Markus Söder hat es wieder getan: Er provoziert. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen sagte der bayerische Ministerpräsident: „Ohne Autos, Maschinenbau und Chemie ist Deutschland eine Dame ohne Unterleib.“ Viele Frauen übersetzten diesen Sexismus mit: Frauen ohne Kinder, ob gewollt oder ungewollt, sind nichts wert. Das ist respektlos. Das Zitat ist schlimm genug, in einem größeren Zusammenhang wird es noch dramatischer. Es zeigt sich: Unsere Politiker laufen in eine gefährliche Richtung.
Bleiben wir bei Söder. Er ist ein Medienprofi, sagt nichts aus Versehen. Er versteht es, zu seinem Publikum zu sprechen, trifft die Stimmung im Bierzelt spielerisch und kontert mit gleicher Mühelosigkeit freche Fragen von „Heute-Show“-Moderator Fabian Köster. Wenn er in einem Nebensatz Frauen abwertet, dann gezielt.
„Krasse Fehlbesetzungen“: Auch Friedrich Merz tappt immer wieder in frauenfeindliche Fettnäpfchen
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz tritt immer wieder in, nennen wir sie mal, frauenfeindliche Fettnäpfchen. Etwa wenn er vor Unternehmerinnen und Vorstandsfrauen davon spricht, dass Männer „bessere Begabungen und Befähigungen haben, Netzwerke“ zu bilden. Dabei ignoriert er onkelhaft die Tatsache, dass Menschen vor allem jene fördern, die ihnen ähnlich sind. Männer also Männer. Oder wenn er im paternalistischen Tonfall behauptet, die Frauenquote führe zu „krassen Fehlbesetzungen“, damit „tue man auch den Frauen keinen Gefallen“. Dann vergisst er wohl Minister aus den eigenen Reihen, die ebenfalls den Titel „Fehlbesetzung“ verdienen, Stichwort Steuerverschwendung.
In die Aufzählung passen jene Unionsmänner, denen es so sehr zuwider ist, Frauen über ihre eigenen Körper bestimmen zu lassen, dass sie lieber Fake News glauben und einen Bruch der Regierung riskieren, als eine angesehene, hochqualifizierte Juristin zur Verfassungsrichterin zu wählen.
Alles Beispiele dafür, dass das Land von Menschen regiert wird, die Frauen – milde gesagt – nicht ganz ernst nehmen. Und es sind Anzeichen, dass sich unsere Gesellschaft langsam und stetig vom Idealbild eines offenen, gleichberechtigten Miteinanders verabschiedet, wie es die Mütter und Väter des Grundgesetzes im Sinn hatten. Das ist nicht neu. Menschen mit ausländischen Wurzeln traf es als Erstes. Angetrieben von der AfD wurde es in der Union normal, Menschen, die vor Bomben, Hunger und Tod flüchteten, als „Asyltouristen“ zu bezeichnen.
Auf der ganzen Welt haben es Frauen immer schwerer – wir dürfen nicht in diese Richtung abrutschen
Ein anderes Ziel waren queere Menschen. Auch hier wird die Hetze von rechten und rechtsextremen Kreisen angefeuert. Doch die Unionsparteien schließen sich an, zum Beispiel indem sie das Aufhängen einer Regenbogenflagge mit Zirkuswerbung gleichsetzen. Und auch die manische Besessenheit vom Thema Gendern ist ein Beleg. Zuletzt prominent geäußert durch Kultustaatsminister Wolfram Weimer (CDU), der es eine gute Idee findet, öffentliche Gelder an ein Genderverbot zu knüpfen. Ein bisschen ideologische Kontrolle von staatlicher Seite eben. Was all den Populismus eint: der Wunsch, Gruppen, die ihre Rechte einfordern, klein und unsichtbar zu halten.
Tritt man noch einen Schritt zurück, wird das Bild noch düsterer. Im Bundestag sitzen weniger Frauen als noch in der vorherigen Legislaturperiode. In ganz Europa haben rechtspopulistische bis -extreme Parteien Auftrieb, in manchen Ländern regieren sie sogar. In sozialen Medien werden junge Männer gefeiert, die von der Unterdrückung der Frauen schwärmen. Und in den USA? Treibt die Trump-Regierung das Abtreibungsverbot immer weiter voran, propagiert überholte Rollenbilder und unterdrückt die Wissenschaft – von und für Frauen.
Mit all dem vor Augen, liebe Unions-Männer, darf es nicht geschehen, dass unser Land, unsere freie Gesellschaft für ein paar Populismus-Pluspunkte in diese Richtung abrutscht.
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