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Tod des Altkanzlers

16.06.2017

Pressestimmen zu Helmut Kohl: "Er war ein Glück für Deutschland"

16 Jahre war Helmut Kohl Bundeskanzler - so lange wie niemand vor und nach ihm.
Bild: Uwe Anspach, dpa (Archiv)

Nach dem Tod von Altkanzler Helmut Kohl loben Kommentatoren dessen Verdienste um Europa und die deutsche Wiedervereinigung. Sie sparen aber nicht an Kritik.

"Die Wiedervereinigung sei Kohl  doch eigentlich in den Schoß gefallen, sagen Kritiker. Doch selbst wer nicht zur Verehrung dieses Mannes neigt, muss einräumen, dass er mehr war als bloß ein Profiteur historischer Glücksfälle. Natürlich war die Verschmelzung der beiden deutschen Staaten im Expresstempo nicht allein sein Verdienst. Aber keiner hat das zielstrebiger, mit mehr Leidenschaft und Fortune betrieben." Stuttgarter Zeitung

"Helmut Kohl wird für immer einen herausragenden Platz in der deutschen Geschichte einnehmen. Als Kanzler der Deutschen Einheit wird er unauslöschbar mit der Wiedervereinigung der beiden Staatsteile verbunden sein. (...) Helmut Kohl war aber auch oder gerade ein großer Europäer. Er hat immer an ein gemeinsames Europa geglaubt als Garant für den Frieden auf unserem Kontinent. Symbolisch für seine versöhnende Haltung zu all unseren Nachbarn steht der Händedruck von Verdun 2004 mit dem damaligen französischen Ministerpräsidenten Mitterand als Zeichen einer neuen Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland." Neue Osnarbrücker Zeitung

"Zahllose Probleme hat Kohl ausgesessen, manche Reform verschoben. Doch in zwei zentralen Punkten war er zupackend und schnell: Als es um die deutsche Einheit ging und später um Europa, zeigte er einen Führungswillen, wie man ihn heute weltweit vergebens sucht (...) Kohl spürte, dass die historischen Umstände günstig waren. Und er fürchtete, die EU könne in Zukunft auseinandergerissen werden von neuen nationalistischen Strömungen. Diese Warnungen galten damals als abstrus - heute bekommen sie einen neuen Klang." Leipziger Volkszeitung

Pressestimmen: "Kohl sollte faire Richter bekommen"

"Es ist die Tragik Helmut Kohls, dass immer mehr über diese Fehler gesprochen wurde als über die Leistungen. Ihm ist es nicht wie Helmut Schmidt gelungen, nach dem Ende der Amtszeit den Nachruhm zu mehren und am eigenen Denkmal zu arbeiten. Die Parteispendenaffäre zog die harte Linie, und Kohl war nicht in der Lage, diesen Schaden zu beheben (...) Kohl hat es verdient, dass sich der Blickwinkel wandelt und sich der graue Schleier hebt. Er sollte faire Richter bekommen, frei von den Sympathien und Antipathien, die ihn zu Lebzeiten verfolgt haben. Kohl hat es verdient. Er war ein Glück für Deutschland." General-Anzeiger, Bonn

"Physis und Psyche sind gewaltig gefordert während einer lebenslangen Laufbahn in der großen Politik. Womöglich erklärt dies auch die Brüche in Kohls Leben, das empathiefreie Zusammenleben mit der leidenden Frau, den Konflikt mit den Söhnen. Aber auch den fast despotischen Eigensinn im Umgang mit der eigenen Partei. Für Kohl war Politik mehr als Rhetorik, es war existenzieller Kampf um die freiheitliche Grundordnung. Diesen Kampf nahm er an, gewann viel - musste aber auch bitter bezahlen." Badische Neueste Nachrichten

"Der Respekt seiner Landsleute ist Kohl indes nicht zugeflogen, er hat ihn sich verdient. Dabei muss man den Machtstrategen Helmut Kohl nun nicht heiligsprechen. Gegnern außer- wie innerhalb seiner Partei hat er das politische Leben herzhaft schwergemacht. Ob man ihm aber die Spendenaffäre über den Tod hinaus nachtragen muss? Dieser Kanzler hat für Deutschland in entscheidenden Phasen der Geschichte das Richtige getan. Das zählt!" Schwarzwälder Bote

"Helmut Kohl konnte von nervtötender Selbstgerechtigkeit sein, von einer verstörenden Machtarroganz, die ihn sein Ehrenwort über das Grundgesetz stellen ließ. Und trotzdem war er für die Republik ein Glücksfall, ein Instinktpolitiker, der zur rechten Zeit einen Zipfel des Mantels der Geschichte zu fassen bekam - und ihn mit pfälzischer Dickköpfigkeit festhielt." Münchner Merkur

"In zwei zentralen Punkten war Helmut Kohl zupackend und schnell: Als es um die deutsche Einheit ging und später um Europa, zeigte er einen Führungswillen, wie man ihn heute weltweit vergebens sucht. Kohl war nicht nur ein Machtpolitiker. Er hatte Ziele, wollte die Szenerie verändern. In einem freien, geeinten Europa sah er die Antwort auf alle Fragen - sogar auf die höchst persönlichen Fragen nach Schuld, Sinn und Schicksal, die viele Deutsche seiner Generation umtrieben." Lübecker Nachrichten

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