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So profitiert die CDU von Friedrich Merz

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Kommentar Von Rudi Wais
30.11.2018

Seitdem der frühere Fraktionschef seine Kandidatur erklärt hat, wirkt die sonst so biedere Partei wie wach geküsst. Aber wird er auch ihr Vorsitzender?

Neulich im Schwarzwald. In Bad Krozingen sitzen die Mitglieder des Kreisverbandes zusammen und reden sich die Köpfe heiß, wer die CDU denn in die Zeit nach Angela Merkel führen soll. Aus einer Laune heraus lässt der Kreisvorsitzende daraufhin abstimmen. Für Annegret Kramp-Karrenbauer, die Generalsekretärin, plädieren vielleicht 20 Mitglieder, für den früheren Fraktionschef Friedrich Merz weit über 100. Für Gesundheitsminister Jens Spahn heben sich nur zwei Hände.

Kramp-Karrenbauer ist Merkel ähnlicher, als sie es sein will

So eindeutig wie in Bad Krozingen ist das Meinungsbild nicht überall. Eine knappe Woche vor dem Parteitag in Hamburg liefern sich Merz und Kramp-Karrenbauer ein knappes Rennen, das vielleicht erst auf der Zielgeraden entschieden wird – durch eine besonders mitreißende Rede vor den gut 1000 Delegierten beispielsweise. Und wer auch immer sich am Ende durchsetzt, eine Richtungsentscheidung trifft die Partei in jedem Fall: Mit Merz, dem Idol der Konservativen, wird die CDU ein Stück zurück nach rechts rücken, sich wieder stärker von Sozialdemokraten und Grünen abgrenzen und auch im Auftritt forscher und fordernder werden. Kontrahentin Kramp-Karrenbauer dagegen ist ihrer Mentorin Merkel viel ähnlicher, als sie es im Moment aussehen lassen will: unprätentiös in Stil und Ton, beweglich in der Sache und vor allem im Streit um die Flüchtlingspolitik deutlich näher bei der Kanzlerin als ihre beiden Mitbewerber.

Mit der Generalsekretärin würde sich die CDU für die bequemste Variante entscheiden. Angela Merkel könnte Regierungschefin bleiben – und die SPD in der Koalition. Friedrich Merz zu wählen verlangt dagegen Mut und Risikofreude: Kann das funktionieren mit ihm und ihr? Greift er über kurz oder lang selbst nach der Kanzlerschaft? Seine Kandidatur ist bei allen persönlichen Ambitionen und Animositäten ja auch eine Reaktion auf die Lethargie, die Unentschlossenheit und die programmatische Dürre der letzten Merkel-Jahre. Kaum vorstellbar, dass er die Kanzlerin als neuer starker Mann der Partei einfach weitermachen ließe wie bisher. Kaum vorstellbar auch, dass die SPD einfach so weitermachen könnte. Für sie ist Merz, das nur nebenbei, Chance und Gefahr zugleich. Auf der einen Seite böte eine stärker ins Konservative gewendete CDU den Sozialdemokraten die Möglichkeit, sich an ihr zu reiben und so wieder neues Profil zu gewinnen. Auf der anderen Seite könnte sie auf Dauer kaum in einer Koalition bleiben, in der Friedrich Merz den Takt vorgibt, sei es als Parteichef, sei es als Kanzler.

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Die CDU-Führung hat wenig Lust auf Risiko

Entsprechend schwer tut sich die CDU mit der Entscheidung. Lange Zeit als biederer Kanzlerwahlverein verhöhnt, diskutiert sie nun zwar mit großer Leidenschaft die V-Frage. Was aus dieser Entscheidung folgt, wird ihr allerdings nur langsam klar. Bei Umfragewerten von weit unter 30 Prozent für die Union ist es mit dem Auswechseln der Parteivorsitzenden ja nicht getan. CDU wie CSU haben noch kein Rezept, um frustrierte Wähler von der AfD zurückzuholen, ihre Ministerriege verströmt von wenigen Ausnahmen abgesehen den spröden Charme eines Beamtenkongresses – und auch die Aussichten für die Landtagswahlen im nächsten Jahr sind alles andere als rosig.

Hätten alle Mitglieder die Wahl: Merz, der Kandidat der Herzen, käme vermutlich als klarer Favorit nach Hamburg. Die Delegierten eines Parteitages aber ticken häufig anders, unter ihnen sind viele Abgeordnete und Funktionäre, die um Ämter oder Mandate fürchten, ihre Lust am Risiko ist gering und ihre Experimentierfreude auch. Sie sollten nur eines nicht vergessen: So frisch und lebendig, wie die CDU gerade wirkt, wirkt sie nur, weil Friedrich Merz zurück ist.

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02.12.2018

NEIN!

Ich habe nicht auf Herrn Merz reagiert. Der ist mir schnuppe.

Ich habe auf den Kommentar von Rudi Wais reagiert. Und dessen journalistische distanzlose Verbal-Akrobatik. Verbunden mit vorauseilender Demutsgeste Herrn Merz gegenüber.

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02.12.2018

Allein die Reaktionen auf Herrn Merz machen es deutlich - er wäre der richtige Vorsitzende für die CDU.

