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USA
03.08.2020

Qual der Wahl: Mit wem fordert Joe Biden Präsident Trump heraus?

Joe Biden, designierter Präsidentschaftskandidat der Demokraten und ehemaliger Vizepräsident der USA.
Foto: Susan Walsh/AP, dpa

Mit wem zieht der demokratische Präsidentschaftsbewerber in den Endspurt des Wahlkampfes? Nur eines ist sicher: Biden will mit einer Frau antreten. Die möglichen Kandidatinnen.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat macht es spannend. "Ich verspreche Ihnen, dass ich es Sie wissen lasse, wenn es so weit ist", scherzte Biden mit Reportern, die aus ihm Hinweise heraus zu kitzeln versuchten, mit wem an seiner Seite er antreten könnte. Auch das von ihm für die Auswahl des Vizepräsidentschaft-Kandidaten eingesetzte Komitee hält bisher erstaunlich dicht.

Nur so viel ist sicher: Joe Biden will mit einer Frau antreten, die "meine Philosophie des Regierens" und die "systematischen Dinge, die ich verändern will", teilt. Wichtig ist dem 78-Jährigen neben der gleichen Wellenlänge vor allem, dass die Kandidatin ihn im Weißen Haus unmittelbar ersetzen kann.

Darüber hinaus hat Biden in einem Interview mit dem Sender MSNBC verraten, dass unter den ernsthaften Anwärterinnen vier schwarze Frauen sind. Das VP-Komitee hat nach Überprüfung der Bewerberinnen eine Gruppe von Finalistinnen empfohlen, mit denen Biden vor seiner Entscheidung persönlich sprechen will. Alles andere bleibt Spekulation – inklusive der nachfolgenden Rangliste der aussichtsreichsten Kandidatinnen.

Bidens Vizepräsidentin: Zehn Kandidaten stehen auf der Liste

Platz 10: Stacey Abrams Die 46-jährige Afroamerikanerin aus Georgia machte sich einen Namen mit ihrem starken Ergebnis bei den Gouverneurswahlen in dem Südstaat 2018. Sie unterlag dem Republikaner Brian Kemp nur hauchdünn mit 1,5 Prozent. Seitdem ist die bis dahin unbekannte Abrams eine Hoffnungsträgerin der Demokraten. Das größtes Manko der jüngsten Frau in den Top zehn ist ihre Unerfahrenheit auf Bundesebene.

Platz 9: Gretchen Whitmer Die Gouverneurin von Michigan ist mit 48 Jahren nur zwei Jahre älter als Abrams, hat aber Regierungsverantwortung. Whitmer machte eine starke Figur während der Corona-Pandemie in dem wichtigen Wechselwähler-Staat, den Donald Trump 2016 knapp gewonnen hatte. Die weiße Politikerin gehört zum moderaten Flügel der Demokraten und kann Biden helfen, Michigan zurückzuerobern. Die Progressiven in der Partei sind von Whitmer allerdings weniger angetan.

Platz 8: Michelle Lujan Grisham Die Gouverneurin aus New Mexico ist die einzige Latina im Feld, deren Abgeordneten-Gruppe im US-Kongress Lujan Grisham bis zu ihrem Wechsel an die Spitze des Bundesstaats 2019 anführte. Als ehemalige Gesundheitsministerin New Mexicos verfügt die 60-Jährige über Expertise, die keine Mitbewerberin in der Pandemie aufbieten kann. National ist sie weitgehend unbekannt.

Ehemalige Polizei-Chefin, schwarze Bürgermeisterin und Führerin der Schwarzen im Repräsentantenhaus

Platz 7: Val Demings Die ehemalige Polizei-Chefin von Orlando im US-Bundesstaat Florida machte sich während des Amtsenthebung-Verfahrens gegen Donald Trump mit ihren scharfen Auftritten als eine von sieben Anklägerinnen aus dem Repräsentantenhaus national einen Namen. Die 63-jährige schwarze Kongress-Abgeordnete genießt die Unterstützung von Speakerin Nancy Pelosi. Demings’ Zeit an der Spitze der Polizei in Orlando birgt Chancen und Risiken für Biden.

Platz 6: Keisha Lance Bottoms Die schwarze Bürgermeisterin von Atlanta gehört nicht zu den Demokraten, die der Polizei den Geldhahn abdrehen wollen. Bottoms teilt den Ansatz Bidens, der stattdessen auf Reformen setzt. Die 50-Jährige kann Erfahrungen aus der Führung einer Großstadt mit einer halben Millionen Einwohner einbringen. Im Juni wurde sie positiv auf das Coronavirus getestet, hat aber keine Symptome. Lokale Kontroversen sind die Achillesferse der charismatischen Politikerin.

