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NATO-Manöver

11.11.2018

NATO: "Trident Juncture 2018": Wie läuft das Manöver ab?

Mit Trident Juncture 2018 startet das größte NATO-Manöver seit vielen Jahren.
Bild: Mohssen Assanimoghaddam

"Trident Juncture 2018" ist das größte NATO-Manöver seit dem Ende des Kalten Krieges. Auch 10.000 Soldaten der Bundeswehr sind beteiligt. Wie läuft das ab?

„Trident Juncture 2018“ (TRJE18) ist das größte NATO-Manöver seit dem Ende der Reforger-Großmanöver und der Auflösung der UdSSR sowie das größte militärische Manöver in Norwegen seit 1980. Vom 25. Oktober bis zum 23. November 2018 erstreckt sich Trident Juncture und soll den so bezeichneten Bündnisfall trainieren, was den Angriff auf einen der 29 Mitgliedstaaten bedeuten würde. Als Antwort auf diese Aggression müssten die Verbündeten dem NATO-Partner militärische Hilfe leisten.

Es wird geprobt in der Luft, zu Land und auf See. Rund 50.000 Mitarbeiter von NATO-Alliierten und Partnerländern testen ihre Fähigkeit, gemeinsam zu agieren, um die Bevölkerung und die NATO-Gebiete zu verteidigen und potenzielle Gegner bei der größten Übung der NATO in den letzten Jahren abzuschrecken. Alleine die Bundeswehr ist etwa 10.000 Soldaten und 4000 Fahrzeugen vor Ort in Norwegen.

Trident Juncture 2018: Ort, Datum, Teilnehmer

Wann: vom 25. Oktober bis 7. November 2018. Ab September 2018: Beginn der Truppen- und Materialtransporte. Vom 25. Oktober bis 7. November 2018: Hauptübung (LIVEX). Vom 14. bis 23. November 2018 Stabsübung (CPX) im Joint Warfare Centre (JWC) in Stavangar. Bis Dezember 2018: Rückverlegung.

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Wer: Rund 50.000 Teilnehmer aus 31 NATO- und Partnerländern. Komponenten: Rund 150 Flugzeuge, 65 Schiffe und bis zu 10.000 Fahrzeuge.

Wo? Der Ort: Mittel- und Ostnorwegen; die umliegenden Gebiete des Nordatlantiks und der Ostsee, einschließlich Island und des Luftraums von Finnland und Schweden. Ziel: Sicherstellen, dass die NATO-Streitkräfte ausgebildet sind, in der Lage sind, zusammenzuarbeiten und bereit sind, auf jede Bedrohung aus allen Richtungen zu reagieren.

Kommandant: Admiral James G. Foggo, Kommandant des NATO-Kommandos Neapel der Alliierten Gemeinsamen Streitkräfte, ist für die Durchführung der Übung verantwortlich. 

TRJE18: Reaktion der NATO auf Großmanöver Russlands?

Die NATO (North Atlantic Treaty Organization, „Organisation des Nordatlantikvertrags“ bzw. Nordatlantikpakt-Organisation) hatte seit Ende des Kalten Krieges Übungen für den Bündnisfall weniger intensiv trainiert als noch früher. Ein Umdenken hat stattgefunden, als Russland im Jahr 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert hatte. Als treibende Kräfte hinter diesem Wandel gelten osteuropäische und baltische Staaten wie Polen, Litauen, Lettland und Estland. Zwar hat die NATO im Rahmen der Ankündigung für „Trident Juncture 2018“ betont, dass das NATO-Großmanöver nicht konkret auf den Fall eines Angriffs Russland ausgelegt sei, der Gegner sei vielmehr „fiktiv“.

Aus Kreisen von NATO-Diplomaten hieß es dennoch, dass es wohl kein Zufall sei, dass das NATO Groß-Manöver „Trident Juncture“ in einem Land stattfindet, welches an Russland grenzt. Neben der Annexion der Krim durch Russland könnten entsprechend auch die jüngsten Großmanöver Russlands in Wostok eine Rolle gespielt haben, bei denen laut Angaben Moskaus etwa 300.000 Soldaten partizipiert haben.

Trident Juncture 2018: Was bedeutet der Name?

