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Wahlkampf
17.01.2008

"Schmutzkampagne": In Niedersachsen ist ein Tabu gefallen

SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner und seine Ehefrau Marion. Sie sind seit 35 Jahren verheiratet.
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SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner und seine Ehefrau Marion. Sie sind seit 35 Jahren verheiratet.
Foto: iw/sm nie gr

Der Ton wird rau im Endspurt zur Landtagswahl in Niedersachsen. Sogar ein Tabu der deutschen Politik haben SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Jüttner (59) und seine Ehefrau eine Woche vor der Wahl gebrochen.

Die beiden haben mitten im Wahlkampf das Liebesleben von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) öffentlich kritisiert.

"Er hat kein Problem, sich von seiner Frau 'Knall auf Fall' zu trennen und gleichzeitig eine neue Frau zu präsentieren - die jetzt ein Kind erwartet, obwohl er nicht geschieden ist", sagte Marion Jüttner- Hötker der Zeitschrift "Bunte".

Die CDU Niedersachsen sprach am Mittwoch in Hannover von einer "Schmutzkampagne". Sie sieht darin eine Verzweiflungstat des Wulff- Herausforderers Jüttner, der in Wahlumfragen weit hinter dem 48 Jahre alten CDU-Regierungschef liegt. "Jüttner ist am Ende", sagte der Generalsekretär der CDU Niedersachsen, Ulf Thiele. Die CDU führe ihren Wahlkampf aber weiter sachlich.

Allerdings ist die Trennlinie zwischen Politik und Privatsphäre längst unschärfer geworden - mit Affären, Krisen und Trennungen haben deutsche Spitzenpolitiker immer wieder öffentlich für Schlagzeilen gesorgt. Wulff lebt seit 2006 mit seiner Freundin Bettina Körner (34) in Hannover zusammen, ist aber noch nicht geschieden. Das Paar erwartet ein gemeinsames Kind.

Der Regierungschef, der nicht direkt zu den Äußerungen des Jüttner-Ehepaars Stellung nehmen wollte, sagte: "Ich bin bestens drauf. Die Partei ist super aufgestellt, und die CDU Niedersachsen führt einen Super-Wahlkampf." Die Bürger begrüßten es auch, dass er seine private Situation offengelegt habe. "Die Bürger haben gesagt, toll, dass er sagt, was Sache ist."

SPD-Spitzenkandidat Jüttner verwies in dem Interview vor allem auf kritische Aussagen Wulffs aus dem Jahr 1997 zu damaligen Eheproblemen seines Amtsvorgängers Gerhard Schröder (SPD), des späteren Bundeskanzlers. "Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen", sagte Jüttner. "Wulff ist über Schröder hergefallen, aber er soll erstmal vor seiner eigenen Haustür kehren." Damals habe sich Wulff für seine Niederlage bei der Landtagswahl gegen Schröder mit hämischen Kommentaren zu dessen gescheiterter Ehe gerächt und gesagt: "Die Wähler werden sich über Schröders persönliche und politische Unzuverlässigkeit Gedanken machen."

Wulff hatte sich Mitte 2006 von seiner Ehefrau getrennt und sich zum ersten Mal im Juni desselben Jahres öffentlich mit seiner neuen Lebensgefährtin Bettina Körner gezeigt. Sie brachte einen Sohn mit in die Beziehung. Der 48 Jahre alte Wulff ist Vater einer Tochter, die er mit seiner Noch-Ehefrau Christiane hat. Wulff und Körner wollen heiraten, wenn Wulff im Frühjahr rechtskräftig geschieden ist.

Jüttners Ehefrau Marion, die seit 35 Jahren mit dem SPD-Politiker verheiratet ist, sagte: "Ich fühle mit der verlassenen Ehefrau, die sicherlich leidet." Bei öffentlichen Auftritten sei ihr der Ministerpräsident "nicht unsympathisch, aber wie Herr Wulff sich zum Teil politisch und privat verhält, da bin ich froh, dass er nicht mein Schwiegersohn ist". Sie habe es persönlich als "unangemessen" empfunden, dass Wulff kurz nach der Trennung von Ehefrau Christiane schon mit seiner Lebensgefährtin zum Gala-Empfang der Ministerpräsidentenkonferenz eingeladen habe.

Die ungewohnten Töne im niedersächsischen Wahlkampf lösten am Mittwoch Diskussionen bei den Landtagsfraktionen aus. Grünen- Spitzenkandidat Stefan Wenzel sagte: "Der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei Herrn Wulff ist bei uns kein politisches Thema." Für CDU-Fraktionschef David McAllister muss gelten: "Privates ist privat". Die SPD sei elf Tage vor der Wahl einfach verzweifelt. "Sie müssen wissen, was sie tun."

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