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Krieg in der Ukraine
07.05.2022

Im Luxuswaggon durchs Kriegsgebiet – wie riskant sind Politiker-Reisen?

Diese Woche in Kiew: Friedrich Merz lässt sich von Bürgermeister Vitali Klitschko informieren.
Foto: Efrem Lukatsky, dpa

Von Englands Premier Boris Johnson bis CDU-Chef Friedrich Merz: Immer wieder fahren westliche Politiker per Zug und unter höchster Geheimhaltung nach Kiew.

Friedrich Merz im Schlafwagen. Ein schmales Bett mit strahlend weißer Wäsche, das Wandpolster in gediegenem Blau. Auf einem Tisch stehen Wasserflaschen. „Eine interessante Reise“, sagt Merz in die Kamera. Das Video ist bei Twitter zu sehen. Nichts an der Szene ist spektakulär. Dabei reist Merz doch durch ein Kriegsgebiet. Richtung Kiew.

Die Front verläuft hunderte Kilometer weiter im Osten. Immer wieder schlagen aber auch Raketen im Westen ein, treffen Tanklager, Waffendepots – und Schienenstränge. Über den Kiew-Reisen westlicher Politiker liegt in diesen Kriegswochen deshalb stets ein Schleier der Geheimhaltung.

Bei den "Pilgerfahrten" westlicher Politiker in die Ukraine geht es auch um Symbolik

„Top Secret“ war vor allem die Reise von US-Außenminister Anthony Blinken und Pentagonchef Lloyd Austin Ende April. Ein deutscher Oppositionsführer ist weniger gefährdet. Merz weiß das und lehnte Personenschutz durch das Bundeskriminalamt ab. Seine Reise sollte die Botschaft von Normalität aussenden. So konnte er den Druck auf Kanzler Olaf Scholz erhöhen, endlich auch zu Wolodymyr Selenskyj zu fahren. Das zeigt aber eben auch, dass es bei den „Pilgerfahrten“ westlicher Politiker nach Kiew nicht zuletzt um Symbole geht.

Wolodymyr Selenskyj empfing den britischen Boris Johnson kürzlich in der ukrainischen Hauptstadt Kiew.
Foto: Ukrainian Presidential Press Off

Lebhaft in Erinnerung sind die Bilder des britischen Premiers Boris Johnson, der mit Selenskyj durch das Zentrum von Kiew spazierte, begleitet von schwer bewaffneten Soldaten. Den ultimativen Maßstab allerdings setzten die Regierungschefs von Polen, Tschechien und Slowenien. Sie fuhren Mitte März als erste EU-Politiker per Zug nach Kiew und trafen sich im Bunker mit Selenskyj. Damals war das eine Sensation. Zumal noch russische Truppen die Stadt belagerten. Dazu passten die dramatischen Fotos. Ein ikonisches Bild zeigt, wie sich die Regierungschefs über eine Landkarte beugen. Als würden die Politiker selbst die richtige Route heraussuchen und nicht ihre Geheimdienste.

Drei Regierungschefs beugen sich bedeutungsschwer über eine Landkarte

Aber wie gefährlich und strapaziös sind diese Zugreisen wirklich? EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die drei Wochen nach der Ost-Troika zu Selenskyj fuhr, ließ sich im Abteil ablichten, wie sie lässig auf der breiten Lehne eines feudalen Ledersessels hockte.

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Den meisten prominenten Kiew-Reisenden dürfte es kaum an Bequemlichkeit mangeln. So enthüllten polnische Medien, dass die Osteuropäer im März in einem der Luxuswaggons reisten. Diese stammen zwar noch aus Sowjetzeiten, als sie hohen Parteikadern vorbehalten waren, wurden aber 2013 modernisiert. Zur Ausstattung gehören eine moderne Küche, ein Konferenzraum für zehn Personen sowie eine „Königssuite“ mit 1,60 Meter breitem Bett, eigener Toilette und sogar mit Bad samt Dusche.

Den Komfort kann ermessen, wer einmal im klassischen Vier-Personen-Abteil eines regulären ukrainischen Nachtzugs unterwegs war. Etagenpritschen ersetzen dort die Betten. Auf den Gemeinschaftstoiletten können sich Passagiere an winzigen Waschbecken frisch machen. Wenn das Wasser läuft. In den ersten Kriegswochen drängten sich in solchen Zügen tausende Flüchtlinge mit Kindern und Haustieren. Die ukrainische Bahngesellschaft versichert, dass „alle Waggons auch der Luxusklasse zur Evakuierung zur Verfügung stehen“. Nur: Reist damit ein Staatsgast, sind die Züge blockiert.

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07.05.2022

Im Prinzip ist es gut, dass Politiker*innen als Repräsentant*innen gewählter Parlamente in die Ukraine fahren, um Solidarität mit dem brutal angegriffenen Volk zu zeigen. Gerade die Solidarität frei gewählter Parlamente ist wichtig, wenn ein Land und sein Volk von einem Imperialisten angegriffen wird.

Raimund Kamm

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07.05.2022

"Pilgerfahrten" westlicher Politiker in die Ukraine geht es auch um Symbolik: Das ist die richtige Bezeichnung für derartige Reisen. Und Kanzler Scholz soll praktisch gezwungen sich den Pilgeraktivitäten anzuschliessen und vor dem UA Präsidenten den Kotau zu machen uns sich durch die zerstörten Teile Kiews führen zu lassen am Besten gleich am Montag 9.Mai publikumswirksam inszeniert Wenn Scholz schon dorthin reisen soll, sollten seine Sicherheitsleute darauf achten, dass er nicht zu nah an rüstungsnahen Objekten vorbei kommt, die möglicherweise im Zielkatalog der RU Armee sind.

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07.05.2022

>>Wenn Scholz schon dorthin reisen soll, sollten seine Sicherheitsleute darauf achten, dass er nicht zu nah an rüstungsnahen Objekten vorbei kommt, die möglicherweise im Zielkatalog der RU Armee sind. <<

Vermutlich irren Sie auch hier. Die russischen Bombardements zielen offensichtlich genauso auf die Bevölkerung wie auf militärische Einrichtungen. Dies zeigen die Bilder der zerstörten Wohnhäuser.

Raimund Kamm

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07.05.2022

Glaubt wirklich jemand ernsthaft, daß die Russen nicht wissen oder wußten wer von, in eigener Einschätzung, hohen Politikern eine Trip in die Ukraine macht(e)?

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07.05.2022

Bei manchen Berichterstattungen kommt man nicht umhin zu vermuten, dass die Menschen gezielt verblödet, manipuliert und abkassiert werden.

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07.05.2022

Jaja, die Reise des Herrn Merz war so geheim, dass nur Twitter wusste wo er ist...

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