Newsticker
Wolodymyr Selenskyj fordert eine Einstufung Russlands als Terrorstaat.
  1. Startseite
  2. Politik
  3. Corona-Pandemie: Droht wegen der Impfpflicht eine Kündigungswelle in der Pflege?

Corona-Pandemie
10.12.2021

Droht wegen der Impfpflicht eine Kündigungswelle in der Pflege?

Der Bundestag entscheidet an diesem Freitag über eine Impfpflicht für Personal in Kliniken oder Pflegeheimen.
Foto: Daniel Bockwoldt, dpa

An diesem Freitag will die Ampel die Impfpflicht für Beschäftigte in Heimen und Kliniken beschließen. Doch selbst wenn nur ein kleiner Teil des Personals geht, wird es eng.

Es ist ein Schritt, den der gerade ausgeschiedene Gesundheitsminister Jens Spahn nicht gehen wollte. Sein Nachfolger Karl Lauterbach geht ihn als einen der ersten seiner Amtszeit. Er und die Ampel-Parteien wollen an diesem Freitag die Corona-Impfpflicht für die Beschäftigten in Kliniken, Pflegediensten, Altenheimen, Arztpraxen, Rettungsdiensten und Behindertenwerkstätten beschließen.

Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen: Die Impfquote müsse gesteigert werden

Bis zum 15. März müssen sich alle Mitarbeiter impfen lassen – egal ob Hausmeister, Küchenfrau, Medizinerin oder Chef. So sieht es der Gesetzentwurf vor, der zuerst im Bundestag und nur Stunden später im Bundesrat verabschiedet werden soll.

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen begründete die Notwendigkeit der Impfpflicht mit dem Schutz besonders gefährdeter Menschen. „Wenn man für andere Menschen Verantwortung trägt, ist es nicht allein eine individuelle Entscheidung, ob man geimpft ist oder nicht“, sagte Dahmen unserer Redaktion. Die Impfquote in Deutschland sei zu niedrig und müsse jetzt gesteigert werden, meinte der Abgeordnete, der selbst Arzt ist.

Impfpflicht: Droht eine Kündigungswelle in der Pflege?

Eine andere Sicht der Dinge hat Sebastian Froese, stellvertretender Geschäftsführer des Verbandes ambulanter Pflegedienste und stationärer Einrichtungen. „Die Impfung gegen Corona ist aus unserer Sicht eine sehr sinnvolle Sache. Dennoch stellen wir uns kritisch gegen eine berufsspezifische Impfpflicht“, sagte Froese. Die Sorge ist groß, dass zumindest ein kleiner Teil der Schwestern und Pfleger ihre Drohung wahr macht und kündigt, wenn die Impfpflicht kommt.

Lesen Sie dazu auch

Pflege-Experte fürchtet: "Die neue Bundesregierung geht auf einen Testflug"

Dass überall Personal fehlt, ist vor allem bei Pflegediensten und in Heimen ein Zustand, der seit Jahren beklagt wird. Die Schätzungen reichen von 35.000 bis zu 200.000 fehlenden Fachkräften. Wegen der Alterung der Gesellschaft wird der Bedarf in den kommenden Jahren sogar noch zunehmen. Doch schon heute ist in vielen Betrieben die Lage angespannt, weshalb wenige Abgänge dazu führen könnten, dass ein Pflegedienst nicht mehr alle Alten und Kranken versorgen kann. „Da stellt sich die Frage, ist das zu Ende gedacht und gibt es einen Plan B? Ich habe die Befürchtung, die neue Bundesregierung geht auf einen Testflug“, kritisierte Froese.

Eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts ergab, dass 17 Prozent aller Beschäftigten in Pflegeheimen noch nicht geimpft sind. In Frankreich besteht bereits eine Impfpflicht im medizinischen Bereich. Rund 15.000 Schwestern, Pfleger und Ärzte von insgesamt 2,7 Millionen waren dort zeitweise suspendiert. Mittlerweile ist die Zahl deutlich auf unter 1500 gesunken. Finanzielle Einbußen und der Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben erzeugen Druck, sich doch die schützende Spritze geben zu lassen.

 

Gesundheitsminister Karl Lauterbach plädiert für allgemeine Impfpflicht

Die Ampel will aber nicht bei der Impfpflicht für Gesundheitsberufe haltmachen: „Wir brauchen eine allgemeine Impfpflicht“, sagte Lauterbach in einem seiner ersten Interviews als Minister. Der Grünen-Gesundheitsexperte Dahmen bewertet die Lage ähnlich. „In einem zweiten Schritt werden wir, wenn andere Instrumente die Impfquote nicht weiter steigern, auch um eine allgemeine Impfpflicht nicht drum herumkommen.“

Thomas Petersen vom Institut für Demoskopie in Allensbach erklärt im Interview mit unserer Redaktion das Spannungsfeld. „Medizinisch wäre eine Impfpflicht sicherlich geboten, aber die Politik weiß, dass es eine Minderheit geben wird, die sich überrollt fühlen wird“, sagte der Meinungsforscher, fügte aber hinzu: „Wenn die Politik dann allerdings zum Schluss kommt, dass es aus übergeordneten Gründen doch eine Impfpflicht braucht, muss sie das durchsetzen.“

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

11.12.2021

"Mittlerweile ist die Zahl deutlich auf unter 1500 gesunken. Finanzielle Einbußen und der Ausschluss vom gesellschaftlichen Leben erzeugen Druck, sich doch die schützende Spritze geben zu lassen."

Definition von Freiwilligkeit: Finanzielle Einbußen und Ausschluss der Gesellschaft. Dieses erzeugt Druck.

