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Corona-Pandemie
21.01.2022

Genesene geraten in einem umstrittenen Verfahren unter Impfdruck

Genesene im Visier? Gesundheitsminister Karl Lauterbach.
Foto: Jens Büttner, dpa

Wer sich infiziert hat, sollte rasch einen Blick in den Kalender werfen. Das RKI hat die Laufzeit der Genesenen-Nachweise buchstäblich über Nacht halbiert.

Es geht auch anders. In der Schweiz können Menschen, die bereits an Corona erkrankt waren, ihren Status als Genesene alle drei Monate verlängern und so weiter ins Restaurant gehen, ins Theater oder in ein Konzert. Einzige Voraussetzung: Ein Test, der ihnen bescheinigt, dass sie noch genügend Antikörper in sich haben. Während Deutschland die Freiheiten der Genesenen drastisch einschränkt, indem es die Laufzeiten ihrer Nachweise auf drei Monate verkürzt hat, gelten Schweizer mit regelmäßigen Test ein Jahr lang als genesen.

Sepp Müller, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, hält davon nicht viel. „Trotz positiver Antikörpertests kann man sich mit Corona infizieren und es an andere Menschen übertragen,“, warnt der CDU-Mann aus Sachsen-Anhalt gegenüber unserer Redaktion. Die Verlängerung des Genesenenstatus mit Hilfe eines Antikörpertests berge daher eine unsichtbare Gefahr. Inhaltlich sei die Entscheidung, die Gültigkeit der Genesenen-Nachweise in Deutschland zu verkürzen, also richtig. „Richtige Änderungen müssen aber auch richtig kommuniziert werden“, kritisiert Müller. Dies hätten der Gesundheitsminister und das Robert-Koch-Institut versäumt. Und das nicht zum ersten Mal, wie Müller findet: „Der Minister verursacht ein Kommunikationschaos nach dem anderen.“ Künftig müssten den Bürgern bevorstehende Änderungen in der Corona-Politik der Koalition verständlich begründet und rechtzeitig vermittelt werden.

In der Vorlage des Ministeriums standen noch 180 Tage

Am Freitag vergangener Woche war das erkennbar nicht der Fall. Nach dem Bundestag hatte da auch der Bundesrat einstimmig eine Neuregelung auf den Weg gebracht, nach der künftig das Robert-Koch- und das Paul-Ehrlich-Institut darüber entscheiden, wie lange jemand als vollständig geimpft bzw. als genesen gilt. In der Beschlussvorlage des Gesundheitsministeriums war dabei nach Müllers Wortennoch von 180 Tagen für Genesene die Rede - ein Wert, den auch die renommierte deutsche Gesellschaft für Virologie für realistisch hält. Praktisch zeitgleich mit der Entscheidung der Länderkammer und ohne jede öffentliche Ankündigung halbierte das Robert-Koch-Institut dann allerdings die Frist für Genesene auf nur noch 90 Tage. Ein kurzer Hinweis auf den Internet-Seiten des Instituts - und das war es dann auch.

Genesene, deren Infektion mehr als diese drei Monate zurückliegt, werden jetzt wie Ungeimpfte behandelt – ein politischer Drahtseilakt. „Die Frage der Gültigkeit eines Genesenennachweises ist nicht nur eine naturwissenschaftlich-medizinische,“ warnt etwa der Augsburger Rechtsprofessor Josef Franz Lindner, „sondern vor allem auch eine juristische.“ Die Gültigkeit sei Voraussetzung für einschneidende Coronamaßnahmen, vor allem bei der 2G-Regelung. „Dies ist in hohem Maße grundrechtssensibel.“, betont Lindner. „Es genügt verfassungsrechtlichen Anforderungen nicht, dass die Festlegung der Gültigkeitsdauer durch eine nachgeordnete Behörde wie das Robert-Koch-Institut erfolgt.“ Diese müsse vielmehr durch ein Gesetz oder zumindest durch eine Rechtsverordnung der Bundesregierung bestimmt werden.

Lauterbach: Die Wissenschaft entscheidet

Lauterbach dagegen will genau das nicht. Veränderungen, betonte er im Bundesrat, werde es nur auf Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse geben, „also ohne Beeinflussung durch den Minister zum Beispiel.“ Dass der Status der Genesenen direkt nach dem Beschluss drastisch verkürzt werden würde, sagte er nicht. Im Gegenteil: Sein Ministerium werde so informieren, versprach Lauterbach, dass Betroffene nicht ständig die Seiten der Institute anklicken und prüfen müssten, ob sich etwas geändert habe...

