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Großbritannien

14.01.2019

Mister "Stop Brexit": Dieser Mann demonstriert täglich vor dem Parlament

Brexit-Gegner Steve Bray, genannt „Mr. Stop Brexit", demonstriert vor dem Unterhaus in London.
Bild: Stephen Chung, dpa

Der 49-jährige Waliser Steve Bray wird nicht müde, seine Landsleute vor dem Brexit zu warnen. Als Ober-Aktivist ist er mittlerweile zur Berühmtheit geworden.

Vor dem Westminster-Palast herrscht Aufregung. Gerade hat Steve Bray von einer Bekannten am Telefon erfahren, dass im Fernsehen während eines live ausgestrahlten Interviews „Leave“-Poster im Hintergrund zu sehen sind. In Messingrot stechen die Pro-Brexit-Plakate aus dem Meer der blauen Flaggen mit den zwölf goldenen Sternen heraus. „Holt mehr Fahnen her“, ruft Bray einer Gruppe zu. Sofort bringen ihm andere Aktivisten Fahnen sowie ein Banner, das der Brite nun vor der Nase der Protest-Konkurrenz ausrollt. Er streckt es gen Himmel und damit in Sichtweite der TV-Kameras, die auf dem Rasen vor dem britischen Parlament stehen. „Wir wollen eine Volksabstimmung“, können die Zuschauer nun lesen.

Steve Bray atmet kurz durch. Es ist viel los dieser Tage, insbesondere für den 49-Jährigen, der im Königreich als Ober-Aktivist mittlerweile eine Berühmtheit darstellt. Er ist Mister „Stop Brexit“. Unermüdlich steht Bray seit September vergangenen Jahres fast täglich zwischen 10 und 18 Uhr vor dem Parlament, um gegen den Austritt des Königreichs aus der EU zu kämpfen.

Brexit: Nicht wenige finden, dass Steve Bray nervt

Ein europaskeptischer Abgeordneter kommt aus dem altehrwürdigen Gebäude. Bray eilt hinterher, fragt freundlich nach den Vorteilen der anstehenden Scheidung. „Wie wird Großbritannien davon profitieren?“ Der Parlamentarier winkt ab und wirft ihm lediglich ein „Abwarten“ hin. Bray schüttelt den Kopf und sagt wie zu sich selbst: „Was ist das für eine Art, ein Land zu führen?“ Nicht wenige finden, Steve Bray nervt. Der nimmt das fast als Kompliment auf – zu bedeutend sei die Sache, für die er eintritt, als dass er aufhören könnte. „Jede Form des Brexits fügt allen Beteiligten Schaden zu.“ Die Europafreunde auf der Insel bewundern den hartnäckigen Mann, dessen Uniform unter anderem aus einem blauen Zylinder mit der Aufschrift „Stop Brexit“ besteht. Zudem trägt er stets eine EU-Flagge um die Schultern und Plakate in der Hand.

Das Gesicht der Anti-Brexit-Bewegung stammt aus Port Talbot, einer Stadt in Süd-Wales, die für ihre Stahlwerke bekannt ist. Und wo 57 Prozent der Menschen für den Austritt gestimmt haben. „Ich habe die EU immer als selbstverständlich betrachtet und hätte nie gedacht, dass ich mal für unseren Platz in der Gemeinschaft kämpfen muss“, sagt Bray, der im September 2017 nach London kam und nur für ein paar Monate gegen „diesen Wahnsinn“ demonstrieren wollte. Er sollte bleiben. Heute teilt er sich im Londoner Süden eine Wohnung mit einem Freund, der aussehe wie Boris Johnson, der Wortführer der Brexiteers. „Ist das nicht ironisch?“ Bray lacht.

Steve Bray steckt fast jeden Penny in die "Stop Brexit"-Kampagne

Lange hat der Münzsammler von Erspartem gelebt. Das ist mittlerweile aufgebraucht. Aber er benötige nicht viel und überhaupt, fast jeder Penny, der durch Spenden oder den Verkauf von Anti-Brexit-Zubehör hereinkomme, werde in die Kampagne gesteckt. 

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