Und ich dachte immer, es geht um Gesundheit. Wie naiv ich doch bin...

Permalink
10.12.2021

Dazu passend:

"Dass sich viele Pflegekräfte abwenden, liegt nicht an der Pandemie"

https://www.zeit.de/arbeit/2021-11/pflegekraefte-arbeitsbedingungen-ueberlastung-gehalt-kuendigung?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Permalink
10.12.2021

Sicher ein interessanter Artikel Herr Lothar, aber leider nur mit einem Abo der ZEIT zu lesen.

Permalink
10.12.2021

Sorry, der war zuletzt noch frei verfügbar.

Vielleicht gibt's den auch irgendwo anders.

Permalink
10.12.2021

Da sich viele Imfpverweigerer eh schon als Opfer sehen, wäre es meines Erachten viel sinnvoller, gleich eine allgemeine Impffplicht zu beschließen. Dann brauchen sich die Angehörigen dieser belastenden Berufe nicht als zusätzlich besonders gegängelt fühlen, sondern es ist allgemein klar: Wenn solidarisches Verhalten in einer nationalen (und internationalen) Notlage nicht auf freiwilliger Basis zu erreichen ist, muss ein Gemeinwesen dies eben erzwingen.

Permalink
10.12.2021

Wer in einer so verantwortungsvollen Position arbeitet und den Schutz seiner Schützlinge verweigert, ist dort fehl am Platz. In diesem Fall bin ich für ein Berufsverbot.

Permalink
10.12.2021

Ich freue mich, Sie als neuen fachkundigen Kollegen begrüßen zu dürfen. Ebenso erwarte ich eine Vielzahl unserer werten Damen und Herrn Politiker auf Station. Es freut mich, dass sie uneingeschränkt den Dienst im Dreischichtsystem übernehmen werden, ebenso die Zustimmung regelmäßig aus Ihrem ohnehin schon eingeschränkten "frei" geholt zu werden inkl. maroder Work-Life-Balance. Zu viele Patienten bei zu wenig kompetentem Personal und die unterirdische Bezahlung bei solch einem hohen Verantwortungsgut miteingeschlossen.*Ironie aus*

Bitte einfach mal mitdenken, anstelle mit stupiden Äußerungen Ihre Mitmenschen zu belasten. Soviel zum Thema Solidarität.

Permalink
10.12.2021

Wenn man durch die Impfung mehr Menschen, als nur sich selber schützen würde, wäre ihr Kommentar vielleicht irgendwie richtig. So leider kompletter Blödsinn.

Permalink
10.12.2021

@Manuela K.
OK, hier ein alter fachkundiger Kollege: Selbst wenn man ihnen vollkommen zustimmen - würde - über die negativen Seiten des Berufs so kann es doch nicht sein dass diese als Rechtfertigung hergenommen werden das Argument von Micheal W. ("Schutz der Schützlinge") zu entkräften.
Dass die Verhütung von Krankheiten und die Gesunderhaltung zum Aufgabengebiet der professionellen Pflege hängt ist nun mal ein Fakt.

Permalink
10.12.2021

@Alexander G.
NATÜRLICH schützt ein Impfung auch die Umwelt!
Erstmal: Geimpfte infizieren sich seltener - und wenn ich nicht infiziert werde kann ich auch niemanden anstecken - D'oh!

Geimpfte erkranken seltener und die Gefahr eines schweren Verlaufs ist deutlich geringer, sprich - und ja das ist etwas zynisch - eine geimpfte Krankenpflegerin fällt weniger (lange) aus nach einer Covid-Erkrankung.

Infizierte Geimpfte sind weit weniger ansteckend, selbst bei der Delta-Variante bei der man mittlerweile davon ausgeht dass die Viruslast eines geimpften Erkrankten ählich hoch ist wie die eines Ungeimpften ist es eine um 65 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, positiv auf COVID-19 nach einem Kontakt mit einem geimpften Infizierten getestet zu werden.

So wie ich das sehe - gesamtbevölkerungstechnisch - ist es sogar so dass es Personengruppen gibt (Kinder, Jungendliche, junge Erwachsene) deren Impfung viel eher dem Schutz der Mitmenschen gilt als dem Eigenschutz.

Permalink
10.12.2021

@ ALEXANDER G.

Kompletten Blödsinn schreiben schon SIE:

"In der Summe ist das Risiko, dass Menschen trotz Impfung PCR-positiv werden und das Virus übertragen, auch unter der Deltavariante deutlich vermindert." (Quelle RKI)

https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-Impfen/FAQ_Transmission.html

"In den USA wurden zudem fast 4.000 Pflegekräfte und andere Menschen aus früh geimpften Gruppen über 13 Wochen begleitet, jede Woche getestet und mit nicht geimpften Personen verglichen. Dabei stellte man fest, dass es in der Gruppe der Geimpften 90 Prozent weniger Infektionen gab – und zwar einschließlich asymptomatischer Infektionen. Das bedeutet: Das Risiko, als Geimpfte oder Geimpfter das Virus weiterzugeben, ist sehr gering."
"Alle bisherigen Erkenntnisse deuten in eine Richtung: Wo viel geimpft wurde, verlangsamt sich auch die Ausbreitung des Virus." (Quelle Deutschlandfunk)

Permalink
10.12.2021

@ Manuela K.
Michael W. hat doch keinerlei Ihrer Argumente angegriffen, sondern darauf hingewiesen dass der Schutz von bestimmten Personengruppen vorgeht.

Permalink
10.12.2021

Eine Kündigungswelle wird es sicherlich nicht geben - aber statt mehr werden es eben weniger.

Permalink