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Horst Seehofer

16.01.2019

Kein "Neustart" in Berlin: Seehofer will Innenminister bleiben

Horst Seehofer sagt: "Ich bereue gar nichts."
Bild: Bernd von Jutrczenka

Exklusiv Innenminister Horst Seehofer spricht im Interview über seinen Abschied vom CSU-Vorsitz, Erwartungen an Markus Söder – und die Bilanz als Mensch und Minister.

Wenige Tage vor dem Abschied als CSU-Vorsitzender hat Horst Seehofer seinen politischen Anspruch als Bundesinnenminister bekräftigt und sich irritiert über Forderungen seines designierten Nachfolgers Markus Söder gezeigt, dass in Berlin ein Neustart nötig sei. „Das müssen Sie ihn selbst fragen“, sagte Seehofer auf die Frage, was Söder damit gemeint habe. Und: „Die Große Koalition arbeitet gut, sie produziert sehr viel Positives fürs Land, und zwar alle Koalitionspartner.“

Deshalb habe er die Aussage Söders aus der jüngeren Vergangenheit nicht verstanden, dass wir zur Sacharbeit zurückkehren müssten. „Wir arbeiten in Berlin von der ersten Stunde an an der Sache. Zu möglichen Fehlern als Innenminister befragt, sagte Seehofer: „Ich bereue gar nichts.“

Horst Seehofer hofft auf starke CSU bei der Europawahl

Zugleich legt er die Messlatte für seinen Nachfolger Söder hoch. Für die Europawahl im Mai rechne er mit einem besseren CSU-Ergebnis als vor fünf Jahren. „Da hoffe ich schon auf ein Ergebnis von über 40 Prozent“, betonte Seehofer. Schließlich stelle die CSU mit Manfred Weber den Spitzenkandidaten.

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Seehofer betonte, er habe sich dazu entschlossen, seinen Beitrag zur „Befriedung“ in der Partei zu leisten. „Sie werden mich nicht in eine konfrontative Stellung zu Markus Söder bringen“, sagte der scheidende CSU-Chef.

Seehofer hatte im vergangenen Jahr beklagt, dass gegen ihn eine Kampagne gefahren werde. Heute formuliert er anders: „Es ging in vielen Medien gegen mich als Person. Man hat mich in die rechte Ecke gestellt, sogar mit Beate Zschäpe wurde ich verglichen. Oder ich war der Gefährder, der partout Angela Merkel stürzen wollte. Nichts davon hat gestimmt.“

Wenn es um die Kritik aus den eigenen Reihen geht, die es ja ebenfalls durchaus gab, gibt sich der Ingolstädter wortkarg – ja fast etwas versöhnlich. „Lassen wir doch die Vergangenheit ruhen. Wer immer nur in den Rückspiegel schaut, fährt irgendwann gegen die Wand.“

Noch drei Jahre Bundesinnenminister - und was will Horst Seehofer dann machen?

Die neue CDU-Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat sich fest vorgenommen, offen über mögliche Fehler zu sprechen, die in der Union nicht zuletzt Angela Merkel angekreidet werden. Seehofer ist sich sicher, dass dieses Thema „uns noch viele Jahre beschäftigen“ werde.

Schließlich bleibe der Migrationsdruck weltweit unverändert hoch. Doch kein böses Wort über die Kanzlerin: „Mir geht es nicht um ein Scherbengericht über Angela Merkel, sondern um eine befriedende Aussprache.“ Vielleicht habe man über dieses Thema in den vergangenen drei Jahren in der CDU zu wenig diskutiert.

Holger Sabinsky-Wolf, verantwortlich für Landespolitik (v.l.), Chefredakteur Gregor Peter Schmitz und der Leiter des Hauptstadtbüros, Stefan Lange, im Gespräch mit Horst Seehofer.
Bild: Bernd von Jutrczenka

Daran, dass Merkel bis zum Ende der Legislaturperiode Kanzlerin bleibt, hegt Seehofer keinen Zweifel. Allerdings mit einer kleinen Einschränkung. „Ich habe auch gesagt, dass eine Regierung immer von den Wahlen abhängt, die dazwischen liegen. Kein Mensch kann prognostizieren, wie die Europawahl und die nächsten Landtagswahlen ausgehen. Da können wir uns in der Großen Koalition noch so viele Liebeseide schwören – wenn das Wahlergebnis nicht stimmt, löst das immer Diskussionen aus.“

Seine Karriere als Bundesinnenminister könnte noch knapp drei Jahre dauern. Und dann? Er habe nicht die „geringste Angst“ vor dem Ruhestand. Im Gegenteil. „Ich kann mir noch einiges vorstellen.“ Zum Beispiel: „Meine Erfahrungen aus fast 40 Jahren Politik in Buchform zu fassen.“

Lesen Sie das gesamte Interview hier: Horst Seehofer: "Ich bereue gar nichts"

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