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Was passiert hinter der Moschee-Tür?

Kommentar Von Martin Ferber
28.11.2018

Horst Seehofer und die Islamkonferenz: Der Dialog, den er sich wünscht, stößt in vielen muslimischen Gemeinden schnell an seine Grenzen.

Muslim ist nicht gleich Muslim. Eigentlich eine Binsenweisheit, obgleich es in diesem Land Kräfte gibt, die gerne pauschal über den Islam urteilen, erst recht ihn pauschal verurteilen. Es gibt Sunniten, Schiiten, Aleviten und die Ahmadiyya. Und die in Deutschland lebenden Muslime kommen aus der Türkei oder Nordafrika, aus dem Iran oder Arabien – Länder und Regionen, die historisch wie kulturell nur wenige Gemeinsamkeiten haben.

Diese Vielfalt erschwert den Dialog. Einen zentralen Ansprechpartner analog zur katholischen Bischofskonferenz oder dem Rat der EKD gibt es auf muslimischer Seite nicht. Dieses Problem überschattet seit Anbeginn die Deutsche Islamkonferenz, die vor zwölf Jahren vom damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble ins Leben gerufen und von allen seinen Nachfolgern mit mal größerer, mal geringerer Begeisterung fortgeführt wurde. Ansprechpartner waren vor allem die vier großen Verbände, der Zentralrat der Muslime in Deutschland, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib), der Islamrat und der Verband der Islamischen Kulturzentren, die 2007 den „Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland“ als gemeinsames Dach bildeten. Aber selbst diese vier Verbände konnten nie den Anspruch erheben, alle Muslime zu vertreten, der Koordinierungsrat selber ist bis heute weder ein eingetragener Verein noch eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, womit er als Partner der Regierung entfällt.

Das Geld für die Moscheen kommt aus der Türkei oder aus Saudi-Arabien

Der neue Innenminister Horst Seehofer unternimmt nun nach längerer Pause einen neuen Anlauf, indem er die großen Verbände umgeht und das Gespräch mit Initiativen und Einzelpersonen sucht. Statt auf eine winzige Funktionärsschicht setzt der Noch-CSU-Chef auf die breiter werdende muslimische Zivilgesellschaft in Deutschland und ermuntert sie, einen Islam aus, in und für Deutschland zu schaffen.

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Das ist aller Ehren wert, da die Politik damit demonstrativ jene Kräfte zu stärken versucht, die auf Integration setzen und die Religion nicht zu politischen Zwecken missbrauchen. Und doch repräsentieren auch diese Muslime nur einen kleinen Ausschnitt ihrer Religionsgemeinschaft, ihr Einfluss endet spätestens an den Eingangstüren der Moscheen, die von Vereinen betrieben werden, die ihrerseits ihr Geld wie ihre Imame aus der Türkei oder aus Saudi-Arabien erhalten. Was diese meist ultrakonservativen Imame, die noch dazu kein einziges Wort Deutsch beherrschen, hinter den verschlossenen Türen predigen, hat mehr Einfluss auf die Muslime als das, was auf der Islamkonferenz besprochen wird. Insofern ist auch Seehofers Forderung an die Moscheevereine, sich von ihren ausländischen Geldquellen unabhängig zu machen, richtig, aber auch äußert schwierig zu realisieren, solange es keine vom Staat anerkannte islamische Religionsgemeinschaft gibt. Ein Teufelskreis.

Dialog mit Vertretern des Islam ist wichtig - aber man dreht sich schnell im Kreis

Wie seine Vorgänger dürfte auch Horst Seehofer rasch an die Grenzen der Islamkonferenz stoßen. Der Dialog ist wichtig, der Austausch ebenso, aber wenn er ohne praktische Folgen bleibt, dreht man sich im Kreise. Der Innenminister hat weder die Befugnis noch die Mittel, den Islam nach seinen Vorstellungen zu reformieren. Es gilt das Grundrecht der Religionsfreiheit. Veränderungen im Islam können nur durch Muslime selber kommen – wie auch das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Solange aber Länder wie die Türkei oder Saudi-Arabien glauben, als Schutzmacht der in Deutschland lebenden Muslime agieren und die Religion für politische Zwecke missbrauchen zu müssen, steht die aufgeklärte muslimische Zivilgesellschaft auf verlorenem Posten.

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