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Porträt

10.02.2019

"Napalm-Mädchen" Kim Phuc erhält den Dresden-Preis

Kim Phuc vor dem Foto "Schrecken des Krieges", mit dem sie in die Geschichtsbücher einging.
Bild: Leonardo Muñoz, dpa

1972 läuft die neunjährige Kim Phuc in Vietnam Kriegsreportern in die Arme. Das Foto geht um die Welt, wird zur Mahnung. In Dresden bekommt sie nun einen Preis.

Sie beschwere sich niemals, „trotz der andauernden Schmerzen. Sie ist ein Engel.“ Gesagt hat das Nick Ut, 67, ehemaliger Kriegsfotograf, über eine starke Frau. Sein Foto von ihr ging um die Welt, hat sich eingeprägt ins kollektive Gedächtnis: Ein nacktes Mädchen, das mit anderen Kindern auf den Fotografen zuläuft, im Hintergrund Männer mit Schutzhelmen vor dem schwarzen Rauch über dem Dorf Trang Bang bei Saigon in Südvietnam. Die Haut ist zu 30 Prozent verbrannt. Niemand glaubt, dass die Neunjährige überleben kann. Es wird zehn Jahre dauern, bis sich Kim Phuc wieder vollständig bewegen kann. Entscheidende Hilfe dazu erfährt sie damals in einer Spezialklinik in Ludwigshafen.

Das "Napalm-Mädchen" erscheint auf der Titelseite der New York Times

Das Foto mit dem Titel „Schrecken des Krieges“ erscheint am nächsten Tag auf der Titelseite der New York Times, wird weltweit gedruckt, bekommt den berühmten Pulitzerpreis, wird Pressefoto des Jahres. Seine Geschichte ist mindestens genauso spannend wie die des Mädchens Kim Phuc Phan Ti, das als „Napalm Girl“ weltweit Berühmtheit erlangt hat.

Es ist der 8. Juni 1972. In Trang Bang sollen sich nordvietnamesische Soldaten verschanzt haben und eine wichtige Verbindungsstraße von Saigon (heute Ho-Chi-Minh-Stadt) in den Norden kontrollieren. Südvietnamesische Truppen gehen gegen sie vor, bitten um Unterstützung aus der Luft. Südvietnamesische Bomber werfen Napalm-Brandsätze auf das Dorf. Eine Gruppe internationaler Reporter – unter ihnen der junge Vietnamese Nick Ut – verfolgt das Geschehen. Sie macht ihre Arbeit auch noch, als ihr Kim Phuc und die anderen in die Arme laufen.

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14 Monate verbringt das Mädchen Kim Phuc in Krankenhäusern

Das Mädchen wird die nächsten 14 Monate in Krankenhäusern verbringen. In Vietnam wird Kim Phuc von den Machthabern jahrelang als Kriegsopfer vorgeführt. 1986 bekommt sie von der Regierung die Möglichkeit, in Kuba ihr Medizinstudium fortzusetzen. Auf der Insel lernt sie auch ihren vietnamesischen Mann kennen. Die Hochzeitsreise führt sie 1992 nach Moskau. Auf dem Rückflug nach Havanna nutzen sie einen Tankstopp in Kanada, um dort Asyl zu beantragen. Heute lebt das Ehepaar, das zwei erwachsene Söhne hat, in Toronto.

1997 gründet Kim Phuc, die inzwischen Botschafterin des guten Willens bei der Unesco ist, eine Stiftung, die Kindern hilft, die wie sie Opfer des Krieges geworden sind. Sie selbst kämpft bis heute mit ihren Wunden. 2015 lässt sie sich in einer Spezialklinik in Miami (Florida) mit Laser behandeln, um die starken Schmerzen durch die vernarbte Haut zu lindern.

Kim Phuc erhält 2019 für ihre Verdienste den Dresden-Preis

An diesem Montag bekommt Kim Phuc den Dresden-Preis, der seit 2011 an Persönlichkeiten verliehen wird, die sich um Völkerverständigung und Frieden verdient gemacht haben. Auch Michail Gorbatschow und Daniel Barenboim erhielten ihn bereits.

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