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02.12.2018

;-)

Sehen Sie Ihre Merz-Felle davonschwimmen? Dass Sie ein hartherziger Hardliner mit Missionierungsdrang sind beweisen Sie immens fleißig Tag für Tag.

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01.12.2018

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/friedrich-merz-ein-obdachloser-fand-sein-notebook-und-das-war-der-dank-a-1240206.html

Bericht eines Obdachlosen, der die Großherzigkeit dieses selbstverliebten Gockels quasi hautnah erleben durfte. Nach eigener Aussage hat der ehrliche Finder seinen wohl handsignierten Finderlohn umgehend in der Spree entsorgt - ein adäquater Umgang mit dem für einen Obdachlosen sehr hilfreichen Werk "F. Merz. Nur wer sich ändert, wird bestehen" der auch den vielen anderen Schriften dieses Herrn zu wünschen ist.

Rudi Wais hat es mit seinem Kommentar über den "Kandidaten der Herzen" spielend geschafft, das Niveau von BLÖD noch deutlich zu unterbieten. Endlich ist mir auch klar, was Karl Kraus unter dem Begriff "Journaille" verstand. Und dass Willy Brandt richtig lag, als er meinte, dass jedenfalls einige Zeitungen „ein Nebenprodukt der holzverarbeitenden Industrie“ sind.

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02.12.2018

Auch ein Obdachloser hat unsere Gesetze zu beachten.

https://dejure.org/gesetze/StGB/246.html

Auch die Regeln zum Finderlohn sind zu beachten:

https://dejure.org/gesetze/BGB/971.html

Und da steht klar:

>> Der Finder kann von dem Empfangsberechtigten einen Finderlohn verlangen. <<

Er könnte ja klar sagen, dass ihm das Buch auf der Straße nichts hilft und er Geld als Finderlohn möchte. Stattdessen wirft er das Buch in den Fluß und rennt Jahre später zum Spiegel.

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02.12.2018

edit

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01.12.2018

Ein Kandidat der Herzen mit einem Herz aus Stein? Wenn ein Begriff mit Merz nicht in Einklang gebracht werden kann, dann ist das 'Herz'. Ein kühler Technokrat mag er sein, jemand, der sein eigenes Wohlergehen vor das der Partei und auch der Bürger dieses Landes gestellt hat (sonst wäre er nicht 'fahnenflüchtig' geworden, sondern hätte weiter ggf. als einer der gegen den Stachel löckt im Bundestag und in der Regierung mitgearbeitet) und lieber Millionen scheffelte, mit dafür sorgend, dass die, die schon haben, zu noch mehr kommen.

Herr Wais: vllt. erinnern Sie sich nicht daran, aber Sie waren über Jahre von Angela Merkel schlicht begeistert. Offenbar gefiel Ihnen ihr Führgunsstil, ihre Art Politik zu machen. Warum dann jetzt nicht eine Person als Nachfolgerin installieren, die ihr in vielem entspricht sich nur hinsichtlich konservativer Positionen von ihr abgrenzt? Warum muss hinsichtlich der Flüchtlingspolitik denn eine 180-Grad-Wende hingelegt werden, wo man doch mit vielem einverstanden war und nur einige Dinge in andere Bahnen gelenkt werden müssen. Warum denn auf jemand setzen der ähnlich wie die CSU im Jargon der AfD dieser die Wähler abspenstig machen will, was ja nicht mal in Bayern klappte.

Ist die Sehnsucht nach dem starken Mann inzwischen wirklich wieder so groß?

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30.11.2018

Welch ein Kotau! Der Kommentar schließt geradewegs da an, wo die bisherigen Lobeshymnen auf Kanzlerin Merkel, nach vielen Jahren alternativloser Distanzlosigkeit, nicht mehr greifen.

Der Mann, der sich einstens in die unpolitischen Büsche geschlagen hatte küsst nunmehr seine Partei wach? Peinlicheres habe ich selten gehört.

Das Idol der Konservativen. Es fehlt nur der bereits vorbereitete Heiligenschein. Doch die Frage bleibt: für was steht denn dieser Friedrich Merz? Im Punkt seiner künftigen Politik liegt bisher nicht viel greifbares vor. Oder will er in seine Vergangenheit greifen und Politik von vorgestern bieten?
Nein, es reicht einfach nicht, zu behaupten, er werde die CDU ein Stück politisch nach rechts rücken. Denn das gilt für alle drei Kandidaten.

Auch in diesem Kommentar nur einmal konkret: die Flüchtlingspolitik. Und die anderen Politikfelder?

Rudi Wais benennt zu recht Lethargie, Unentschlossenheit und die programmatische Dürre der letzten Merkel-Jahre. Nur: es sind mittlerweile 13 Merkel-Jahre ins Land gegangen und die Kanzlerin wurde bis nach der letzten Wahl für politisch alternativlos dargestellt -auch von Rudi Wais.

Das vernichtende Urteil über die beiden weiteren Kandidaten ist, wie ich meine, so nicht in Ordnung. Er bemüht ja sogar den Politikbestimmer Merz und die Kanzlerin von seinen Gnaden.
Der Gipfel ist dann allerdings der verliehene Titel: Kandidat der Herzen.

Bei der, sorry, Schleimspur schüttelt es mich.

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