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Zweiter Weltkrieg
30.08.2019

Bekommt Berlin noch ein Mahnmal?

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin ist für viele Menschen ein Gedenkort. Nun ist ein weiteres Mahnmal für die Hauptstadt im Gespräch.
Foto: Steffen Kugler, dpa (Archiv)

In Berlin könnte ein weiteres Mahnmal entstehen, das an den Überfall auf Polen erinnert. Für diese Idee gibt es im Bundestag viele Unterstützer.

Das Mahnmal „Gleis 17“ am Bahnhof Grunewald erinnert an die tausenden Juden, die dort mit Zügen der Deutschen Reichsbahn aus Berlin deportiert wurden. Im einstigen Machtzentrum der Nazis, Ecke Wilhelmstraße/An der Kolonnade, wird „Hitler-Attentäter“ Georg Elser geehrt. Im Tiergarten erinnert ein Mahnmal an die von den Nazis ermordeten Sinti und Roma. Vor dem Reichstagsgebäude steht ein Denkmal für 96 von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete. Und dann ist da natürlich noch die zentrale Holocaust-Gedenkstätte Deutschlands: Das Mahnmal in der historischen Mitte Berlins erinnert an die rund sechs Millionen ermordeten Juden.

Schon lange fordern polnische Bürger, ein weiteres „in die Höhe strebendes, weithin sichtbares Gedenkzeichen“. Denn mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 stehe das Land als erstes deutsches Weltkriegsopfer beispielhaft für die rassistische NS-Politik. Im Zweiten Weltkrieg kamen nach Zahlen der Bundeszentrale für politische Bildung in Polen sechs Millionen Menschen ums Leben.

Wo das Mahnmal in Berlin stehen könnte

Die Bundesregierung steht dem Thema grundsätzlich offen gegenüber. „Es wird ja auch jetzt schon durch Museen und Gedenkstätten, die der Bund fördert, vielfältig in Deutschland an das Leid der polnischen Opfer erinnert“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Als Beispiele nannte er die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, das Deutsche Historische Museum sowie die KZ-Gedenkstätte in Dachau. Alleine entscheiden will die Regierung nicht. „Ein Denkmal, wie es jetzt in der Diskussion ist, bedürfte einer öffentlichen Debatte im Deutschen Bundestag. Denn auch der Errichtung anderer Denkmäler hat ein Beschluss des Deutschen Bundestags zugrunde gelegen“, sagte Seibert.

Wo das Denkmal stehen soll, dazu machte Florian Mausbach, ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Ende 2017 einen konkreten Vorschlag: auf einer Grünfläche direkt gegenüber des künftigen Dokumentationszentrums der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ im Deutschlandhaus am Askanischen Platz. Unterstützung bekam Mausbach unter anderem von Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und ihrem Nachfolger Wolfgang Thierse. Auch der 2015 verstorbene Auschwitz-Überlebende und Schirmherr deutsch-polnischer Versöhnung, Wladyslaw Bartoszewskis, wünschte sich ein Denkmal für die polnischen Opfer der deutschen Besatzung.

Es gibt auch Kritik am Mahnmal-Vorhaben

Anfang dieses Jahres hatte die Linksfraktion einen Aufruf für einen Gedenkort in Berlin an den Bundestag gerichtet. Mittlerweile gibt es im Bundestag 240 Unterstützer aus allen Fraktionen mit Ausnahme der AfD. Doch nicht jeder befürwortet das Vorhaben. Solch ein Denkmal verstärke die „Nationalisierung des Gedenkens“, sagt etwa der Theologe Markus Meckel, einst Bürgerrechtler in der DDR und ihr letzter Außenminister.

Als Konsequenz müsse dann jede einzelne Opfergruppe des von Hitlerdeutschland begonnenen Krieges ein eigenes Denkmal bekommen, um sich nicht vernachlässigt zu fühlen. Besser sei seiner Ansicht nach ein Dokumentationszentrum zur Erinnerung an den Vernichtungskrieg der Deutschen im Osten.

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