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Gablingen

02.07.2013

US-Spionage vor den Toren Augsburgs

Gablingen Fernmeldeanlage.jpg
2 Bilder

Über viele Jahre waren US-Geheimdienste, unter anderem auch die NSA, auf dem Gelände des früheren Flugplatzes Gersthofen-Gablingen aktiv.

Es mag an einschlägigen Hollywood-Thrillern liegen, dass die Central Intelligence Agency, kurz CIA, über Jahrzehnte weltweit als der US-amerikanische Auslandsnachrichtendienst galt. Doch das ändert sich nach den jüngsten Enthüllungen über die Aktivitäten der National Security Agency (NSA) gerade schlagartig.

Experten gehen davon aus, dass die NSA, deren Hauptaufgabe in der Beschaffung von Informationen auf technischem Wege liegt, über viele Jahre direkt vor den Toren Augsburgs aktiv war. Und zwar mit erheblichem personellen und technischem Aufwand.

Gigantische Abhöranlage in Gablingen: US-Dienste waren dort aktiv

So ist sich der Geheimdienstexperte Erich Schmidt-Eenboom sicher, dass auf dem Gelände des früheren, 1916 errichteten Flugplatzes Gersthofen-Gablingen im Landkreis Augsburg verschiedene US-Dienste aktiv waren. Schon die Ausmaße der Anlage mit ihrer gigantischen kreisrunden Antennenanlage – im Volksmund „Elefantenkäfig“ genannt – sind beeindruckend.

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Der Horchposten hat einen Durchmesser von rund 300 Metern, die Masten recken sich 30 Meter in den Himmel. Doch das ist nur das sichtbare Element. Unter der Erde sollen sich auf bis zu zwölf Stockwerken über 200 Büros befinden. Offiziell wurde trotz vieler Anfragen von Journalisten in der Vergangenheit von staatlicher Seite äußerst spärlich über die Vorgänge auf dem über 140 Hektar großen Areal an der viel befahrenen Bundesstraße 2 informiert. „Alles streng geheim“, lautete die stereotype Antwort. Auch Besichtigungswünsche wurden stets abgelehnt.

Abhörzentrum bei Augsburg? US-Dienste bis 1998 vor Ort

Doch einiges ist dennoch bekannt: Bei Kriegsende 1945 übernahmen die US-Streitkräfte das Gelände. 1971 begann der Bau der Antennen-Anlage. Bis zu 2.000 Mitarbeiter gingen dort in den 80er Jahren ein und aus. Ein Spiegel-Bericht, wonach die NSA in Gablingen „rund um die Uhr weltweit“ Funkverbindungen belauscht, sorgte bereits 1989 für Wirbel. Der heutige Gablinger Bürgermeister Karl Hörmann geht davon aus, dass die NSA ihre Ohren „hauptsächlich gen Osten“ richtete. Alles andere sei Spekulation. Doch auch nach dem Fall der Mauer und dem Untergang des Ostblocks blieben die Amerikaner dort präsent – erst 1998 zogen sie ab.

„In Gablingen war die ganze Bandbreite der US-Auslandsgeheimdienste vertreten. Neben der NSA auch die Dienste der Armee, der Luftwaffe und der Navy“, sagte Schmidt-Eenboom unserer Zeitung. Zudem habe es – wahrscheinlich auf dem US-Gelände in Gablingen – ein Verbindungsbüro des Bundesnachrichtendienstes (BND) gegeben. Dass der BND über alle Aktivitäten der Amerikaner unterrichtet wurde, schließt der Experte aus, allerdings habe es immer wieder eine punktuelle Absprache und Zusammenarbeit gegeben.

Geheimdienstexperte Schmidt-Eenboom befürchtet Wirtschaftsspionage

Was aber sind die konkreten Ziele der NSA in Europa? Schmidt-Eenboom: „Es ist sicher richtig, dass die US-Geheimdienste helfen bei Terror-Ermittlungen in Deutschland eine wichtige Aufgabe der US-Nachrichtendienste und ihrer britischen Kollegen ist. Dass jedoch auch Wirtschaftsspionage gegen enge Verbündete, wie Deutschland und Frankreich, betrieben wird, weiß man schon seit Mitte der 80er Jahre.“ Meldungen über die Überwachung von EU-Einrichtungen haben Schmidt-Eenboom ebenfalls nicht überrascht.

Heute residiert offiziell die Bundeswehr auf dem Areal in Gablingen. Schmidt-Eenboom sieht dort allerdings den Ex-BND-Präsident hält Überwachungsprogramme für legitim  , der die Abhöranlage nach dem Abzug der US-Amerikaner „nachhaltig aufgerüstet habe“.

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