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Missbrauchs-Fälle

11.03.2010

Psychiater: Zölibat nicht Ursache für sexuellen Missbrauch

Kirche im Nebel.

Ein Psychiater sieht den Zölibat der katholischen Kirche nicht als Ursache für sexuellen Missbrauch. Pädophile Priester würden sich von anderen Sexualstraftätern unterscheiden.

Pädophile Priester sind sich ihrer Taten nach Meinung des Essener Psychiaters Norbert Leygraf sehr viel stärker bewusst als andere Sexualstraftäter.

"Sie sind meistens intellektuell recht fit und haben die Fähigkeit, in sich hineinzuhorchen", sagt Leygraf. "Aufgrund ihres Berufs haben sie außerdem eine strengere Gewissensstruktur und deshalb mehr Gewissensbisse als die üblichen Missbraucher." Eine Ausnahme seien allerdings jene, die sich nur Internet-Pornografie anschauen. "Die haben die erstaunliche Fähigkeit, auszublenden, dass sich dahinter Missbrauchsfälle verbergen."

Die aktuelle Debatte nach dem Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle sei überfällig, sagte Leygraf. "Ich bin nicht entsetzt über das Ausmaß, sondern eher über die Naivität, mit der an die Diskussion herangegangen wird." In Bezug auf sexuellen Missbrauch in den 50er und 60er Jahren gebe es ein "riesiges Dunkelfeld". Den Zölibat sieht Leygraf nicht als Ursache für sexuellen Missbrauch. "Er kann zwar seelische Probleme bereiten, aber durch den Zölibat wird man nicht pädophil."

Der Professor am Institut für Forensische Psychiatrie der Uni Duisburg-Essen begutachtet seit mehreren Jahren im Auftrag der katholischen Kirche auffällig gewordene Priester und gibt Empfehlungen ab, ob diese wieder in den Dienst zurückkehren können. Bislang stellte Leygraf in zwölf Fällen eine Straftat fest, in fünf anderen lag grenzüberschreitendes Verhalten vor, wie etwa ein gemeinsamer Saunabesuch eines Priesters mit einem Jugendlichen. In sieben dieser Fälle empfahl der Psychiater, die Priester wieder ganz normal in ihrem Beruf arbeiten zu lassen. ( dpa)

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