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Baden-Württemberg

29.05.2019

Thomas Strobl muss seinen Traum begraben

Thomas Strobl erklärt seinen Verzicht und ernennt Susanne Eisenmann zur neuen Nummer eins der CDU in Baden-Württemberg.
Bild: Sebastian Gollnow, dpa

Warum der CDU-Vize nicht mehr Ministerpräsident werden will und einer Frau den Vortritt lässt

Dienstagmorgen, neun Uhr. Thomas Strobl wirkt aufgeräumt, von Verdruss keine Spur. Blauer Anzug, karierte Krawatte, wie immer gut gestylt. Im dritten Stock der Landesgeschäftsstelle der Südwest-CDU in Stuttgart verkündet er nun offiziell, was seit dem Vortag in Baden-Württembergs Landespolitik das Thema Nummer eins ist: Strobl verzichtet auf die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2021. Der 59-Jährige nimmt sich rund zwei Jahre vor der nächsten Wahl selbst aus dem Rennen um das Amt des Ministerpräsidenten. Ohne zu wissen, ob der übermächtig scheinende Winfried Kretschmann für die Grünen noch mal antritt.

Doch Strobls Botschaft ist klar. Erstens: Er habe schon lange entschieden, dass er seiner CDU einen langen und quälenden Entscheidungsprozess ersparen will. Zweitens: Einen Mitgliederentscheid soll es nicht geben, weil seine Partei in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen damit gemacht habe. Drittens: Er habe sich mit Landeskultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) darauf verständigt, dass sie die Spitzenkandidatin der Südwest-CDU bei der Wahl 2021 werden soll. Wie fast schon zu erwarten zitiert Strobl dann den bekannten Satz des ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU): „Erst das Land, dann die Partei, dann die Person.“ Und er wird pathetisch: „Das ist mein Dienst an der Partei.“

Die Frau neben Strobl nickt leicht mit dem Kopf: Ab dem heutigen Tag ist Susanne Eisenmann die neue Nummer eins in der Südwest-CDU. Dass sie von einem Parteitag bestätigt wird, der bald über die Bühne gehen soll, ist wohl eher Formsache. „Thomas Strobl bleibt bis 2021 im Team“, sagt die 54-jährige Kultusministerin. Er ist stellvertretender Regierungschef, CDU-Landeschef, Landesinnenminister. Diese Posten soll Strobl bis zur nächsten Wahl behalten. Allerdings: „Die Steuerung der CDU-Regierungsarbeit wird Schritt für Schritt auf mich übergehen“, stellt sie klar. Bisher lenkt Strobl die CDU innerhalb der grün-schwarzen Landesregierung. Auch weil er dies für viele in Partei und Fraktion nicht erfolgreich genug macht, hat der Druck zugenommen, dass nicht er, sondern Eisenmann die Grünen herausfordern soll.

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An dieser Stelle lohnt sich eine historische Einordnung. Thomas Strobl, der schon mit 16 in die Junge Union eintritt, ist heute einer der wohl am besten vernetzten Politiker. 27 Jahre Gemeinderat in seiner Heimatstadt Heilbronn, 18 Jahre Bundestagsabgeordneter, Generalsekretär der Südwest-CDU unter den Ministerpräsidenten Günther Oettinger und Stefan Mappus, dazu unzählige Funktionen in Partei und Fraktionen – unter anderem ist er seit 2012 einer von fünf stellvertretenden CDU-Bundesvorsitzenden.

In seinen Jahren in Berlin bis 2016 wird sein politischer Aufstieg durch seine familiäre Konstellation gebremst. Strobl ist mit der ältesten Tochter von Wolfgang Schäuble verheiratet. Schon alleine, weil er mit seinem Schwiegervater nicht gemeinsam an einem Kabinettstisch sitzen kann, bleiben ihm höhere Ämter in der Bundespolitik versagt.

Was Strobl viele zugutehalten, ist, dass er die CDU nach der Landtagswahl 2011, als sie sich nach 58 Regierungsjahren plötzlich in der Opposition wiederfindet, aufrichtet. Er treibt die Modernisierung voran, will die Partei moderner und weiblicher machen. 2014 ist dann das Jahr, in dem er eine seiner größten Niederlagen einstecken muss. Der CDU-Landeschef verliert den Mitgliederentscheid um die Spitzenkandidatur für die Landtagswahl 2016 gegen den damaligen Landtagspräsidenten Guido Wolf (CDU). Doch Strobl steht immer wieder auf. Selbst seine größten politischen Gegner konstatieren ihm enorme Nehmerqualitäten.

2016 stürzt die Südwest-CDU bei der Landtagswahl weiter ab und Strobl erhält den Auftrag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), in Baden-Württemberg ein Regierungsbündnis zu schmieden – als Juniorpartner der Grünen unter Kretschmann. Strobl setzt die Bildung einer Regierung durch, trotz erheblicher Widerstände innerhalb der Südwest-CDU. Jetzt gehen nahezu alle politischen Beobachter davon aus, dass Strobl bei der nächsten Landtagswahl am Zug ist – und aus Berlin nur zurückgekehrt ist, um in einigen Jahren Ministerpräsident zu werden. Doch dieser Traum wird für ihn wohl nie in Erfüllung gehen.

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