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Sicherheit

01.10.2020

Wieder rassistischer Chat entdeckt: Kommt nun doch eine Polizeistudie?

In dem internen Chat sollen sich mehr als 25 Beamte ausgetauscht haben.
Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

Neue rechtsextremistische Verdachtsfälle in Berlin lassen die Diskussion über eine wissenschaftliche Analyse wieder hochkochen. Auch aus der CSU sind neue Töne zu hören.

Polizei und Politik kommen nicht zur Ruhe. Vor zwei Wochen waren fünf rechtsextreme Polizei-Chatgruppen in Nordrhein-Westfalen aufgedeckt worden, am Donnerstag wurde bekannt, dass es beim Verfassungsschutz von Nordrhein-Westfalen ähnlich gelagerte Verdachtsfälle gibt. Nur wenige Stunden später geriet Berlin in den Blickpunkt: Auch in den Reihen der Hauptstadt-Polizei hat es in einer geschlossenen digitalen Diskussionsrunde, einem Chat, offenbar eine Fülle rassistischer und antisemitischer Äußerungen gegeben. Das ARD-Magazin Monitor berichtete, dass die Behörde ein Strafverfahren eingeleitet habe. Meldungen, die noch am selben Tag wieder eine politische Debatte über die Frage hochkochen ließen, ob eine Studie zu rechtsextremen Umtrieben in der Polizei notwendig ist.

Bis auf die AfD fordert die Opposition nahezu geschlossen eine solche Polizeistudie. Jetzt zeichnet sich auch in der Union ein vorsichtiges Umdenken ab. Bundesinnenminister Horst Seehofer ( CSU) hatte eine wissenschaftliche Analyse bisher noch strikt abgelehnt. Es gehe schließlich um Einzelfälle, man dürfe die Beamten nicht unter Generalverdacht stellen, so der Tenor in der Union. Seehofer stellte zuletzt immerhin eine breit angelegte gesellschaftliche Untersuchung zu diesem Thema in Aussicht.

Bundesinnenminister Horst Seehofer beklagt eine ständige Kritik an der Polizei.
Bild: Marijan Murat, dpa

Volker Ullrich will nicht mehr von Einzelfällen sprechen

Doch der Augsburger CSU-Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich geht weiter: „Ich halte eine Studie über Extremismus bei der Polizei für notwendig, allerdings sollte diese Untersuchung auch die Bundeswehr und die mit Fragen der öffentlichen Sicherheit befassten Teile des Öffentlichen Dienstes umfassen.“ Auf diese Weise würde der Staat seinen Willen dokumentieren, für Transparenz zu sorgen.

Auch in einem weiteren Punkt setzt Ullrich im Gespräch mit unserer Redaktion neue Akzente. Angesichts der sich häufenden Berichte über rechtsextreme Vorfälle bei den Sicherheitsbehörden würde er persönlich „nicht mehr von Einzelfällen sprechen“. Dazu hätten sich die Vorfälle zuletzt zu sehr gehäuft. „Das bedeutet nicht, dass ich die Polizei unter Generalverdacht stelle. Sie macht einen sehr guten Job und hat Vertrauen verdient“, sagte Volker Ulrich.

Ein Satz, den wohl der bayerische Innenminister Joachim Herrmann sofort unterschreiben würde. Auch wenn „jeder Fall bitter und einer zu viel“ sei, fordert er, die Relationen nicht aus den Augen zu verlieren: „Wir haben in Deutschland insgesamt mehr als 300.000 Polizistinnen und Polizisten.“

In der Berliner Polizei sollen sich Polizisten in einem rechtsextremen Chat ausgetauscht haben

Viele Experten treibt die Frage um, wie es gelingen kann, dass mehr Informationen über rechtsextreme Tendenzen aus der Polizei herauskommen. Bisher dürfte dem im Alltag nicht selten ein falsch verstandener Korpsgeist entgegenstehen – die Furcht vor den Konsequenzen also, wenn man einen Kollegen bei Vorgesetzten „anschwärzt“.

Der Vorsitzende des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler, brachte in der ARD die Installation einer externen Stelle ins Spiel, an die sich Beamte von Sicherheitsbehörden wenden könnten, „falls es in ihrem beruflichen Umfeld mutmaßlich rechtsextreme Tendenzen“ gibt. Fiedler hält zudem eine Studie zur Aufarbeitung von Rechtsextremismus in den Sicherheitsbehörden für unabdingbar.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Das Hin und Her um die Polizeistudie schadet den Polizisten

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