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Verlockende Vorstellung: Eine Welt ohne Trump

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Kommentar Von Gregor Peter Schmitz
10.09.2018

Es ist eine tröstliche Hoffnung, dass der Spuk im Weißen Haus einfach endet. So einfach ist es aber leider nicht – auch nicht bei Donald Trumps Nachahmern hier.

Und wenn er einfach weg wäre? Wenn das Weiße Haus wieder zu einem Ort der Würde würde, deutsche Politiker sich wieder stolz mit US-Präsidenten zeigten?

Diese Hoffnung klang an, Heilsbringer oder Risiko? Obama übt scharfe Kritik an Trump USA – für den dies zumindest aus unserer Sicht zutraf – gerade zu Wort meldete und seinen Mitbürgern als Losung ausgab: Geht wählen bei den Kongresswahlen im Herbst! Bereitet dem Spuk im Weißen Haus ein Ende!

Trotz Skandalen: Trump scheint unverwundbar

Und es klingt ja so verlockend einfach. Müsste nicht jeder einsehen, dass Donald Trump komplett ungeeignet ist für seinen aktuellen Job? Dass es eben nicht normal ist – wie im Buch von Watergate-Enthüller Bob Woodward genüsslich beschrieben – wenn die eigenen Mitarbeiter dem Präsidenten wichtige Unterlagen vom Schreibtisch klauen, um (noch) Schlimmeres zu verhindern? Dass es seltsam ist, als US-Oberbefehlshaber nicht zu wissen, wie die eigenen Streitkräfte an der Grenze zu Nordkorea den Ausbruch des Dritten Weltkriegs verhindern wollen? Müsste man nicht die „Teufelswerkstatt“ (wie Mitarbeiter das Trump'sche Schlafzimmer nennen, das er zum Twittern nutzt) einfach räumen?

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Nur entzieht sich die Politik mittlerweile solcher Logik. Wer es nicht glaubt, denke nur zurück: Vor zwei Jahren erklärte so gut wie jeder Experte auch den Trump'schen Wahlkampf für aussichtslos. Zu offenkundig seine Fehltritte, zu peinlich die Enthüllungen über Sex-Übergriffe, zu amateurhaft sein Team. Alle lagen damit falsch.

Diese Unverwundbarkeit setzt sich in dieser Präsidentschaft gnadenlos fort. Auch wenn gefühlt die gesamte Welt den Kopf schüttelt über diesen Menschen, bei seiner Fanbasis genießt Trump weiter Heldenstatus. Ihnen kann er gar nicht unverschämt genug auftreten, sie erfreuen sich an den Rüpeleien des Milliardärs gegen die vermeintliche „Elite“, und sei es die betagte Queen of England.

Ein bisschen Trump wird immer bleiben

Wenn Trump twittert, er wolle den Sumpf in Washington trockenlegen, jubeln sie. Im Gegensatz zu früheren Skandalpräsidenten kann er zudem auf ein mediales Paralleluniversum aus Fox News und sozialen Netzwerken bauen, die nur seine Meinung zählen lassen.

Daher dürfte Trumps Partei bei den Zwischenwahlen zwar Verluste erleiden, aber keineswegs untergehen. Sollten die Demokraten danach den Versuch unternehmen, ihn des Amtes zu entheben, werden sie damit im Senat scheitern – und ihm eine Steilvorlage geben, sich als politischer Märtyrer zu inszenieren.

Schon jetzt sind die republikanischen Wahlkampfkassen gut gefüllt, von Reichen, denen seine Niedrigsteuerpolitik sehr gefällt. Die Demokraten könnten über ihren Hass die Konzentration auf Inhalte und den richtigen Gegenkandidaten verlieren. Übrigens: So populär Demokrat Obama bei manchen war, so verhasst war er bei anderen. Auch deswegen gelang es ihm nicht, Hillary Clinton als Nachfolgerin zu etablieren – und je lauter er gegen Trump trommelt, desto mehr hilft er ihm wohl.

Wir müssen uns also darauf einstellen, dass auch nach Trump ein bisschen Trump stets bleiben wird.

Populisten haben weltweit einen großen Zulauf

Das gilt übrigens nicht nur für die USA, sondern ebenso für seine Nachahmer weltweit. Sogar wenn etwa die AfD nicht mehr durch die Flüchtlingskrise beflügelt werden sollte, wird sie weiter auf Fans zählen können, die vor allem „den Eliten“ einheizen wollen.

Vielleicht hat das mehr mit Trump zu tun als einem Jahrestag, den wir gerade begehen, zehn Jahre Weltfinanzkrise – nach der viele es ungerecht fanden, wie die Politik den Bankern aushalf und die Mittelschicht vergaß. Das ist eine andere Geschichte, mag man sagen. Und wenn nicht?

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