Gut ein Drittel seiner Gasimporte hatte Deutschland noch zu Jahresbeginn von Moskau bezogen. Seit September sind die Hähne der Leitungen nach Russland nun komplett zugedreht. Gas wird im Winter, zur Heizsaison, eine knappe Ressource werden. Deshalb hat die Bundesregierung nach Kriegsbeginn ein „Gesetz zur nationalen Gasreserve“ beschlossen. Es verpflichtet die Betreiber von Gasspeichern, ihre Reservoire zu bestimmten Zeitpunkten mit bestimmten Mindestmengen gefüllt zu haben. Für den Stichtag 1. November zum Beispiel sind 95 Prozent vorgesehen.
Diese Marke überwand Deutschland in der Nacht zum Freitag nun schon zwei Wochen früher. Aktuell sind die deutschen Gasspeicher zu 95,14 Prozent gefüllt. Ein Höchststand mit zwei Einschränkungen: Laut Gesetz soll jeder Speicher die Vorgabe einhalten. Stand jetzt aber liegen noch einige Anlagen unter der Mindestgrenze, andere dafür darüber. Und: Laut dem Präsidenten der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, reicht das bisher gehamsterte Gas nur für zwei Wintermonate. Deutschland wird den Rohstoff also verstärkt aus dem nicht-russischen Ausland beziehen müssen.
Unser Datenjournalist Jakob Stadler hat sich in den jüngsten Wochen eingängig mit den wichtigsten Zahlen zum Thema Gas beschäftigt und für Sie einen ganz besonderen Artikel in der Pipeline: In interaktiven Grafiken beantwortet er die wichtigsten Fragen zum aktuell wohl wichtigsten Rohstoff: Wie viel Gas verbrauchen wir im Vergleich zu den Vorjahren? Wie viel davon importiert Deutschland im Jahresverlauf? Und woher?
Der Tag: Es ist der vorletzte Tag von Andrij Melnyk in Deutschland. Der umstrittene ukrainische Botschafter wird Berlin am Samstag nach acht Jahren verlassen und nach Kiew zurückkehren, um dort einen Job im Außenministerium zu übernehmen. Dann wird er aus nächster Nähe beobachten müssen, wie sich die Lage in seinem Heimatland weiter zuspitzt.
Im südlichen Gebiet um Cherson haben die russischen Besatzer die Zivilbevölkerung zur Flucht aufgerufen. Schon in der kommenden Woche werden dort schwere Kämpfe erwartet, weil ukrainische Truppen immer weiter in Richtung des Flusses Dnipro vorstoßen. Währenddessen hat Russland die ostukrainische Großstadt Charkiw unter Raketenbeschuss genommen. Der Strom fiel zeitweise aus.
Zugleich mehren sich die Anzeichen eines Kriegsbeitritts von Belarus. Im nördlichen Nachbarstaat der Ukraine hat Machthaber Alexander Lukaschenko am Freitag seine Streitkräfte im Rahmen eines "Antiterror-Einsatzes" in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Schon Anfang der Woche hatte er angekündigt, gemeinsam mit Wladimir Putin eine Militäreinheit aufstellen zu wollen. In der ersten Phase der russischen Invasion waren russische Einheiten vor allem über belarussisches Gebiet in die Ukraine vorgestoßen.
Während die Teilmobilmachung der russischen Bevölkerung weiter hinter Putins Erwartungen zurückbleibt, bekommt die ukrainische Armee zunehmend Hilfe aus dem Westen. Am Freitag billigte der Ausschuss der ständigen Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten in Brüssel weitere 500 Millionen Euro für die Lieferung von Waffen und Ausrüstung nach Kiew. Außerdem verständigte er sich auf eine gemeinsame Ausbildungsmission für die ukrainischen Streitkräfte. Die Pläne der 27 Mitgliedsstaaten sehen in den nächsten beiden Jahren Trainingsprogramme in Polen und Deutschland für rund 15.000 ukrainische Soldaten vor. Sie sollen etwa zu Scharfschützen, Minenräumern oder Sanitätern ausgebildet werden.
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Die Lage: Acht Sanktionspakete hat die EU seit Februar für, oder besser: gegen Russland geschnürt, vom Exportstopp für Kaviar bis zur Vermögenspfändung einiger Oligarchen. All das tat die Staatengemeinschaft mit dem Ziel, die russische Wirtschaft zu schwächen und den Preis Putins für seinen Krieg möglichst in die Höhe zu treiben. Aber wirken die Sanktionen auch? Oder schaden sie dem Westen mehr als sie nutzen? Unsere Brüssel-Korrespondentin Katrin Pribyl ist dieser Frage nachgegangen.
Die Region: Viele Amtsträger in der Ukraine haben ihre Anzüge längst gegen olivgrüne Militärshirts getauscht, auch Oleksandr Senkewitsch. Als Bürgermeister von Mykolajiw, nur 50 Kilometer von der Front in der Südukraine gelegen, musste er mit ansehen, wie immer wieder Putins Raketen auf seine Stadt fielen. Nun hat sich Senkewitsch nach langer Zeit wieder in einen Anzug geworfen, für die Städtepartnerschaft-Konferenz in Augsburg. Unser Mitarbeiter Fridtjof Atterdal hat ihn getroffen.
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