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Simbabwe

16.11.2017

Robert Mugabe im Porträt: Vom Freiheitskämpfer zum Despoten

Robert Mugabe wurde in Simbabwe vom Militär gestürzt.
Bild: Tsvangirayi Mukwazhi, dpa (Archiv)

Robert Mugabe galt einmal als Hoffnungsträger in Simbabwe - nun hat das Militär den Präsidenten von Simbabwe gestoppt. Die Geschichte einer diabolischen Verwandlung.

Die „Karikatur eines afrikanischen Despoten“ nannte ihn einst der frühere südafrikanische Erzbischof und Kämpfer gegen die Apartheid, Desmond Tutu. Eine Karikatur, über die jedoch schon lange kaum einer mehr lachen kann: Zu viele Menschen mussten unter der Grausamkeit von Robert Mugabe, des heute 93-jährigen Präsidenten von Simbabwe, leiden.

Dabei war auch der Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu zunächst ein Bewunderer des Mannes, der 1924 als Sohn eines Tischlers zur Welt kam. Mit beeindruckender Energie kämpfte sich der junge Mugabe heraus aus der bitteren Armut, in der er aufwuchs. Und lange schien es so, als habe er das Zeug und den festen Willen dazu, seine schwarzen Landsleute auf diesem Weg mitzunehmen. Geprägt durch seine jesuitische Erziehung, gewinnend durch eine brillanten Rhetorik und elegante Kleidung, erwuchs dem Apartheidregime aus dem Lehrer und späteren Juristen in den 60er und 70er Jahren ein gefährlicher Gegner.

Nach einem blutigen Bürgerkrieg wurde aus der britischen Kronkolonie Rhodesien das unabhängige Simbabwe. Daran hatte Mugabe großen Anteil: 1980 wurde er Premierminister, verehrt als Befreier von der Herrschaft der weißen Minderheit und als Wegbereiter des neuen Afrikas. Klug setzte Mugabe zunächst auf Versöhnung zwischen schwarz und weiß, verbesserte das Gesundheits- und Schulsystem.

Robert Mugabe ließ in Simbabwe immer dreister Wahlen fälschen

Doch schon bald begann Mugabes schleichende diabolische Verwandlung. Immer dreister ließ er Wahlen fälschen. Das Signal an die Bevölkerung lautete: Seht her, ich kann machen, was ich will. Tatsächlich hatte er Medien und Justiz auf Linie gebracht. Ganze Familien weißer Farmer wurden bei von Mugabes Partei angezettelten illegalen Landbesetzungen ausgelöscht.

Selbst die Massaker in den 80er Jahren an der ethnischen Minderheit der Ndebele, bei denen 15.000 oder noch mehr Menschen ums Leben kamen – änderten nichts daran, dass Mugabe bis heute in Afrika noch immer viele Bewunderer hat.

Porträt: Robert Mugabe verfolgte Gegner mit Hass

Seine Gegner verfolgt Mugabe mit unversöhnlichem Hass. 2013 schleuderte er den Anhängern seines in manipulierten Präsidentschaftswahlen unterlegenen Gegenkandidaten Morgan Tsvangirai entgegen: „Wer von seiner Niederlage schockiert ist, kann sich ja aufhängen. Selbst wenn er es tut, wird nicht einmal ein Hund sein Fleisch fressen.“ Zu der Machtbesessenheit gesellte sich Prunksucht. Tausende Gäste feierten den 93. Geburtstag des greisen Diktators. Dabei wurde eine gigantische Torte angeschnitten, Mugabes Mercedes-Limousine nachempfunden. Für hunderttausende hungernde Landsleute eine Provokation.

Robert Mugabe hatte sich alles genau überlegt: Seine grenzenlose Macht sollte auf seine 52-jährige Frau Grace – wegen ihrer Vorliebe für Luxus-Artikel „Gucci-Grace“ genannt – übergehen. Nun scheint es, dass dieser Plan vom Militär vereitelt wird. Zurück bleibt ein ruiniertes Land.

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