällig. Spahn sollte sich fragen, ob er zur Spaltung der Gesellschaft nicht selbst beiträgt, wenn er schon wieder mit der Keule der Verschwörungstheoretiker ausholt.

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28.05.2020

>> Bei aktuelle 5 Corona-Erkrankten in meinem Heimatlandkreis, von denen 0 im Krankenhaus sind und es auch keine Neuinfektionen gibt, ist eine Diskussion wohl mehr als überfällig.

Das ist das Resultat der Maßnahmen - der "Erfolg" von Ignoranz und Minderleistung sind z.B. 100.000 Tote in den USA.

Wobei man nicht vergessen darf, dass auch die EU an diesen Toten eine erhebliche Mitverantwortung trägt, weil man populistisch gegen die US Grenzschließungen opponiert hat.

12.3.2020
https://www.tagesschau.de/ausland/usa-coronavirus-einreisestopp-europa-105.html

P.S. Deutschland schloss dann seine Grenzen am 16.3.2020

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