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Viraler Hit

22.05.2019

YouTuber Rezo nimmt die Politik der CDU auseinander

Der YouTuber Rezo hat mit "Die Zerstörung der CDU" einen viralen Hit gelandet.
Bild: Screenshot YouTube/AZ

Rezo, einer der bekanntesten deutschen YouTuber, hat mit "Die Zerstörung der CDU" einen viralen Hit gelandet. Das Video wurde bereits mehr als drei Millionen Mal geklickt.

"Fuck, ist das heftig" - so lautet einer der ersten Sätze in einem Video, das derzeit hohe Wellen im Netz schlägt. Der Urheber: Rezo, einer der bekanntesten YouTuber Deutschlands, der seinen knapp 2,3 Millionen Abonnenten bislang hauptsächlich Musik- und Comedy-Videos präsentierte. Doch vor wenigen Tagen lud Rezo ein Video hoch, das den Namen "Die Zerstörung der CDU" trägt und das bis heute (Stand: Donnerstagmorgen) mehr als 4,7 Millionen Mal aufgerufen wurde.

Rezo sitzt im neon-orangen Pulli an seinem Schreibtisch, sein Markenzeichen - das blaugefärbte Haar - lugt unter seiner Basecap hervor. Er erklärt, worum es in seinem Video geht: "Ich werde in diesem Video zeigen, wie CDU-Leute lügen, wie ihnen grundsätzliche Kompetenzen für ihren Job fehlen, wie sie gegen deutliche Experten-Meinung Politik machen, wie sie sich augenscheinlich an verschiedenen Kriegsverbrechen beteiligen, wie sie Propaganda und Unwahrheiten gegen die junge Generation einsetzen, wie bei ihrer Politik die letzten Jahrzehnte die Reichen immer mehr gewinnen und alle anderen immer mehr ablosen und ich zeige, dass nach der Expertenmeinung von zigtausenden deutschen Wissenschaftlern die CDU aktuell unser Leben und unsere Zukunft zerstört."

"Die Zerstörung der CDU" dauert 55 Minuten

Ob wirklich alle 600.000 Abonnenten des Zweitkanals "Rezo ja lol ey", auf dem der 26-jährige YouTuber das Video veröffentlichte, "Die Zerstörung der CDU" komplett gesehen habe - immerhin ist es 55 Minuten lang - ist schwer zu sagen. Letztlich ist das aber auch egal. Wichtig ist, dass Rezo mit dem Video gelingen könnte, woran Politiker seit einigen Jahren scheitern: Jugendliche und Erstwähler für Politik zu begeistern.

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Rezo, dessen wirklicher Name nicht bekannt ist, verspricht zu Beginn „kein langweiliges Politikvideo, sondern wirklich ein Zerstörungsvideo“. Er werde nicht "aktiv" versuchen, jemanden zu zerstören, doch: "Die Fakten und Tatsachen sprechen einfach dafür, dass die CDU sich selbst, ihren Ruf und ihr Wahlergebnis damit selbst zerstört."

Was folgt ist ein "Rant", wie Rezo es selbst nennt, eine brachiale Wutrede, eine Mischung aus Analyse und Polemik, in der der 26-Jährige aufzeigen will, wie CDU, CSU und die mitregierende SPD in Sachen Wohlstand und Chancengleichheit, in Umwelt- und Außenpolitik sowie in der Migrationsfrage und der ohnehin schon aufgeheizten Urheberrechtsdebatte versagen. Rezo belegt seine Thesen zum einen mit Zusammenschnitten aus Tilo Jungs politischem Interview-Kanal "Jung und Naiv", zum anderen mit mehr als 250 Fußnoten, Belegen und Quellen. Der Zuschauer merkt schnell: Hier handelt es sich nicht nur um subjektives Geblöke. Rezo hat recherchiert, Fakten und Statistiken, Zahlen und Zitate zusammengetragen.

"Die Zerstörung der CDU": Rezo kritisiert nicht alle Akteure

Am Rande anzumerken ist durchaus, dass Rezo fast ausschließlich die CDU verantwortlich macht, mit der Begründung, dass die Partei in den zurückliegenden 36 Jahren 29 Jahre lang regiert hat. Dass die letzte große Steuerreform, die die Schere zwischen Arm und Reich weiter vergrößert hat, in die Zeit der rot-grünen Bundesregierung fiel, klammert er dabei allerdings aus. Ebenso lässt sich an weiteren seiner Thesen kritisieren, dass der YouTuber sie schwarz-weiß zeichnet - sprich: allein der CDU die Schuld gibt, obwohl die Realität eher aus diversen Grautönen besteht - sprich: deutlich mehr Akteure für die derzeitigen Missstände verantwortlich sind.

Doch unabhängig davon, wer die Verantwortung für die momentane Situation trägt, prangert Rezo öffentlich an, wofür unter anderem Kritiker der Urheberrechtsreform und die Fridays for Future-Aktivisten schon seit einigen Monaten auf die Straße gehen. Sein Fazit: "Ihr sagt doch immer, dass die jungen Leute mehr Politik machen sollen. Dann kommt doch damit klar, wenn die jungen Leute eure Politik scheiße finden." Welchen Nerv er getroffen hat, zeigen die zahlreichen positiven Bewertungen und Kommentare unter dem Video.

Am Ende des 55 Minuten langen Videos ruft der YouTuber seine Zuschauer eindrücklich dazu auf, bei der Europawahl ihre Stimmen abzugeben. Aber: "Wählt bitte nicht die SPD. Wählt bitte nicht die CDU. Wählt bitte nicht die CSU und schon gar nicht die AfD."

CDU plant Reaktion auf Rezos Anti-CDU-Video

Die Reaktionen auf das Video bleiben - wie zu erwarten - nicht aus. In einem längeren Thread legt Marian Bracht, der Büroleiter des früheren CDU-Generalsekretärs Peter Tauber, dar, warum er das Video für unsauber recherchiert und einseitig hält.

Von den so hart kritisierten Unionsparteien gab es bislang keine Reaktion. Aus der CDU-Zentrale hieß es laut Spiegel Online, Politik sei sehr viel komplizierter als von Rezo dargestellt. Eine Reaktion auf das Video sei geplant.

Wie ZDF-Korrespondent Florian Neuhann twittert, soll Gerüchten zufolge CDU-Jungstar Philipp Amthor als Gesicht für das Antwort-Video herhalten.

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