Der Name Trident Juncture (Abkürzung TRJE18) stammt aus dem Englischen und bedeutet im Deutschen „Dreizackiger Verbindungspunkt“. Laut Angaben von Norwegens Armee haben die NATO und Norwegen etwa 157 Millionen Euro für das NATO-Großmanöver „Trident Juncture 2018“ zur Verfügung gestellt. Mit den Mitteln werden beispielsweise 35.000 Betten, knapp zwei Millionen Essenseinheiten, 4,6 Millionen Wasser-Flaschen und 660 Tonnen an Wäsche bezahlt. Im Oktober traten bereits im Rahmen von „Trident Juncture 2018“ 70 Foxhound-, Husky- und Landrover-Fahrzeuge die 2.000 Kilometer lange Reise vom Hafen Hook of Holland durch Nordeuropa nach Norwegen an.

Nato-Großübung "Trident Juncture" in Norwegen
12 Bilder
"Trident Juncture 2018": Das große NATO-Manöver in Bildern
Bild: Kevin Schrief

NATO-Manöver in Norwegen: Einsatz der Bundeswehr

Der Zug des britischen Konvois durch die Niederlande, Deutschland, Dänemark und Schweden wird im Rahmen von Trident Juncture 2018 testen, wie effizient Soldaten und Ausrüstung zwischen den europäischen Ländern bewegt werden können. Außerdem wird geprüft, ob Zoll, Grenzvorschriften und Infrastrukturen in der Lage sind, schnelle und schwere Truppenbewegungen zu bewältigen. Auf dem Weg der britischen Truppen durch Nordeuropa transportiert die Bundeswehr Leopardenpanzer und andere Militärfahrzeuge an Bord einer zivilen Frachtfähre von der norddeutschen Stadt Emden nach Fredrikstad, Norwegen, wo sie am Donnerstag (11. Oktober) eintreffen sollten.

Soldaten der 24th Marine Expeditionary Unit in Island auf dem Weg zu einem Feldlager für das "Trident Juncture"-Manöver.
Bild: Lance Cpl. Menelik Collins Lil, dpa

NATO-Manöver: Spannungen zwischen Russland und der NATO?

James Foggo, der Admiral der US-Marine, der die große NATO-Militäroperation Trident Juncture leitet, um die Reaktion der Allianz auf einen theoretischen Angriff auf das Verteidigungsbündnis zu simulieren, hatte Russland Anfang Oktober aufgefordert, einer Einladung zur Entsendung von Beobachtern nachzukommen. Admiral James Foggo sagte Reportern im Pentagon, dass er denkt, dass Russland dort sein will. Er sagte, dass die Russen durch die Beobachtung der Abwehrmanöver, genannt Trident Juncture 2018, mehr über die Fähigkeiten der NATO erfahren würden.

Warum gibt es das NATO-Manöver überhaupt?

Offiziell richtet sich das Manöver gegen keinen bestimmten Angreifer. Angesichts der seit Jahren wachsenden Spannungen mit Russland handelt es sich aber auch um eine Machtdemonstration. Erst am Wochenende hatte US-Präsident Donald Trump angekündigt, aus dem 1987 zwischen den USA und der Sowjetunion geschlossenen INF-Abkommen zur Abschaffung von landgestützten, atomar bestückbaren Mittelstreckenraketen auszusteigen. Norwegen teilt im hohen Norden eine rund 200 Kilometer lange Grenze mit Russland.

Die russische Botschaft in Oslo bezeichnete die Übung als "antirussisch". Sie laufe auf eine "Provokation" hinaus, selbst wenn die Nato versichere, sie sei "rein defensiv". Die Nato lud zwei russische und zwei weißrussische Beobachter zu der Übung ein. Der norwegische Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg äußerte die Erwartung, dass Russland "jedes gefährliches Verhalten vermeiden" werde. 

Der Linken-Fraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstagsausgabe): "Es ist aberwitzig, gefährlich und provokant gegenüber Russland, im gegenwärtigen Klima das größte Nato-Manöver seit 30 Jahren in Norwegen zu starten".

"Die Kriegsgefahr ist so hoch wie lange nicht. Der US-Präsident droht mit nuklearer Aufrüstung gegenüber Russland und China und kündigt Verträge zur nuklearen Abrüstung auf", sagte Bartsch. Die Nato bezeichnete er als ein "Relikt aus dem Kalten Krieg". Die Militärallianz sei "den derzeitigen Entwicklungen offensichtlich nicht gewachsen".

Die NATO-Übung begann am 25. Oktober.

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