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USA

22.12.2020

Wie Trumps Prediger vom Glauben abfallen

Um Präsident Donald Trump im Weißen Haus wird es einsam. Immer mehr politische Freunde und Unterstützer kündigen ihm die Freundschaft auf.
Bild: Evan Vucci, dpa

Rechte Medien verbreiten wilde Verschwörungserzählungen über angebliche Wahlmanipulationen. Nun plötzlich konfrontieren sie ihre Zuschauer mit den Fakten.

Mit einem eigenen Fernsehkanal und täglich rund einer Million Zuschauern gehört Pat Robertson zweifelsohne zu den einflussreichsten Vertretern der christlichen Rechten in den USA. In seiner Talkshow „The 700 Club“ wettert der 90-jährige Prediger gegen Sozialismus, Islam, Homosexualität und was aus seiner Sicht sonst noch des Teufels ist. „ Trump wird die Wahl gewinnen“, verkündete er Ende Oktober: „Das ist sicher.“ Allerdings werde kurz darauf ein Asteroid die Erde treffen...

Nun ist es etwas anders gekommen – und das Schlachtross der amerikanischen Fundamentalisten legt eine spektakuläre Kehrtwende hin. Während sich Donald Trump tiefer in seinen Verschwörungswahn hineinsteigert, schockierte Robertson seine Anhänger am Montag mit einem hellsichtigen Bekenntnis: „Ich habe gebetet und gehofft, dass es eine bessere Lösung gibt. Aber ich glaube, es ist vorbei.“ Joe Biden sei der künftige Präsident, Trump lebe in einer „alternativen“ Wirklichkeit: „Er hatte seine Chance. Nun ist es Zeit weiterzuziehen.“

USA: Anhänger des Präsidenten erleben gerade einen Realitätsschock

Die Abkehr des prominenten TV-Hirten bedeutet für evangelikale Trump-Wähler einen Schock. Viele von ihnen glauben immer noch an ihr Idol. Und Trump befeuert den Wahn mit Räuberpistolen vom angeblichen Wahlbetrug, in deren Zentrum jene Maschinen stehen, die Stimmen scannen und auswerten. Mal sollen sie von Venezuela, mal von China und mal von Hillary Clinton so programmiert worden sein, dass sie Trump-Stimmen heimlich für Biden zählten.

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Doch auch hier erleben die Anhänger des Präsidenten gerade einen Realitätsschock. Mitten in ihren Lieblingsshows der ultrarechten Fox-Moderatoren Lou Dobbs, Maria Bartiromo und Jeanine Pirro wurden am Wochenende Videoclips mit einem Faktencheck ausgestrahlt, die den Fälschungsvorwürfen ausdrücklich widersprachen. „Haben Sie Beweise dafür, dass Software verwendet wurde, um in dieser Wahl Stimmen auszutauschen?“, wurde ein Experte befragt. Antwort: „Nein, dafür habe ich keine Beweise.“ Stück für Stück wurden die Konspirationserzählungen, die die Moderatoren teilweise selbst verbreitet hatten, widerlegt.

Am Montag aber trauten viele Zuschauer ihren Augen nicht

Nun steht der Sender Fox-News bei Trumps Hardcore-Fans inzwischen ohnehin im Geruch des Verrats. Viele sind wie der Präsident zu den noch rechteren Kabelkanälen OAN und Newsmax abgewandert, wo Präsidenten-Advokat Rudy Giuliani und die mit der rechtsextremen Qanon-Verschwörungsideologie sympathisierende Anwältin Sidney Powell in den vergangenen Wochen ohne Belege ihre Versionen verbreiten durften.

US-Präsident Donald Trump zur Entscheidung des Obersten Gerichts: «Das ist ein großer und skandalöser Justizirrtum.».
Bild: Patrick Semansky, dpa

Am Montag aber trauten viele Zuschauer ihren Augen nicht. Da erschien der ultrarechte Newsmax-Moderator John Tabacco ein bisschen steif auf dem Bildschirm und schien wie ausgewechselt. In den vergangenen Wochen seien viele Gäste aufgetreten und hätten „Meinungen“ über Dominion und Smartmatic, zwei führende Hersteller von Wahlmaschinen, geäußert, leitete er sein Statement ein. Ausdrücklich betonte er, dass sich sein Sender diese Behauptungen nicht zu eigen mache. Dann widersprach er ihnen Punkt für Punkt zwei Minuten lang. Dass Tabacco ausdrücklich betonte, beide amerikanische Unternehmen, die weltweit operieren, würden weder Hillary Clinton noch George Soros noch dem 2013 verstorbenen venezonalischen Präsidenten Hugo Chavez gehören und von diesen auch nicht gesteuert, klang für Außenstehende bizarr. Doch für viele Newsmax-Zuschauer dürfte eine Welt zusammengebrochen sein.

Amerikaner sind in Gewinner verliebt

Weder Fox-News noch Newsmax haben sich wohl freiwillig entschieden, ihre Berichterstattung zu widerrufen. Dahinter stecken vielmehr Verleumdungsklagen der beiden Wahlmaschinen-Hersteller, deren Geschäft unter den „falschen und diffamierenden Statements“ aus der Präsidenten-Umwelt zu leiden droht. In den USA können solche Klagen schnell extrem teuer werden und existenzbedrohende Strafzahlungen nach sich ziehen.

Doch die Liebe der rechten Medien zu Trump dürfte auch aus einem anderen Grund erkalten: Amerikaner sind in Gewinner verliebt. Trumps wüste Tweets klingen aber zunehmend selbstmitleidig. „Seine Attitüde des schlechten Verlierers beginnt selbst den Millionen, die ihn gewählt haben, auf die Nerven zu gehen“, kommentierte das sicherlich nicht Biden-freundliche Wall Street Journal zum Wochenbeginn.

Derweil ging Prediger Robertson auf maximale Distanz: „Trump hinterlässt eine gemischte Bilanz“, urteilte der Fernseh-Missionar in einer Art Nachruf: „Er hatte etwas, das gut war. Aber er war auch sehr sprunghaft und hat viele Menschen beleidigt.“

Lesen Sie auch: Donald Trump hält sich theoretisch für einen guten Verlierer

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