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Katholische Kirche
07.11.2020

Im Vatikan läuft eine "Revolution"

Schaffen sie es, die Korruption im Vatikan zu beenden? Papst Franziskus und Kardinal George Pell.
Foto: Uncredited/Vatican News/AP/dpa

Papst Franziskus stellt die Weichen im Kampf gegen Korruption und dubiose Finanzgeschäfte neu. Ein Machtkampf scheint zu Ende zu gehen. Warum er sieben Jahre gedauert hat.

In diesen Tagen schließt sich im Vatikan ein Kreis. Es war der 18. Juli 2013, als der frisch gewählte Papst Franziskus eine interne Wirtschaftsprüfungskommission einrichtete. Sie sollte Vorschläge für die Neuordnung der Finanzen des Kirchenstaates machen. Stattdessen sickerten zunächst geheime Dokumente aus der Kommission an die Öffentlichkeit durch – ein Machtkampf war entbrannt. Da wurde klar, wie schwierig es für den Papst sein würde, den Auftrag auszuführen, den ihm die Kardinäle im Vorkonklave gegeben hatten: die Säuberung der Vatikan-Finanzen und das Beenden der Vetternwirtschaft. Wie es scheint, ist Franziskus nun diesem Ziel einen wichtigen Schritt nähergekommen – sieben Jahre und viele Skandale später.

Neue Kommission hat drei Monate Zeit

Wenn es Probleme zu lösen gibt, setzt Franziskus gerne Kommissionen ein. So geschah es nun auch, als die wichtigsten Finanzmänner der katholischen Kirche mit dem Papst zusammenkamen. Der Auftrag an die neue „Kommission für Übergabe und Kontrolle“ aber ist konkret und überschaubar. Sie soll die Eingliederung der Kassen aus dem Staatssekretariat, der Regierungszentrale des Papstes, an die vatikanische Güterverwaltung Apsa bewerkstelligen und überwachen. Drei Monate gibt Franziskus seinen Leuten Zeit. Mitglieder der Kommission sind der Substitut im Staatssekretariat, Edgar Peña Parra, Apsa-Chef Nunzio Galantino sowie Juan Antonio Guerrero Alves, Chef des Wirtschaftssekretariats.

Nebenkonten soll es nicht mehr geben

Was nach einer bürokratischen Pflichtübung klingt, ist nichts weniger als eine klare Weichenstellung: Der italienische Corriere della Sera schreibt bereits von einer „Revolution in den Finanzen des Heiligen Stuhls“. Der springende Punkt dürfte die Tatsache sein, dass das Staatssekretariat, wenn die Reform gelingt und komplettiert wird, künftig über keine Anderkonten mit treuhänderischen Befugnissen mehr verfügt und dem Vatikan so Skandale erspart werden können. Denn diese Rangelei um Zuständigkeiten war Gegenstand des bislang schwersten Machtkampfs im Vatikan unter Franziskus. Das Staatssekretariat, die wichtigste Behörde des Papstes, versuchte ihr undurchsichtiges finanzielles Eigenleben mit aller Macht zu behaupten.

Vor allem hatte der im September vom Papst geschasste Kardinal Angelo Becciu alles darangesetzt, die Aufsicht über päpstliche Spezialkonten zu behalten. Die Reformer um Franziskus bissen sich an ihm und vielleicht auch an seinen Methoden die Zähne aus. Der Vatikan überprüft derzeit den Vorwurf, ob Becciu Zeugen im Missbrauchsprozess gegen Kardinal George Pell bestochen hat. Pell, der wegen sexuellen Missbrauchs mehr als ein Jahr im Gefängnis saß, im April aber vom Obersten Gerichtshof in Australien freigesprochen wurde, war vom Papst 2014 zum Chefreformer berufen worden und hatte rasch sein Augenmerk auf die Kassen des Staatssekretariats unter dem einflussreichen Becciu gerichtet. Es geht um ein Vermögen von mehreren hundert Millionen Euro, zu denen auch ein Sonderkonto des Papstes sowie der sogenannte Peterspfennig zählt. Mit diesen Spendengeldern soll der Papst karitative Arbeit leisten.

Kardinal Becciu fädelte Deal mit Luxusimmobilien in London ein

Becciu und seine Mitarbeiter hingegen investierten 2013 in eine Luxusimmobilie in London, deren Kosten sich bis 2018 auf bis zu 450 Millionen Euro aufblähten. Die Staatsanwaltschaft des Vatikans überprüft, ob dabei Schmiergelder an Prälaten in der Kurie sowie an italienische Geschäftsleute geflossen sind. Solchen Hinweisen geht auch die italienische Polizei nach, die am Donnerstag Büros und Schließfächer von Mittelsmännern durchsuchte. Gegen Becciu wird wegen Untreue ermittelt. In einem Brief an Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin vom August hatte Franziskus einen Ausstieg aus dem Londoner Immobiliengeschäft sowie aus der Beteiligung aus dem Investmentfonds Centurion verfügt. Als Grund gab er „den guten Ruf betreffende Risiken“ an.

Vor Tagen hatte sich der Papst noch pessimistisch gezeigt, was das dauerhafte Ende der Korruption in der Kirche angehe: „Leider handelt es sich um eine zyklische Angelegenheit. Es wiederholt sich, dann räumt jemand auf, dann geht es wieder los, bis wieder jemand der Degeneration einen Riegel vorschiebt.“

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