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Nimmt der Minister jetzt die Genesenen ins Visier? „Wenn sich Viren verändern, kann sich auch der Schutz durch Impfung oder durch vorherige Erkrankung verringern“, erklärt sein Sprecher auf Nachfrage. „Von daher ist es richtig, auf solche Veränderungen schnell zu reagieren. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass man nach einer Genesung von einer Corona-Erkrankung nicht so lange vor einer Infektion mit der Omikron-Virusvariante geschützt ist wie vorher bei den anderen Varianten.“ Ein Nebeneffekt der neuen 90-Tage-Regelung sei überdies der neue Anreiz, sich impfen zu lasen: „Ein Genesener erreicht mit einer weiteren Impfung den vollen Impfschutz und erhält Ausnahmerechte bei Quarantäne oder beim Zugang in die Gastronomie.“

Streng genommen ist die Zeit, in der sich Genesene wie Geimpfte fühlen dürfen, sogar noch kürzer als die jetzt verordneten drei Monate: Als genesen gilt ein Patient erst vier Wochen nach seiner Corona-Infektion. Diese 28 Tage werden mit in die 90-Tages-Frist eingerechnet, so dass Betroffene faktisch nur noch 62 Tage den Status des Genesenen für sich in Anspruch nehmen dürfen. Viele Nachweise aus dem Herbst sind damit bereits abgelaufen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

31.01.2022

Lust auf einen Ausflug ins 3-Genesenen-Eck? Bei einer malerischen Radltour um den Bodensee können sie in kurzer Zeit drei unterschiedliche Genesenenstati genießen: 3 - 6 - 12 Monate

Da es wissenschaftlich erwiesen ist, dass die Immunsysteme von Deutschen, Österreichern und Schweizern sich grundlegend unterschieden, wird diesem Erkenntnisstand auch konsequent und logisch Folge getragen!

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25.01.2022

Prädikat rechtswidrig!
https://www.augsburger-allgemeine.de/neu-ulm/ulm-neu-ulm-gericht-kippt-2g-regel-fuer-einzelhandel-auch-in-baden-wuerttemberg-id61585366.html
Jede Willkür hat ein Ende!!

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22.01.2022

Unsinn das alles. Es gibt gar keine wissenschaftliche Begründung dafür. Wenn ein Genesener ähnlich hohe Antikörper Zahlen aufweist wie Geimpfte, dann ist der Karl'sche Unsinn eine Unverschämtheit und rechtswidrig. Am besten gleich auch für jede Erkrankung einen vollen Lockdown, auch bei Schnupfen, an Werner Inzidenz von 1. Zudem permanentes Kontakt Verbot für alle und jeden.

Wir brauchen wohl nicht erst Cannabis zu legalisieren...

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21.01.2022

Infantil - oder fällt jemandem eine bessere Charakterisierung dieses Theaters ein? Mir schon - aber die würde "wegeditiert".

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21.01.2022

...und schon rechtswidrig:
"Das Land Baden-Württemberg will schon nächste Woche das reguläre Stufensystem der Corona-Beschränkungen wieder in Kraft setzen. Die grün-schwarze Landesregierung reagiert damit auch auf ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofs, das das Einfrieren der Alarmstufe II mit harten Einschränkungen für Ungeimpfte für teilweise rechtswidrig erklärt hat."

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21.01.2022

Bei dieser Flut an staatlich willkürlich erlassenen Regeln am Besten ALLES juristisch prüfen lassen!!

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21.01.2022

Das nach einer Woche diese Zeitung Kenntnis von dem Vorgang nimmt, ist ja schon mal ein Lichtblick.
Man könnte noch erwähnen, dass wenn Lauterbach von „der Wissenschaft“ spricht, er das ihm selbst weisungsgebundene RKI meint.In seiner sprachlichen Hochbegabung hat Herr Lauterbach, wir erinnern uns, der der Staubsaugerbeutel als Maske empfahl, ja schon ausgeführt, dass die Impfpflicht zu freiwilligen Impfungen führt.

Das zum Thema, siehe Schweiz, durchaus unterschiedliche Meinungen gibt, tangiert ihn auch nicht.

Das Beste ist aber noch, dass das gleiche Institut einer Boosterimpfung erst nach 3 Monaten zulässt, obwohl die Zweitimpfung weniger Schutz bietet, als eine ausgestandene Infektion. Und wir erinnern uns, vor nicht mal 8 Wochen waren wir da noch bei einem halben Jahr.

Dazu kommt der Wahnsinn mit dem J&J-Vakzine. Das hat dazu geführt, dass Reisende letzten Mittwoch das Land noch vollständig geimpft verlassen haben, am Wochenende als Ungeimpfte versuchen mussten, einzureisen.

