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Das iranische Regime kämpft ums Überleben. Doch was käme danach?

Kommentar

Die Angst davor, dass der Iran ein zweites Syrien wird

Simon Kaminski
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    Dieser Videoausschnitt zeigt Demonstranten, die in Teheran um ein Lagerfeuer herum tanzen und jubeln.
    Dieser Videoausschnitt zeigt Demonstranten, die in Teheran um ein Lagerfeuer herum tanzen und jubeln. Foto: Uncredited/VALIDATED UGC, AP/dpa

    Verwackelte Bilder, lodernde Flammen und Massen auf dunklen Straßen. Wieder stehen Hunderttausende, vielleicht Millionen Iranerinnen und Iraner auf, um das Joch des klerikalen Regimes abzuschütteln. Ob dieses Ziel erreicht werden kann und vor allem, was nach dem Sturz des Systems kommen würde, ist völlig unklar.

    Die Auslöser für die wiederkehrenden Proteste gegen die Machthaber der Islamischen Republik variieren erheblich – 1999 gingen zunächst die Studenten auf die Straße, nachdem eine reformorientierte Zeitung verboten worden war. Zehn Jahre später sah das Land gewaltige Demonstrationen der „Grünen Bewegung“ gegen offensichtliche Wahlfälschungen bei den Präsidentenwahlen. 2019 waren es steigende Benzinpreise, die die Wut vieler Iranerinnen und Iraner explodieren ließen, während die Massenproteste „Frau, Leben, Freiheit“ im Herbst 2022 durch den Tod von Mahsa Jina Amini ausgelöst worden waren, die nach ihrer Verhaftung durch die Sittenpolizei wegen eines angeblich unstatthaft angelegten Kopftuches starb.

    Gemeinsam ist den Protestwellen, dass sie sich aus der wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung speisten. Nur durch immer brutalere Repression und blutige Gewalt durch von den Revolutionsgarden gesteuerte Milizen gelang es dem Regime, sich zu retten.

    Was ist dieses Mal anders? Zwar ist die Quellenlage nach Abschaltung des Internets schwierig, doch einige Punkte sind offensichtlich. Auffällig ist, dass die als eher konservativ geltenden Händler in Teheran die Proteste initiiert haben. Das macht die Basis für die Gegner des Systems gesellschaftlich breiter und damit gefährlicher für die Diktatur.

    Revolutionsführer Chamenei wiederholt seine antiamerikanische Litanei

    Während Revolutionsführer Ali Chamenei wie ein aufziehbarer Papagei seine Litanei von durch die USA und Israel gesteuerten Protesten anstimmt, äußerte Präsident Massud Peseschkian Verständnis für die Bevölkerung, die unter der politisch und wirtschaftlich katastrophalen Lage leidet. Doch was nützen Gesprächsangebote des Präsidenten, wenn die Schergen des Regimes auf den Straßen unkontrolliert töten? Ob Berichte über eine schwindende Kontrolle der Sicherheitskräfte in Teilen des Landes zutreffen, ist unklar. Sicher hingegen ist, dass die Hardliner um Chamenei längst jede Chance verspielt haben, das Volk zurückzugewinnen.

    Jetzt mehren sich warnende Stimmen, dass ein Bürgerkrieg wie in Syrien drohen könnte, wenn das Mullah-Regime hinweggefegt würde. Ein denkbares Horrorszenario – doch mit jedem Tag, den das korrupte und menschenverachtende Regime an der Macht bleibt, wird diese Gefahr nicht kleiner, sondern größer. Zumal es durch eine Kette von schweren außenpolitischen und militärischen Niederlagen geschwächt ist. US-Präsident Donald Trump droht offen damit, direkt in den Konflikt einzugreifen. Lässt sich ein Regimewechsel herbeibomben? Welche Folgen eine US-Militäraktion hätte, lässt sich kaum voraussagen.

    Kann der Schah-Sohn Reza Pahlavi die Bewegung anführen?

    Das Regime setzt darauf, dass ihm die Armee die Treue hält und es der heterogenen Opposition an einer effektiven Organisation und einer Führungsfigur fehlt. Die Hoffnung der Gegner des Regimes, dass der Schah-Sohn Reza Pahlavi diese Lücke füllen kann, steht auf wackligen Füßen – unklar ist, was der 65-Jährige und dessen zweifelhaftes Umfeld tatsächlich wollen. Dass der „Kronprinz“ von vielen Menschen auf der Straße dennoch als Hoffnungsträger gefeiert wird, zeigt, wie verzweifelt entschlossen die Gegner des Systems sind, diesmal zu gewinnen.

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