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20.10.2017

Türkei verhaftet Mäzen

Jüngstes Opfer der Säuberungswelle: der Unternehmer Osman Kavala.
Bild: Imago

Festnahme nach Besuch von Goethe-Institut

Die türkische Polizei hat einen führenden Vertreter der Zivilgesellschaft des Landes festgenommen. Der Unternehmer und Kultur-Mäzen Osman Kavala wurde nach der Rückkehr von einer Inlandsreise mit Mitarbeitern des deutschen Goethe-Instituts von Polizisten am Flughafen von Istanbul noch im Flugzeug abgeführt. Die Vorwürfe gegen den 60-Jährigen sind nicht bekannt: Das Verfahren gilt als Verschlusssache. Menschenrechtler und EU-Vertreter zeigten sich entsetzt.

Laut Medienberichten wird Kavala von der Istanbuler Antiterror-Polizei verhört und hat erst nach sieben Tagen Anspruch auf Kontakt zu einem Anwalt. Die Polizei durchsuchte auch Kavalas Stiftung in Istanbul und beschlagnahmte Computer. Kavalas Anwalt Ferat Cagil sagte, wegen der Geheimhaltung habe selbst er als Rechtsbeistand nichts über die Vorwürfe gegen seinen Mandanten in Erfahrung bringen können.

Mit der Festnahme Kavalas erreicht die Verfolgung angeblicher Regierungsgegner eine neue Dimension. Der reiche Unternehmer führt die Stiftung für anatolische Kultur, die sich der kulturellen Vielfalt des Landes verschrieben hat und diese vor dem Vergessen und der Zerstörung bewahren will. Es geht dabei um zum Teil uralte einheimische Kulturen, die von der Türkischen Republik jahrzehntelang vernachlässigt, geleugnet oder unterdrückt wurden – von den Armeniern über die Kurden bis zu den Jesiden. Mit Ausstellungen, Filmen, Konzerten, Werkstätten und weiteren Kulturprojekten bemüht sich die Stiftung, das verschüttete Erbe ans Tageslicht zu holen, bevor es zu spät ist.

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