Und über all das entscheidet eine Behörde ohne parlamentarische Rückkoppelung.
Das Thema demontierter Rechtsstaat hatten wir ja schon

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21.01.2022

"Und über all das entscheidet eine Behörde ohne parlamentarische Rückkoppelung."

Entweder war das den Mitgliedern des Bundesrates nicht klar oder sie haben sich über den Tisch ziehen lassen?
https://www.merkur.de/politik/rki-corona-genesene-neue-regel-monate-robert-koch-institut-lauterbach-minister-bundesrat-streeck-91245095.html

Es ist juristisch jedenfalls sehr sehr fragwürdig, wenn Grundrechtseinschränkungen allein damit in Kraft treten, weil irgendetwas auf einer Internetseite steht...
https://www.nordbayern.de/region/viele-bayern-verlieren-2g-status-uber-nacht-das-ist-das-gegenteil-von-rechtsstaat-1.11745933

Eigentlich ein starkes Stück, aber Konsequenzen bleiben sicherlich aus...

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21.01.2022

Das Thema " demontierter Rechtsstaat " hatten nur Sie, nicht wir.

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21.01.2022

Sehr geehrter Herr Wolfgang S.

Lesen Sie eigentlich noch die Artikel, zu denen Sie kommentieren, oder konzentrieren Sie sich ausschließlich auf User-Jagd?

Ich zitiere noch mal für Sie:
„ der Augsburger Rechtsprofessor Josef Franz Lindner“ sagt: „Dies ist in hohem Maße grundrechtssensibel.“, betont Lindner. „Es genügt verfassungsrechtlichen Anforderungen nicht, dass die Festlegung der Gültigkeitsdauer durch eine nachgeordnete Behörde wie das Robert-Koch-Institut erfolgt.“

Mit den Bedenken zu rechtsstaatlichen Verhalten der Institutionen wären WIR dann schon mal mindestens 2.

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21.01.2022

Herr Thomas T.,
leiden Sie schon unter Verfolgungswahn ?
Sie schreiben jeden Tag einen Kommentar zur Corona Politik der Regierung , die Sie natürlich
kritisieren dürfen .
Herr Wais tut das, viele kritische Bürger tun das.
Ich erlaube mir nur, Ihre Argumentation und vor allem Ihre Wortwahl zu hinterfragen.
Sie haben erst gestern die Politik der Regierung " autokratisch " genannt.
Das ist per Definition ( aus Wikipedia )eine Regierungsform, in der " Einzelpersonen oder eine Gruppe unkontrolliert politische
Macht ausüben und keiner verfassungsmäßigen Kontrolle unterliegt. Dieser Begriff wird auch anstatt Diktatur verwendet "
Als Beispiele für eine Autokratie werden Nordvietnam und der Vatikan genannt.
Leben wir also doch ( Ihrer Meinung nach ) in einer Corona Diktatur ?
Ihre Argumentation ( die ich bei der Neuen Rechten überall lese ) lässt darauf schließen.

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21.01.2022

"Wissenschaftliche Studien zeigen, dass man nach einer Genesung von einer Corona-Erkrankung nicht so lange vor einer Infektion mit der Omikron-Virusvariante geschützt ist wie vorher bei den anderen Varianten.“

Im Grunde genommen ist das auch mit der Impfung bzw. einem Booster so. Der Antikörper-Level, der eine Infektion direkt verhindern kann, ist bestenfalls temporär vorhanden und nimmt mit der Zeit wieder ab und das ist, nach Ergebnissen aus Israel, offensichtlich auch nach dem 2. Booster der Fall: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/130990/Israelische-Studie-Vierte-Impfung-nicht-ausreichend-gegen-Omikron

Entscheidend ist die Wirkung gegenüber einen schweren Verlauf oder Tod und da ist es je nach Alter oder zurückliegendem Zeitpunkt nach Impfung/Genesung relativ egal, ob ich zweifach, dreifach, x-fach geimpft oder genesen bin, solange die T-Zellen reagieren: https://www.spektrum.de/news/t-zellen-von-geimpften-und-genesenen-reagieren-auf-omikron/1966936

Dass in anderen Ländern der Genesenstatus mindestens 6 bis 12 Monate beträgt, dürfte dort auch wissenschaftlich begründet sein. Dass man in Deutschland dagegen Genesene (und auch J&J-Geimpfte) über das Wochenende degradiert hat, dürfte überwiegend politisch motiviert sein. Nicht verwunderlich, wenn ein partiell ahnungsloser Paniker Gesundheitsminister ist (siehe letzten Auftritt bei Lanz "...also...also....also...").

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