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Vatikan

09.12.2015

Schwarzgeldfund bei Kardinal Müller

Im Schreibtisch von Kardinal Gerhard Ludwig Müller wurden 20 000 Euro hinter einer alten Wurstdose gefunden.
Bild: Sven Hoppe, dpa

Im Schreibtisch von Müllers Verwaltungsleiter Ugolini wurden 20 000 Euro in Bar gefunden. Der ehemalige Regensburger Bischof gerät unter Druck. Ein neuer Finanzskandal im Vatikan?

Im Zuge der Finanzreformen von Papst Franziskus ist nun auch der ranghöchste deutsche Mitarbeiter des Papstes im Vatikan ins Visier geraten. Bei einer Kontrolle in der Glaubenskongregation, die vom deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller geleitet wird, entdeckten Vatikan-Fahnder einen ominösen Bargeldbestand. Im Schreibtisch von Müllers inzwischen suspendierten Verwaltungsleiter Mauro Ugolini waren rund 20 000 Euro in bar versteckt, in einer Schublade hinter einer alten Dose Wiener Würstchen. Das berichtete die Bild-Zeitung. Unterrichtete Kreise aus dem Vatikan bestätigten den Fund.

20.000 Euro Bargeld hinter einer alten Dose

Kardinal Müller wehrt sich gegen die Vorwürfe und widerspricht der Darstellung, dass nun gegen ihn persönlich ermittelt werde. „Unregelmäßigkeiten“ in seiner Behörde gestand Müller jedoch ein. Sie seien bereits vor einem halben Jahr geklärt worden. Er habe auch nicht, wie behauptet, zunächst die Akteneinsicht verweigert. Auch Vatikansprecher Federico Lombardi sprach von „einigen Unregelmäßigkeiten“ in der Glaubenskongregation im Zusammenhang mit Finanzen. Vor einem halben Jahr seien aber bereits die nötigen Maßnahmen ergriffen worden. Kardinal Müller hätte „mit dieser Angelegenheit nichts zu tun“.

Wie es aus gut informierten Kreisen im Vatikan heißt, suchten interne Kirchenermittler bereits vor einem knappen halbem Jahr in der Glaubenskongregation nach Dokumenten und stießen dabei auf das Bargeld im Schreibtisch von Verwaltungschef Ugolini, einem der engsten Mitarbeiter des Kardinals.

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Interne Kirchenermittler sind vor einem halben Jahr auf das Geld gestoßen

Nachdem Müller 2012 Präfekt der Glaubenskongregation wurde, erledigte der in Rom bestens vernetzte Ugolini auch private Besorgungen für Müllers Haushalt. Ob der 61-Jährige dabei Geld aus der Kongregation veruntreute, ist nicht klar. Die Bild-Zeitung berichtete, dass das im Schreibtisch gelagerte Bargeld aus Gebühren stamme, die der Vatikan aus den Bistümern in aller Welt für die Untersuchung von Missbrauchsfällen bezieht. Dieser Darstellung widerspricht Müller.

Auch interne Kenner der Glaubenskongregation bezweifeln, dass Gebühren für Missbrauchsverfahren als Bargeld in der Kongregation gelagert würden. Derartige Bearbeitungsgebühren belaufen sich meist auf rund 100 Euro pro Verfahren. In den vergangenen zehn Jahren gab es laut Vatikan weltweit rund 3400 glaubwürdige Beschuldigungen gegen Geistliche. In vielen Fällen leitete die Glaubenskongregation Disziplinarverfahren ein.

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