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13.11.2017

Was will der AfD-Chef wirklich in Brüssel?

Jörg Meuthen wechselt ins Europaparlament.
Bild: Rolf Vennenbernd, dpa (Archiv)

Warum Jörg Meuthen lieber ins Europaparlament wechselt als Oppositionsführer in Stuttgart zu bleiben.

Jörg Meuthen ist ein Mann, der es genießt, seinen Mitmenschen Rätsel aufzugeben. Der AfD-Chef kann gut reden, sehr gut sogar. Doch am Ende eines Gesprächs fragt man sich oft, was er denn nun wirklich gemeint hat. Meuthen ist ein Meister der rhetorischen Hintertür. Offiziell steht er für den bürgerlichen Flügel der Partei. Gleichzeitig gilt er aber auch als mächtigster Verbündeter des umstrittenen Rechtsaußen Björn Höcke. Ein Widerspruch? Nicht für ihn. Der 56-jährige Wirtschaftsprofessor spricht gerne davon, dass die AfD eine Volkspartei sein wolle, und da gebe es nun mal unterschiedliche Strömungen. Im baden-württembergischen Landtag hat er am eigenen Leib gespürt, wie unterschiedlich diese Strömungen sind.

Meuthen: Seit Petry weg ist, steht er alleine an der AfD-Spitze

Eineinhalb Jahre war er damit beschäftigt, die zerstrittene Truppe, die sich zwischendurch sogar in zwei Fraktionen aufgespalten hatte, zusammenzuhalten. Davon hatte er jetzt offenbar genug. Meuthen geht nach Brüssel – und lässt Verbündete wie Gegner mal wieder rätseln. Gingen ihm die eigenen Leute auf die Nerven? Hat er gemerkt, dass die Arbeit im Parlament anstrengender ist als Auftritte in Talkshows oder Wahlkampfreden? Oder bastelt er an der eigenen Karriere? Klar ist: Meuthen will die AfD führen, auch wenn man noch nicht so recht erkennen kann, wohin. Seit Frauke Petry weg ist, steht er alleine an der Parteispitze, und er hätte auch kein Problem damit, wenn das so bliebe.

Vom Wechsel nach Brüssel, wo er das Mandat von Beatrix von Storch übernimmt, die in den Bundestag gewählt wurde, erwartet sich Meuthen vor allem mehr Präsenz in der Öffentlichkeit. „Ich gehe davon aus, dass es mir als Europa-Abgeordneter leichter möglich sein wird, meine Funktion als Parteichef wahrzunehmen“, sagt er ungewohnt hölzern im Gespräch mit unserer Zeitung. Zwar hatte die AfD bei der Europawahl 2014 sieben Mandate geholt, durch die Spaltung der Partei kehrten ihr allerdings von Lucke bis Pretzell nach und nach fast alle Abgeordneten den Rücken. Meuthen wird also zur One-Man-Show – aber irgendwie war er das ja schon immer. Und kaum jemand in der AfD glaubt, dass Brüssel für den ambitionierten Parteichef die Endstation sein wird.

Innerparteiliche Gegner werfen ihm Ämterhäufung und Geldgier vor

Wahrscheinlicher ist es, dass er den Posten nutzen will, um die eigene Macht weiter auszubauen. Seine innerparteilichen Gegner bringen sich schon in Stellung. Sie werfen ihm Ämterhäufung und Geldgier vor, weil er vorerst auch im Landtag bleiben will. Und so sah er sich gezwungen, klarzustellen, dass er „in Kürze“ sein Mandat in Stuttgart niederlegen werde. Er weiß: Wenn er jetzt keinen Fehler macht, hat er nach der Flucht der ungeliebten Petry (Meuthen: „Wir haben erkennbar nicht harmoniert.“) gute Chancen, das neue Gesicht der AfD zu werden. Das Höcke-Lager könnte wohl damit leben. Noch läuft gegen den Rechtsaußen ja ein Parteiausschlussverfahren. Ein internes Schiedsgericht soll demnächst darüber befinden. Sollte er bleiben dürfen, würde Meuthen sicher keinen neuen Anlauf unternehmen, ihn loszuwerden. Daran lässt er keinerlei Zweifel: „Nach meiner Überzeugung ist der Flügel, den Björn Höcke repräsentiert, ein integraler Bestandteil der Partei.“

Meuthen braucht das rechte Lager auch für die eigene Karriere. Sollte Jamaika scheitern, könnte ihn sein Weg statt nach Brüssel auch nach Berlin führen. „Wir sind völlig offen für Neuwahlen und auch darauf vorbereitet“, sagt der AfD-Chef. Und was ist mit den eigenen Ambitionen? Auch dazu hat der Meister der rhetorischen Hintertür eine Antwort: „Es geht nicht um persönliche Begehrlichkeiten – erst wenn sich diese Frage stellen sollte, muss man sehen, wer wo der Partei am besten dienen kann.“

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