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Österreich
30.11.2020

Elisabeth Köstinger: Österreichs Pistenpolizistin

Soll den österreichischen Wintertourismus retten: Ministerin Elisabeth Köstinger.
Foto: Jakob Glaser, Neue Volkspartei, dpa

Als Tourismusministerin hat Elisabeth Köstinger eine der heikelsten Aufgaben in der österreichischen Regierung: Sie soll den Wintertourismus retten. Ein Porträt.

Sie gehört zu jenem engen Kreis in der konservativen Österreichischen Volkspartei (ÖVP), mit dem sich Sebastian Kurz seit Beginn seines politischen Aufstiegs umgibt: Tourismusministerin Elisabeth Köstinger ist eine getreue Gefolgsfrau des Kanzlers – und seit Ausbruch der Corona-Pandemie kommt ihr auch eine zentrale Rolle in der Regierung zu: der Kampf um den (Winter-)Tourismus, für den es in der anstehenden Saison alles andere als rosig aussieht. Unermüdlich rückt die gebürtige Kärntnerin, die gerade erst ihren 42. Geburtstag gefeiert hat, seit dem Frühjahr für ihren Chef aus, um für die für Österreich wirtschaftlich bedeutsame Branche zu retten, was zu retten ist.

Elisabeth Köstinger will den österreichischen Ski-Tourismus mit Hilfe der Polizei retten

Vor dem Sommer initiierte Köstinger ein Corona-Testprogramm samt Hygienekonzept für die Angestellten in den Hotels und im Gastgewerbe – mit dem Ziel, Sommertourismusorte in den Alpen für ausländische Gäste sicher zu machen. Das 150 Millionen Euro teure Projekt allerdings floppte, obendrein hagelte es Kritik aufgrund einer möglichen Einbindung des Beratungsunternehmens McKinsey.

Nun setzt sich die ehemalige Kommunikationsberaterin Köstinger, seit Juli 2018 Mutter eines kleinen Sohnes, mit ganzer Kraft für den Skitourismus ein – man lasse sich in Österreich von außen nicht vorschreiben, ob man die Saison eröffne, wird die Ministerin nicht müde zu betonen. Ihre letzte Idee: Die Polizei solle auf den Pisten präsent sein und dafür sorgen, dass die Abstands- und Sicherheitsmaßnahmen von den Touristen auch eingehalten werden.

Der Bauernbund ist die politische Heimat von ÖVP-Ministerin Köstinger

Tourismus und Landwirtschaft sind Köstingers ureigenste Bastion. Ihre politische Heimat ist der Bauernbund, dessen Vizepräsidentin sie bereits seit 2009 ist. Im selben Jahr ließ sie sich für die ÖVP ins Europaparlament wählen. Damalige Kollegen aus anderen Fraktionen beschreiben sie als „verbissene Lobbyistin für die Sparten Landwirtschaft und Tourismus“. Keine großen Änderungen im System, das sei beim Thema Bauern ihre Devise gewesen.

 

Mit Grünen und Liberalen habe es zwar eine gute Basis gegeben, ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete aber beschreiben sie als „Sozialistenfresserin“. Liegen könne das an ihrer politischen Sozialisation in Kärnten, wo man es als ÖVP-Politikerin traditionell schwerhat. Während Sozialdemokraten aber auf der persönlichen Ebene ein gutes Einvernehmen mit Köstinger bestätigen, dürfte das für einige Grüne, mit denen Köstinger nun als Juniorpartner in der Bundesregierung zusammenarbeitet, nicht so gut laufen: Ruppig und schwierig im Umgang sei sie, ist zu hören.

Nach der Übernahme der Partei durch Kurz stieg Köstinger zur Generalsekretärin auf und nach dessen Wahlsieg stellte sie einen Rekord auf: Mit nur 39 Tagen im Amt ist sie die kürzestdienende Parlamentspräsidentin aller Zeiten – ein Warteposten auf das Ministeramt für Tourismus und Landwirtschaft, das Köstinger danach antrat, lautete damals die Kritik.

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