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Nachruf
30.11.2023

Henry Kissinger war der Jahrhundert-Diplomat

Der damalige US-Präsident Richard Nixon und sein Sicherheitsberater Henry Kissinger auf dem legendären Flug nach China 1972.
Foto: UIG/Imago

Henry Kissinger floh vor den Nazis aus Fürth in die USA und wurde dort zum einflussreichen Berater und Politiker. Verehrt und verachtet zugleich starb er nun mit 100 Jahren.

Auf der Bühne des Fürther Stadttheaters öffnet sich im Juni der Vorhang, ein Kinderchor singt "Ein Freund, ein guter Freund …" Henry Kissinger, der mitten auf der Bühne sitzt, blickt sich um. Hinter ihm, überlebensgroß, eine Leinwand: "100 Jahre Henry Kissinger". Nach einer Reihe von Würdigungen ordnet er kurz sein Manuskript, dann spricht er zunächst frei, mit fester, sonorer Stimme, auf Deutsch und wohlakzentuiert: Es sei für ihn sehr bewegend, in seinen Geburtsort zurückzukehren. Er redet über die "große Aufgabe unserer Zeit", die Überwindung von Gegensätzen in vielen Gesellschaften und zwischen Staaten. Die Gegensätze müssten vermindert werden, um zu einer Zusammenarbeit zu kommen, sagt er während des Festakts – und umreißt damit sein Lebensthema.

Als "Heinz Alfred Kissinger" – so steht es auf dem Geburtsschein, der das Datum 27. Mai 1923 ausweist – verließ er einst das mittelfränkische Fürth. Als "Prof. Dr. Henry A. Kissinger, ehemaliger amerikanischer Außenminister und Friedensnobelpreisträger" blickt er an jenem Tag auf die Vergangenheit. Mit all den Erfahrungen eines hundertjährigen Lebens, das geprägt war von Triumphen und Niederlagen. Von Bewunderung, die ihm zuteilwurde, wie von nicht abebbender Kritik. So erinnerte die New York Times in ihrem Nachruf daran, dass Barack Obama gegen Ende seiner Präsidentschaft bemerkt habe: Er habe wesentliche Teile seiner Amtszeit mit dem Versuch verbracht, die Welt zu reparieren, die Kissinger hinterlassen habe. Dessen Misserfolge habe er als abschreckendes Beispiel betrachtet.

Henry Kissinger blieb zeitlebens Deutschland – hier eine Begegnung mit Altkanzler Helmut Schmidt im Jahr 2009 – verbunden.
Foto: Maurizio Gambarini, dpa

Das Ausmaß jedenfalls, in dem Henry Kissinger verehrt und zugleich verachtet wurde, spiegelt seine überragende Bedeutung wider. Unbestritten ist: Er machte Geschichte und wurde selbst zu einer Person der Zeitgeschichte. Der Jahrhundert-Diplomat beriet zwölf US-Präsidenten und war einflussreich bis zuletzt. Er hatte eine Beratungsfirma gegründet, wurde als Redner gebucht und schrieb Bücher. In seinen letzten Lebensjahren war er schwerhörig und erblindete auf einem Auge. Mehreren Herzoperationen hatte er sich bereits unterziehen müssen. In seinem Kopf aber war er absolut klar. Am 29. November 2023 starb Henry Kissinger in seinem Landhaus in Kent, Connecticut.

Aus dem schüchternen jungen Mann wurde in den USA ein Staatsmann

Seine Geschichte ist aufs Engste mit der Weltpolitik verknüpft. Die strenggläubigen deutsch-jüdischen Eltern waren 1938 durch die Repressionen der Nazis, unter denen auch der Schüler Heinz Alfred litt, aus dem Land getrieben worden. Einige Familienmitglieder wurden während des Holocausts ermordet. Die Kissingers also flüchteten in die USA, nach New York, wo Heinz zu Henry wurde und im Alter von 20 Jahren die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Der schüchterne junge Mann wandelte sich zum Staatsmann.

"Der Heimat den Rücken zu kehren, war schmerzvoll, doch die Rückkehr nach dem Krieg in eine Gesellschaft, die sich dem Frieden, der Demokratie und dem Wohlstand verschrieben hatte, war erhebend", erzählte Kissinger im Juni in Fürth. Seiner Heimatstadt und ihrem Fußballverein blieb er verbunden. Sollte die SpVgg Greuther Fürth in die Bundesliga aufsteigen, werde er ins Stadion kommen, versprach er einmal – und freute sich, sein Versprechen 2012 einlösen zu dürfen. Die Erinnerungen an Kindheit und Jugend halfen ihm durch schwierige Zeiten, halfen ihm, die Widrigkeiten des Lebens zu bewältigen, wie er sagte: Die Spaziergänge durch die Wälder um Fürth, die Zeit in der Jüdischen Realschule, die Freundschaften, die trotz der äußeren Umstände Bestand hatten, die Leidenschaft für den Fußball.

