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Porträt

10.07.2018

NSU-Richter Manfred Götzl: Der harte Hund

Gelingt NSU-Richter Manfred Götzl ein unnanfechtbares Urteil im Jahrhundertprozess?
Bild:  Tobias Hase (dpa)

Manfred Götzl ist aufbrausend und unnachgiebig. Aber er gilt als äußerst sorgfältiger Jurist. Gelingt ihm ein unanfechtbares Urteil im NSU-Prozess?

Für Manfred Götzl beginnt in der kommenden Woche die Zeit des stillen Kämmerleins. Der Vorsitzende Richter des NSU-Prozesses wird nach seinem mündlichen Urteil am Mittwoch eine schriftliche Urteilsbegründung abfassen müssen. Götzl kann sich wegen des Prozessumfangs Monate Zeit lassen. Für den im kommenden Jahr in den Ruhestand wechselnden Richter wird es wohl seine letzte Tätigkeit werden – und die wichtigste. (Die Ereignisse des NSU-Prozesses im Live-Ticker)

Manfred Götzl steht für rechtskräftige Urteile

Götzl ging im Jahr 2013 mit dem erkennbaren Ziel in das NSU-Verfahren, ein revisionsfestes Urteil zu erreichen. Er ließ jede der angeklagten Straftaten gründlichst in der Beweisaufnahme prüfen. Den Vorwurf mangelnder Sorgfalt macht niemand dem Richter. Wenn der 64-jährige Franke das Ruhestandsalter erreicht, wird es vermutlich noch einige Zeit dauern, bis seine Taktik als erfolgreich oder gescheitert zu bewerten ist. Dass irgendeine der vielen beteiligten Seiten in dem Mammutprozess Revision einlegen wird, gilt als sicher – ob eine Revision und damit eine neue Verhandlung zumindest über Teile des NSU-Komplexes nötig wird, hängt an der Qualität der Urteilsbegründung. Bisher steht Götzls Name für fast ausschließlich rechtskräftige Urteile.

Doch wie schon früher schieden sich auch im NSU-Prozess die Geister an Götzl. Manche Vertreter der Angehörigen lobten seine sachkundige Arbeit. Andere stießen sich dagegen an der oft schroff und empathielos wirkenden Art Götzls. Der ursprüngliche Verteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe, Wolfgang Heer, brachte dies mit einer Wortneuschöpfung zum Ausdruck. Jeder Prozessbeteiligte kenne das Wort „abgötzeln“, sagte er im Plädoyer. Das beschreibe die Art, wie der Richter immer wieder Verfahrensbeteiligte zurechtweise.

Jammernde Angeklagte sind ihm ein Gräuel

Hart, aber präzise – diese Beschreibungen ziehen sich durch Götzls Laufbahn. Seit Juli 2010 steht er an der Spitze des für Terrorismusverfahren zuständigen 6. Senats des Oberlandesgerichts München. Zuvor war er sieben Jahre als Schwurgerichtsvorsitzender mit spektakulären Kapitalverbrechen befasst. Götzl wirkt asketisch. Er ist schlank und drahtig. Meist schaut er ernst, manchmal mürrisch. Lächeln sieht man ihn selten. Konflikte scheut er nicht. Er streitet oft mit Verteidigern, Nebenklägern und Zeugen. Früher hat er sie auch mal angebrüllt – im NSU-Prozess legte er lieber ab und zu eine Pause ein, auch um sich selbst zu schützen. Es heißt, der Jazzfan Götzl könne witzig und unterhaltsam sein, wenn er bei geselligen Anlässen auftaucht. In Gerichtsverfahren kann er diese Seite erfolgreich verbergen. Sensibilität ist nicht seine Stärke, jammernde Angeklagte sind ihm ein Gräuel.

Götzl ist mit einer Juristin verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. In der Vergangenheit zeigte er, dass er sich in seiner Arbeit von äußerem Druck nicht beirren lässt. Das trug ihm nicht selten den Vorwurf ein, eigensinnig oder gar unbelehrbar zu sein. Nach dem Jahrhundertprozess wird der medienscheue Richter ziemlich sicher komplett aus der Öffentlichkeit verschwinden. (afp, hogs)

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