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Interview
11.03.2022

Bauernpräsident Rukwied: "Wir gehen davon aus, dass dieser Krieg die Preise noch weiter steigen lässt"

Bauernpräsident Joachim Rukwied.
Foto: Jan Woitas, dpa

Bauernpräsident Rukwied blickt mit Sorge auf die Folgen des Kriegs in der Ukraine. Die Preise für Getreide sind hoch, nun könnten auch die Kosten für Düngemittel steigen.

Herr Rukwied, es sieht von außen betrachtet gerade so aus, als ob die Landwirtschaft viele Jahre um mehr Anerkennung werben musste und sie jetzt bekommt – ausgelöst durch einen Krieg. Wie erleben Sie die Lage gerade als Präsident des Deutschen Bauernverbandes?

Joachim Rukwied: In erster Linie machen wir uns Sorgen um die Menschen in der Ukraine. Wir sind erschüttert von den fürchterlichen Bildern, die wir täglich zu sehen bekommen. Dieser Krieg muss beendet werden. Wir tragen die Maßnahmen der Bundesregierung gegen Putin mit, auch wenn es massive Herausforderungen für unsere Branche bedeutet. Um es klar zu sagen: Es geht hier nicht um Partikularinteressen, sondern schlichtweg um das Thema Ernährungssicherheit.

Deutschland musss sich nach Worten von Baunerpräsident Rukwied keine Sorgen um die Getreideversorgung machen. Die Preise werden gleichwohl steigen.
Foto: Christoph Schmidt, dpa

Am Freitag kommen die G7-Agrarminister zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um vor dem Hintergrund ausbleibender Lebensmittelexporte über Möglichkeiten zur Stabilisierung der Lebensmittelmärkte zu beraten. Was ist Ihr Rat?

Rukwied: Wir haben in der Europäischen Union einen sogenannten Gunststandort. Die Getreideversorgung ist auf Grund einer hohen Eigenerzeugung gesichert. Aber wir gehen davon aus, dass die Einschränkungen beim Getreideexport aus Russland und der Ukraine zu massiven Engpässen in Nordafrika und Arabien führen werden. Wir müssen jetzt alles daran setzen, dass andere Regionen, insbesondere auch die EU, hier einspringen. Wir haben das Potential, auch Defizite an anderen Stellen der Welt teilweise auszugleichen. Dafür muss die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen setzen.

Auch Düngemittel werden wohl teurer

Es ist damit zu rechnen, dass die Ukraine als Lieferant für Agrargüter ausfällt und das russische Importe zumindest geringer ausfallen. Im Moment wird Weizen bereits für über 400 Euro pro Tonne gehandelt, übliche Preise liegen unter 200 Euro pro Tonne. Der Markt ist also ohnehin schon angespannt, jetzt kommt der Krieg noch hinzu. Was lassen dieser und andere Faktoren für die Lebensmittelpreise bei uns erwarten?

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Rukwied: Wir gehen davon aus, dass dieser Krieg die Preise noch weiter steigen lässt. Die EU ist auch wichtiger Weizenexporteur, vorausgesetzt, es stehen im Frühjahr genügend Dünge- und Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Bei Düngemitteln kommt es bereits zu ersten Versorgungsengpässen oder Ausfällen, die Preise sind weiter sehr hoch und werden bei höheren Gaspreisen wohl noch weiter steigen.

Ist es angesichts der drohenden Versorgungsengpässe bei Getreide sinnvoll, 30 Prozent der Fläche in Deutschland ökologisch bewirtschaften zu wollen, wenn dadurch die Erträge sinken?

Rukwied: Wir haben immer gesagt, dass der Markt entscheiden wird, wie sich der Öko-Anteil in der Landwirtschaft entwickelt. Die Landwirte sind da offen. Viele können sich inzwischen vorstellen, auf Öko umzustellen. Aber das liegt vor allem in den Händen der Verbraucher. Wenn die Nachfrage nach Öko-Lebensmitteln steigt, wird auch der Anteil an Öko-Landwirtschaft steigen.

Ein Landwirt düngt ein Feld in Niedersachsen. Düngemittel könnten durch den Ukraine-Krieg teurer werden.
Foto: Julian Stratenschulte, dpa

Ein Blick über das Kriegsgeschehen hinaus: Sie und der gesamte Verband haben sehr viel Arbeit in die Zukunftskommission Landwirtschaft investiert. Minister Özdemir hat versprochen, dass er am hart erarbeiteten Konsens anknüpfen wolle. Findet das Ihrer Einschätzung nach so auch statt?

Rukwied: Der eingeschlagene Weg ist richtig. Der Klimawandel trifft uns Bauern wie kaum eine andere Branche. Wir haben im vergangenen Jahr vorgeschlagen, Ernährungssicherung und Klimaschutz als Staatsziele ins Grundgesetz aufzunehmen. Diese Forderung halten wir aufrecht. Damit ist verbunden, alles politisch Notwendige zu tun, um zum einen die Selbstversorgung in der EU langfristig sicher zu stellen und auch gegebenenfalls Ausfälle in anderen Regionen auszugleichen.

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