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Porträt
11.04.2018

Einer der letzten Rock ’n’ Roller - Joschka Fischer wird 70

Joschka Fischer feiert seinen 70. Geburtstag.
Foto: Rolf Vennenbernd, dpa (Archivbild 2018)

Joschka Fischer verdient mit 70 richtig Geld, aber bleibt auch ein politischer Vordenker. Die Grünen wollen ihn dennoch nicht zurück – und er sie auch nicht.

Wer Joschka Fischer richtig ärgern will, nennt ihn eine „grüne Raupe Nimmersatt“. Der Autor dieser Zeilen hat das mal getan, als Fischer vor einigen Jahren bei einem Hedgefonds der Ex-US-Außenministerin Madeleine Albright in Washington einstieg, allem Anschein nach hoch bezahlt. Fischer war, man kann es nicht schönreden, stinksauer über den Begriff. Und er beschwerte sich bitterlich über die deutsche Neidkultur, die für Politiker stets die Lohnobergrenze vorsehe.

Fischer bleibt ein wichtiger politischer Vordenker

Um ihn nicht weiter zu reizen, verkniff man sich damals die Bemerkung, er klinge beinahe wie sein politischer Kumpel Gerhard Schröder, den auch immer wurmte, dass er als VW-Aufsichtsrat Gehälter durchwinken musste, die sein Salär als Ministerpräsident überstiegen. Genau wie Schröder ließ Fischer sich von schnöder Kritik ohnehin nicht davon abhalten, bis heute viel Geld zu verdienen, als Berater für Konzerne und Vortragsreisender.

Und doch lässt sich das Wort Nimmersatt durchaus schmeichelhaft für Fischer verwenden. Denn nimmersatt ist er auch in seinem intellektuellen Ringen mit der Welt an sich. Altkanzler Schröder fällt höchstens noch durch warme Worte für Wladimir Putin auf, aber Fischer schreibt beinahe im Akkord dicke Bücher, über Europa, den Westen, die ganz großen Fragen halt. Und obwohl – oder gerade weil – der einstige Obergrüne den Abschied von der politischen Bühne sauber vollzogen hat (seit Jahren besuchte er keinen Parteitag mehr), bleibt er so politischer Vordenker.

Ex-Außenminister Joschka Fischer greift Angela Merkel mit drastischen Worten an. Foto: Roland Schlager/Archiv dpa
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Vom Turnschuh-Minister zum Top-Berater
Foto: dpa, Herlinde Koelbl, Fred Schöllhorn

Vom Rebell zum erfolgreichen Politiker und Unternehmer

Nimmersatt war Fischer, am Donnerstag vor 70 Jahren als Joseph Martin Fischer geboren, seine gesamte Karriere lang. Er warf erst in Frankfurt Pflastersteine und dann sich selbst in den politischen Kampf. Die Turnschuhe, die er bei seiner ersten Vereidigung als Minister trug, werden im bundesrepublikanischen Gedächtnis bleiben, natürlich auch der Satz „Mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch“ an die Adresse des Bundestagsvizepräsidenten – genau wie später das autoritäre Gehabe als Bundesaußenminister, die teuren Nadelstreifenanzüge, die fast ausgemergelte Figur nach einem (Marathon-)Lauf zu sich selbst. Fischer hat nie wie Schröder am Zaun des Kanzleramtes gerüttelt, doch an Macht- und Liebeshunger stand er diesem kaum nach, fünf Ehen inklusive.

Man muss das nicht verklären, aber dass Fischer einer der letzten politischen Rock’n’ Roller war, lässt sich auch kaum bestreiten. Im Merkel-Kabinett gilt ein Heiko Maas schon als „glamourös“, weil er eine Schauspielerin kennt und enge Anzüge trägt. Ob Machtmensch Fischer im Zeitalter von #MeToo und der Debatte um den modernen Mann noch „vermittelbar“ wäre? Die Grünen scharen sich gerade um Robert Habeck, weil der gefühlvoll denke und nicht so autoritär agiere. Im Vergleich war Fischer ein übler Macho. Allerdings waren die Grünen mit ihm auch noch an der Macht.

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