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24.07.2010

Nach Vereinsverbot weniger rechte Sommercamps

Nach Vereinsverbot weniger rechte Sommercamps
Bild: DPA

Berlin (dpa) - Das im März 2009 erlassene Verbot des bundesweiten Vereins Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) zeigt Wirkung. In den vergangenen Jahren fiel die rechtsextreme Organisation vor allem mit Zeltlagern für Kinder und Jugendliche auf.

In diesem Jahr gibt es nur noch vereinzelt rechtsextreme Sommercamps, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa in den Ländern zeigt.

"Wir müssen alles tun, um unsere Kinder und Jugendlichen vor diesen Rattenfängern zu schützen", sagte der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) beim Verbot der HDJ. Nach damaligen Angaben des Ministeriums versuchte der Verein, Kinder und Jugendlichen in Ferienlagern nationalsozialistische und rassistische Ideen einzuimpfen. Auch ganze Familien nahmen an den Zeltlagern teil. Bundesweit hatte der Verein rund 400 Mitglieder.

In MECKLENBURG-VORPOMMERN veranstaltete die HDJ vor zwei Jahren ein Zeltlager etwa 20 Kilometer südlich von Rostock. Nach Angaben der Polizei wurden dort 39 Jungen und Mädchen im Alter von 8 bis 14 Jahren gezielt mit "nationalistischem Gedankengut" konfrontiert. Die Polizei durchsuchte das Lager und löste es auf. Von ähnlichen Lagern in diesen Sommer ist den Experten im Land nichts bekannt. "Wir haben keinerlei Erkenntnisse, dass irgendwo was geplant ist", sagte eine Sprecherin des Schweriner Innenministeriums.

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In BADEN-WÜRTTEMBERG gibt es nach Angaben des Verfassungsschutzes Zeltlager, Grillfeste, Ausflüge, Wanderungen und Fahrten der rechtsextremen Szene. Diese werden überwiegend von einzelnen Personen oder kleineren Gruppen oder Kameradschaften aus der neonazistischen und Skinheadszene angeboten. Auch die NDP und ihre Jugendorganisation JN führen diverse "Freizeitveranstaltungen" durch. So gab es im Juni 2010 in der Main-Tauber-Region eine Sonnwendfeier von NPD und JN mit rund 150 Teilnehmern. Im Juli nahmen rund 60 Menschen an einem "Orientierungsmarsch" der JN im Kreis Freudenstadt teil.

Auch in NIEDERSACHSEN gab es in den vergangenen Jahren vereinzelt von Rechtsextremisten organisierte Camps, unter anderem von der HDJ. "Niedersachsen ist aber kein Schwerpunkt bei der Durchführung solcher Camps", sagte die Sprecherin des Verfassungsschutzes in Hannover, Maren Brandenburger. Mehr Bedeutung für den Zusammenhalt der rechtsextremistischen Szene hätten eher Veranstaltungen wie das Pressefest des Deutsche Stimme Verlages, Demonstrationen zum 1. Mai oder zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens.

Die Veranstaltung solcher Camps sei eher für rechtsextremistische Organisationen mit so genannter völkischer Ausrichtung typisch. "Zu nennen sind hier insbesondere die inzwischen verbotene Heimattreue Deutsche Jugend oder die ebenfalls verbotene Wiking Jugend", sagte Brandenburger. Sie nannte auch die JN, die mit ihrer "Interessengemeinschaft Fahrt und Lager" Camps veranstaltet. In diesem Jahr sei nur ein derartiges Treffen von Rechtsextremisten in Niedersachsen bekanntgeworden.

In NORDRHEIN-WESTFALEN liegen den Sicherheitsbehörden keine Erkenntnisse zu rechten Sommercamps in diesem Jahr vor. Positiv habe sich offenbar das Verbot der HDJ ausgewirkt, sagte eine Sprecherin des Düsseldorfer Innenministeriums. Seitdem seien keine entsprechenden Aktivitäten in mehr festzustellen. 2006 und 2008 habe die HDJ noch Zeltlager für Kinder und Jugendliche in Ostwestfalen organisiert. 2006 nahmen daran 90 Personen teil, darunter 70 Kinder und Jugendliche, 2008 waren es noch 25 Teilnehmer, darunter bis zu 15 Kinder und Jugendliche.

In HESSEN gibt es nach Angaben des dortigen Verfassungsschutzes vereinzelt rechte Zeltlager. In den anderen Bundesländern ist nichts für diesen Sommer bekannt. Ein Sprecher des Innenministeriums in SACHSEN-ANHALT sagte: "Dieses Jahr ist es absolut ruhig."

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