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Brexit Reaktionen

24.06.2016

"Unser Unabhängigkeitstag": Das sagen Politik und Wirtschaft zum Brexit

UKIP-Chef Nigel Farage zeigt sich bei einer Wahlparty von Leave.eu. gut gelaunt.
Bild: Michael Kappeler (dpa)

Die Briten haben für einen Austritt aus der EU gestimmt. Rechtspopulisten in ganz Europa feiern das Referendum. Wirtschaft und gemäßigte Politiker sind schockiert. Die Reaktionen zum Brexit.

Helle Aufregung in Europa und aller Welt: Großbritannien hat sich für den Ausstieg aus der Europäischen Union entschieden. Am Ende eines nächtlichen Wahlkrimis steht ein Sieg für die Brexit-Kampagne. Rechtspopulisten in ganz Europa feiern das Ergebnis, gemäßigter Politiker und Wirtschaftsvertreter sind schockiert. Die Reaktionen.

Reaktionen aus der Politik zum Brexit

Martin Schulz (SPD), Präsident des Europaparlaments: Wir respektieren dieses Ergebnis. Aber Großbritannien hat entschieden zu gehen. (...) Die Kettenreaktion wird es gar nicht geben. Ich glaube nicht, dass andere Länder ermutigt werden, diesen gefährlichen Weg zu gehen.

Marine Le Pen, Chefin von Frankreichs rechtsextremer Front National: Sieg der Freiheit! Wie ich es seit Jahren fordere, brauchen wir jetzt dasselbe Referendum in Frankreich und in den Ländern der EU.

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Sebastian Kurz (ÖVP), Außenminister Österreich: Kein Stein wird auf dem anderen bleiben. Ein Dominoeffekt auf andere Länder ist nicht auszuschließen.

Katja Kipping, Vorsitzende Linkspartei: Ein Weckruf für einen Neustart in Europa.

Geert Wilders, Vorsitzende der niederländischen rechtspopulistischen Partei für die Freiheit (PVV): Die Niederländer haben auch das Recht auf ein Referendum.

Frank-Walter Steinmeier (SPD), Bundesaußenminister: Die Nachrichten aus Großbritannien sind wahrlich ernüchternd. Es sieht nach einem traurigen Tag für Europa und Großbritannien aus.

Manfred Weber (CSU), Vorsitzender der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament: Wir respektieren und bedauern die Entscheidung der britischen Wähler. Sie verursacht großen Schaden für beide Seiten. (...) Die Austrittsverhandlungen müssen in maximal zwei Jahren abgeschlossen sein. Es kann keine Sonderbehandlung geben. Austritt heißt Austritt.

Nigel Farage, Chef der EU-feindlichen Partei Ukip: Möge der 23. Juni als unser Unabhängigkeitstag in die Geschichte eingehen.

Udo Bullmann (SPD), Europaabgeordneter: Europa wird durch den Brexit geschwächt, aber die schwerste Last werden Bürgerinnen und Bürger in Großbritannien zu tragen haben.

Norbert Röttgen (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag: Das ist die größte Katastrophe in der Geschichte der europäischen Integration.

Elmar Brok (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Europaparlament: Wir müssen endlich ein Europa bauen, das liefert, was die Bürger von Europa erwarten. Das muss ein Warnschuss sein an die nationalen Regierungen.

Rebecca Harms, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament: Für mich ist das wirklich ein sehr trauriger Tag. Mir ist den ganzen Morgen zum Heulen zumute gewesen.

Jean-Marc Ayrault, Außenminister Frankreich: Traurig für das Vereinigte Königreich. Europa geht weiter. Aber es muss reagieren und das Vertrauen seiner Völker wiederfinden. Das ist dringend.

Wolfgang Schäuble (CDU), Bundesfinanzminister: Wir respektieren den Ausgang des britischen Referendums. Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht. Europa wird jetzt zusammenstehen. Gemeinsam müssen wir das Beste aus der Entscheidung unserer britischen Freunde machen.

Alexander Graf Lambsdorff (FDP), Vizepräsident des Europaparlaments: Man kann nicht zehn Jahre lang auf Europa herumhacken und dann darauf hoffen, in sechs Wochen alles zu drehen. Die Wähler haben ein Gespür dafür. (...) Wir müssen einen Neustart für Europa organisieren. Ein Konvent muss her, der sich nicht nur auf Brüssel beschränkt, sondern die Bürger mit einbezieht.

Nicola Sturgeon, Premierministerin Schottland: Schottland sieht seine Zukunft als Teil der EU. Schottland hat klar und entschieden für den EU-Verbleib gestimmt, mit 62 zu 38 Prozent.

Christian Lindner, Vorsitzender der FDP: Eine bedauerliche Entscheidung der Briten, auf die es keinen Rabatt geben darf. (...) Wir müssen das Momentum nutzen, um Europa besser zu machen. Gefragt ist ein Europa für die großen Dinge und nicht jedes Detail.

Sigmar Gabriel (SPD), Vizekanzler: Damn! Ein schlechter Tag für Europa.

Reaktionen aus der Wirtschaft zum Brexit

Tim Adams, Chef des Internationalen Bankenverbands (IIF): Jetzt beginnt die schwierige Aufgabe, den britischen EU-Austritt zu gestalten. Feststeht: Es wird kurzfristig sehr zerstörend.

Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI): Wir erwarten in den kommenden Monaten einen deutlichen Rückgang des Geschäfts mit den Briten. Neue deutsche Direktinvestitionen auf der Insel sind kaum zu erwarten. Die Beschäftigten stehen vor unsicheren Zeiten.

Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW/Köln): Zwar ist mit einem signifikanten Rückgang des Wirtschafts- und Handelswachstums zu rechnen, die Gefahr eines erneuten Losbrechens der Eurokrise bleibt hingegen überschaubar. (...) Es liegt nun an den EU-Vertretern, sicherzustellen, dass der Brexit kein Präzedenzfall für andere Länder wird. Es darf keine neue Ära des Rosinenpickens anbrechen.

Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK): Der Brexit ist für die deutsche Wirtschaft ein Schlag ins Kontor. Bei einem ihrer wichtigsten Handelspartner müssen sich die deutschen Unternehmen auf erhebliche Veränderungen einstellen.Großbritannien muss Handelsverträge weltweit, aber auch mit der EU komplett neu aufsetzen.

drs, Quellen: dpa, afp

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