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Ermordete Lehrerein

05.07.2010

Vater erhebt Vorwürfe gegen Schulleiter

Getötete Lehrerin: Schock und Trauer an Schule
Bild: DPA

Ein Schüler aus Bremen hatte Ende 2009 seine Lehrerin ermodert. Der Vater des jungen Mannes erhebt jetzt schwere Vorwürfe gegen die Schulleitung in Osterholz-Scharmbeck.

Der Vater der Ende 2009 von einem ehemaligen Schüler ermordeten Gymnasiallehrerin hat schwere Vorwürfe gegen den Leiter der Schule in Osterholz-Scharmbeck erhoben.

Vor dem Landgericht Bremen sagte er am Montag, der Direktor habe die Pädagogin daran gehindert, den Schüler wegen dauerhafter Belästigung anzuzeigen. Er habe ihr zu verstehen gegeben, dass er dies nicht wolle. Dabei habe es sich um einen Fall von Stalking gehandelt. Der Schüler habe der Frau sogar im Beisein eines Psychologen seinen Wunsch nach einer Beziehung mit ihr gestanden. Der 68-Jährige sagte, seine Tochter sei "am Boden zerstört" gewesen, als der Schulleiter ihr die Bitte abgeschlagen habe, den psychisch auffälligen Schüler aus ihrem Kurs zu nehmen.

Stattdessen habe er die Chemie- und Biologielehrerin zusätzlich damit beauftragt, den jungen Mann bis zum Ende des Schuljahres in einer Art Einzelunterricht zu betreuen. "Das ist menschenunwürdig. Das Opfer wird dem Täter präsentiert", kritisierte der Zeuge vor Gericht. "Das kann ich doch als Vorgesetzter nicht machen." Seine Tochter habe die Anweisung des Direktors befolgt, weil sie ihre bevorstehende Verbeamtung nicht gefährden wollte.

Vater erhebt Vorwürfe gegen Schulleiter

"Sie wollte Karriere machen", sagte der Zeuge. Der Schüler habe ihr das Leben aber schwergemacht, sie mit E-Mails überhäuft und ständig ihre Nähe gesucht. Als er wieder einmal vor dem Lehrerzimmer auf sie gewartet habe, sei sie durch ein Fenster vor ihm geflüchtet. Der Vater sagte, zu Beginn der Belästigungen im Herbst 2007 habe seine Tochter die Situation zunächst noch unterschätzt. "Sie wollte das alleine regeln", sagte er.

Im Januar 2008 habe sie sich an die Polizei gewandt, weil sie fürchtete, der Einzelgänger könne sich das Leben nehmen. Die Polizei hatte damals gegen ihn ermittelt und bei einer Wohnungsdurchsuchung Schwarzpulver und Silvesterknaller gefunden. Ab da habe sie gemerkt, dass sie als junge Lehrerin das Problem nicht alleine bewältigen könne. "Sie wollte auf keinen Fall Schuld daran sein, wenn ein Schüler sich das Leben nimmt", sagte der Vater. Seine Tochter sei zeitweise wegen der Nachstellungen "außer sich" gewesen und habe am Telefon geweint. Unterstützung habe sie von einer befreundeten Lehrerin bekommen, die die Schulleitung und die Behörde schriftlich darüber informierte, dass sie die Situation und den Schüler für gefährlich halte.

Als der junge Mann im Frühjahr 2009 vorzeitig die Schule verließ, um zur Bundeswehr zu gehen, hätten die Belästigungen augenscheinlich aufgehört. Seine Tochter sei dennoch besorgt gewesen. So habe sie von ihm wissen wollen, ob der junge Mann als Soldat an eine Waffe kommen könne, sagte der Vater. Zudem habe sie sich wohl beobachtet gefühlt, denn Ende 2009 hätten plötzlich Vorhänge vor den Fenstern ihrer Wohnung gehangen.

Der 21-jährige Angeklagte muss sich seit Mitte Juni wegen Mordes im Zustand verminderter Schuldfähigkeit vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, die Pädagogin aus verschmähter Liebe im Dezember 2009 mit über 20 Messerstichen getötet zu haben. Er hatte die 35-Jährige über Monate observiert. Der Angeklagte hatte die Tat zu Prozessbeginn gestanden. Demnach hatte er schon ein Jahr vorher damit begonnen, die Tat zu planen. ddp

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