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USA
28.07.2019

Hetze mit Ratten und Nagern: Rassismus-Vorwürfe gegen Trump

Elijah Cummings, in der Mitte des Bildes, war das Ziel eines Twitter-Angriffs von Donald Trump.
Foto: J. Scott Applewhite, dpa (archiv)

Mit einer Attacke gegen den schwarzen Abgeordneten von Baltimore treibt US-Präsident Trump seine rassistische Kampagne voran. Es ist nicht der erste Vorfall.

Als Vorzeige-Patriot im Weißen Haus erregt sich Donald Trump demonstrativ über Kritik an seinem Land. „Sie hassen Amerika“, hatte er kürzlich gegen vier dunkelhäutige US-Kongressabgeordnete gewütet: „Sie sollten sich bei Amerika für die furchtbaren Dinge entschuldigen, die sie gesagt haben.“

Umso heftiger kübelte der Präsident an diesem Wochenende dann selber aus. Die 600.000-Einwohnerstadt Baltimore an der Ostküste der USA sei ein „sehr gefährlicher und verdreckter Ort“, twitterte Trump an einem sonnigen Samstagmorgen vor dem Golfspiel: „Es ist ein widerlicher, von Ratten und Nagern befallener Dreckshaufen.“ Als sei das nicht genug, setzte er im nächsten Tweet hinzu: „Kein Mensch würde dort leben wollen.“

 

Die Attacke kam keineswegs aus dem Nichts, und sie zielte nur mittelbar auf die historische Hafenstadt. Das eigentliche Ziel des Angriffs war der afroamerikanische Abgeordnete Elijah Cummings. Trump diffamierte den 69-jährigen Demokraten, der seit 1996 im Repräsentantenhaus und elf Mal mit jeweils mehr als 70 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde, als „brutalen Tyrannen“, der sich nicht um seinen heruntergekommenen Wahlkreis kümmere. Cummings leitet den mächtigen Ausschuss zur Kontrolle der Regierung und hat erst in der vorigen Woche die Herausgabe von Briefen und E-Mails der Trump-Tochter Ivanka erzwungen, die mögliche Vermischung von Regierungsgeschäften mit privaten Wirtschaftsinteressen belegen könnten.

Waren Donald Trumps Tweets zu Baltimore rassistisch?

Zugleich befeuert die Beleidigung eines angesehenen schwarzen Politikers die von Trump entzündete Kampagne gegen nicht-weiße Amerikaner weiter. Nicht nur Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses, wertete die jüngste Twitter-Tirade als „rassistisch“. Der schwarze CNN-Kommentator Victor Blackwell wies in einem äußerst emotionalen Beitrag nach, dass Trump das Wort „infested“ (befallen), was normalerweise im Zusammenhang mit Ungeziefer oder Seuchen steht, regelmäßig verwendet, wenn er über mehrheitlich schwarze Orte spricht.

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Tatsächlich hatte Trump die „Dreckslochländer“, aus denen angeblich die Migranten stammen, als „mit Aids befallen“ bezeichnet. Den vier linken Abgeordneten um Ilhan Omar, von denen drei einen Migrationshintergrund haben, empfahl er, in ihre „von Kriminalität befallenen“ Länder zurückzugehen (mehr dazu). Nun erklärt er, das überwiegend schwarze Baltimore sei „von Nagern befallen“. Mit Tränen in den Augen erwiderte Blackwell, in der Stadt würden jeden Morgen Menschen aufstehen und zur Arbeit gehen: „Das sind auch Amerikaner“. Das Video des Kommentars verbreitete sich rasant in den Online-Netzwerken. „Schweigen ist Mittäterschaft“, kommentierte der demokratische Präsidentschaftskandidat Cory Booker den Clip.

Baltimore: Hohe Kriminalitätsrate, aber hohes Durchschnittseinkommen

Nach Meinung vieler amerikanischer Beobachter setzt Trump die rassistischen Ausfälle bewusst ein, um seine rechte weiße Basis zu mobilisieren. Von Cummings fühlte er sich zudem provoziert, weil dieser der Abgeordnete die inhumanen Zustände in den Sammellagern für Migranten an der US-Grenze kritisiert hatte.

Dort an der Grenze zu Mexikowill Trump ja eine Mauer bauen – sein wichtigstes Wahlversprechen. Auf dem Weg dorthin hat einen juristischen Etappensieg errungen: Der Oberste Gerichtshof erlaubt ihm, für den Bau Gelder des Verteidigungsministeriums zu verwenden. Trump twitterte darauf hin, das sei „ein großer SIEG für Grenzsicherheit und Rechtsstaatlichkeit“.

Als Trumps-Lieblingssender Fox-News am Samstagmorgen Bilder von verfallenen Häusern und Müllbergen im Wahlkreis des Politikers Cummings zeigte, griff der Präsident dies sofort auf. Tatsächlich hat Baltimore mit mehr als 300 Morden im Jahr eine der höchsten Kriminalitätsraten der USA. Der Wahlkreis vom Cummings umfasst aber neben den Problembezirken auch reichere Vororte, so dass die Zahl der Hochschulabsolventen und das Durchschnittseinkommen über dem US-Durchschnitt liegen. Diese Details freilich dürften Trump kaum interessieren. So entschied sich die Lokalzeitung Baltimore Sun am Sonntag für eine recht robuste Replik an den Präsidenten: „Besser, man hat ein paar Ratten, als man ist eine“, überschrieb sie ihren Leitartikel.

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