Platz 5: Karen Bass Die Führerin der schwarzen Abgeordnetengruppe im Repräsentantenhaus hat in dem ehemaligen Senator und Biden-Freund Chris Dodd einen wichtigen Förderer. Als Teil des VP-Komitees machte er sich für die 67-jährige Bass "als loyale Nummer Zwei" auf dem Ticket stark. Die frühere Speakerin im Staatshaus von Kalifornien fiel national bisher kaum auf. Zwei von drei Amerikanern wissen nicht, wer sie ist.

Kriegsheldin oder Sicherheitsberaterin als Vizepräsidentin?

Platz 4: Tammy Duckworth Die 52-jährige Senatorin aus Illinois bringt das Renommee einer Kriegsheldin in das Rennen ein, die beim Abschuss ihres Hubschraubers 2004 in Irak beide Beine verloren hat. Die Tochter einer asiatischen Mutter und eines US-Offiziers kämpfte sich aus dem Rollstuhl heraus in der Politik hoch. Biden kennt sie aus ihrer Arbeit für die Veteranen-Administration, bevor sie 2011 für den Kongress antrat. Duckworth verkörpert mit ihrer beeindruckenden Biografie Stärke und Patriotismus, kann aber nicht Präsidentin werden, weil sie in Bangkok zur Welt kam.

ARCHIV - 28.07.2016, USA, Philadelphia: Tammy Duckworth, Kriegsveteranin und US-Vertreterin aus Illinois, hält am letzten Tag der Democratic National Convention 2016 eine Rede im Wells Fargo Centre. zu dpa Bidens Suche nach der richtigen Frau fürs Weiße Haus am 30.07.2020 Foto: Shawn Thew/EPA/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Foto: Shawn Thew

Platz 3: Susan Rice Die ehemalige nationale Sicherheitsberaterin Barack Obamas verbrachte den größten Teil ihres Lebens in Washington, wo sie 1964 zur Welt kam. Nach ihrem Studium in Stanford und als Rhodes Stipendiatin in Oxford arbeitete die Afroamerikanerin im Nationalen Sicherheitsrat Bill Clintons, bevor sie zur rechten Hand Madeleine Albright im Außenministerium aufstieg. Die Bush-Jahre überbrückte sie in der Brookings Institution, bevor sie unter Obama als UN-Botschafterin in die Politik zurückkehrte. Biden setzte sich mit Rice der Kritik aus, eine ultimative Insidern zu seinem "Running Mate", wie die Vize-Bewerber genannt werden, zu machen.

Susan Rice.
Foto: Andrew Gombert, dpa (Archiv )

Platz 2: Elizabeth Warren Die Senatorin aus Massachusetts ist die Favoritin des progressiven Flügels der Demokraten. Nach ihrer Niederlage bei den Vorwahlen hat sich Warren loyal hinter Biden gestellt und ihr Interesse an dem VP-Posten zu erkennen gegeben. Kaum jemand hat in der Debatte um Inhalte so viele Ideen in Bidens Programm eingebracht, wie die Frau, die Barack Obama half, die Finanzkrise 2008 zu meistern. Die 71-jährige ehemalige Harvard-Professorin feuerte die Basis der Demokraten an, käme Trump aber als Feindbild gelegen.

Elizabeth Warren.
Foto: Michael Wyke, dpa (Archiv)

Kamala Harris: Bidens "sichere Wahl"

Platz 1: Kamala Harris Die Senatorin aus Kalifornien wird unter Analysten als "sichere Wahl" für Biden gehandelt. Die Tochter eines Vaters aus Jamaika und einer Mutter aus Indien ist so etwas wie eine weibliche Version Barack Obamas. Die 55-jährige Juristin bekleidete als erste farbige Frau das Amt der Chefanklägerin von Kalifornien, bevor sie 2016 als Senatorin für den größten US-Bundesstaat nach Washington ging. Einige verübeln Harris scharfe Debatten-Angriffe auf Biden während der Vorwahlen. Ihr Kommentar: "Das ist Politik."

Kamala Harris und Joe Biden während der zweiten TV-Debatte der Demokraten in Detroit.
Foto: Paul Sancya/AP, dpa (Archiv)

Vielleicht kommt aber alles auch ganz anders und der Präsidentschaftskandidat wartet mit einer echten Überraschung auf. Infrage kämen dafür Valerie Jarrett, die als rechte Hand Obamas im Weißen Haus eng mit Biden zusammenarbeitete. Oder die frühere First Lady, die, so der Kandidat, nur "ja" sagen bräuchte. Doch Michelle Obama hat andere Pläne. Hat doch gerade ihr neuer Podcast auf Spotify Premiere gefeiert.

Alle wichtigen Informationen zur US-Präsidentschaftswahl finden Sie hier: Wann ist die US-Wahl 2020? Termin, Kandidaten und Ablauf.

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