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Shutdown in den USA

22.01.2019

Starkoch gibt Essen an Beamte, weil sie kein Geld bekommen

Freiwillige Helfer teilen in der „World Central Kitchen“ von Starkoch José Andrés in Washington ein kostenloses Essen an vom Shutdown betroffene Beamte aus.
Bild: Pablo Martinez, dpa

Suppe, Sandwich und Gemüse: Tausende US-Beamte stehen Schlange, um in Zeiten des Shutdowns etwas zu essen zu bekommen.

Am vergangenen Mittwoch, dem ersten Tag, kamen 4400. Tags darauf waren es 5558. Am Freitag wurden 6488 gezählt. Und ein Ende der Entwicklung ist nicht in Sicht. Jeden Mittag windet sich eine endlose Schlange um die benachbarten Gebäude. Die Menschen warten geduldig, bis sie eine Suppe, ein Sandwich und eine Gemüse-Bowl als kostenloses Mittagessen erhalten.

Die Bilder könnten aus einem Krisengebiet nach einer Naturkatastrophe stammen. Doch die Szene spielt am Navy Memorial im Herzen von Washington, keine 15 Minuten Fußmarsch vom Weißen Haus entfernt. Dort hat der Starkoch José Andrés eine kostenlose Suppenküche für Beamte eröffnet, die wegen des Haushaltsstreits seit einem Monat kein Gehalt erhalten. Weil Kreditraten, Mieten und Krankenversicherung trotzdem fällig werden, wird bei immer mehr der 800.000 Betroffenen das Geld auch für Essen knapp. „Wir haben einen nationalen Nahrungs-Notstand“, sagt Andrés in Anspielung auf den vermeintlichen Notstand, den Präsident Donald Trump an der Grenze zu Mexiko festgestellt haben will.

Shutdown: Überall Rabatte für Staatsbedienstete im Zwangsurlaub

Angesichts der verhärteten Fronten zwischen Trump und dem Kongress könnte der Shutdown noch lange anhalten. Und die Amerikaner reagieren auf typisch amerikanische Weise – mit Selbsthilfe. Überall gibt es Rabatte für zwangsbeurlaubte Staatsdiener, überall wird gesammelt, um die Bedürftigen zu unterstützen. Die bislang originellste Idee hatte der Late-Night-Talker Stephen Colbert, der in seiner Sendung eine Shutdown-Tasse vorstellte. „Sprich mich nicht an, bevor ich mein Gehalt habe“, steht auf dem Becher, der zugunsten von Andrés für 14,99 Dollar verkauft wird.

Am Wochenende fühlte sich der Chef der Online-Spenden-Plattform Gofundme, Rob Solomon, zu einem ungewöhnlichen Schritt bemüßigt: Er startete persönlich eine Sammelaktion. Am ersten Tag schickten mehr als 1000 Menschen rund 93000 Dollar.

Große Streiks oder Proteste gibt es in den USA bisher nicht

Mindestens so bemerkenswert wie die allgemeine Hilfsbereitschaft ist freilich das Fehlen eines mächtigen Protestes. In der vergangenen Woche gab es eine kleinere Gewerkschafts-Demonstration, und beim Flughafen-Sicherheitspersonal ist der Krankenstand auf Rekordniveau geklettert. Doch sonst herrscht weitestgehend Ruhe. „In Europa würden die Leute auf die Straßen strömen“, schreibt David Leonhardt, ein Kolumnist der New York Times, am Montag und regt einen landesweiten eintägigen Streik der Staatsbediensteten an. 

Donald Trump will eine Mauer an der Grenze zu Mexiko finanzieren, die Demokraten sind dagegen. Deshalb gibt es bei den Verhandlungen einen Stillstand.
Bild: Alex Brandon/AP, dpa

So etwas wäre illegal, räumt Leonhardt ein. Doch die moderne Arbeiterbewegung habe mit zivilem Ungehorsam begonnen. Davon ist in den USA nichts zu spüren. Leonhardt zieht daher ein deprimierendes Fazit: Um das Ausfransen der Demokratie und eine destruktive Regierung wirkungsvoll zu bekämpfen, sei die Anti-Trump-Bewegung immer noch „zu klein und zu schwach“.

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