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Der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger 2012 im Stadion des Fußball-Bundesligisten SpVgg Greuther Fürth. Kissinger war ein großer Fußballfan.
Foto: Daniel Karmann, dpa

Der Neustart in den USA war für Kissinger so eine schwierige Zeit. Doch Einbürgerung und Militärdienst ab 1943 mit Einsätzen in Europa stärkten sein Selbstbewusstsein. Im Verlaufe des Krieges stieß er zur Spionageabwehr. Perfekte Deutschkenntnisse, sein Hunger nach Bildung und der aufscheinende brillante Intellekt prädestinierten ihn für diese und später für weit bedeutendere Aufgaben. Bis 1947 blieb er in Deutschland, war in Hessen an der Aufklärung von Kriegsverbrechen beteiligt, in Oberammergau Dozent an der dortigen US-Militärschule. Zurück in den USA stürzte sich Kissinger in das Studium der Politikwissenschaften in Harvard, er promovierte 1954. Sein Wissen über die Feinheiten internationaler Politik und Militärdoktrin war nicht zu übersehen. Als Berater knüpfte er ein enges Netz an Kontakten in Washington. Und doch war der aufstrebende 46-Jährige irritiert, zumindest überrascht, als ihm 1969 der republikanische US-Präsident Richard Nixon den Posten des Nationalen Sicherheitsberaters im Weißen Haus offerierte. Er folgte dem Ruf: Start einer politischen Karriere, Ausgangspunkt für Verstrickungen.

Henry Kissinger machte Geschichte und wurde selbst zur Person der Zeitgeschichte

Von September 1973 an war der Senkrechtstarter in Ämterunion zudem als Außenminister ständig unterwegs. In Krisensituationen griff er auf seine Pendeldiplomatie zurück – rastlos reiste er in die Hauptstädte der in einen Konflikt verwickelten Staaten. Spötter scherzten, dass er schon sein eigenes Antlitz in einem entgegenkommenden Jet erblickt habe.

Daheim in Washington war Kissinger sehr besorgt über mögliche Indiskretionen und undichte Stellen in seinem Büro. Die Bundespolizei FBI wies er an, Telefone von Mitarbeitern des Weißen Hauses anzuzapfen. Nach der Veröffentlichung der "Pentagon-Papiere" durch Washington Post und New York Times unterstützte er weitere zweifelhafte Ausspähversuche, war jedoch nicht direkt an der Watergate-Affäre beteiligt. Der damals zum zweiten Mal verheiratete Mann, Vater zweier Kinder, hinterließ auch Eindruck im Washingtoner Gesellschaftsleben – ihm wurden diverse Frauengeschichten nachgesagt.

Kissinger und der vietnamesische Unterhändler Le Duc Tho besiegeln den Waffenstillstand im Vietnam-Krieg, wofür sie den Friedensnobelpreis erhielten.
Foto: picture alliance/dpa

Zu seinen bleibenden Verdiensten zählt es, nicht nur die Normalisierung der Beziehungen zwischen China und den USA eingeleitet zu haben. Unter dem durch die Ölpreiskrise ausgelösten ökonomischen Druck stieß er überdies die Entspannungspolitik mit der Sowjetunion an. Und er bereitete einen Friedensvertrag in dem durch amerikanische Misserfolge und hohe Opferzahlen gekennzeichneten Vietnamkrieg vor. 1973 erhielt er dafür den Friedensnobelpreis. Gemeinsam mit dem nordvietnamesischen Politbüromitglied Le Duc Tho, mit dem er verhandelt hatte. Mit der Begründung, dass der Krieg weiter andauere, verweigerte Le Duc Tho die Annahme der Auszeichnung.

Markus Söder: "Er war einer der wichtigsten und klügsten Außenpolitiker des vergangenen Jahrhunderts"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Kissinger nun als "Kämpfer für Freiheit und Demokratie". Bundeskanzler Olaf Scholz erklärte, Kissinger habe die amerikanische Außenpolitik geprägt "wie nur wenige andere". EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen lobte seine "diplomatische Strategie und Exzellenz". Bayerns Ministerpräsident Markus Söder twitterte: Nicht alle seiner Positionen seien unumstritten gewesen. "Aber er war einer der wichtigsten und klügsten Außenpolitiker des vergangenen Jahrhunderts." Bayern werde seinem berühmten Sohn ein ehrendes Gedenken bewahren. Aus Peking verlautete, er sei Pionier der Beziehungen zwischen den USA und China gewesen; aus Moskau, dass er "ein weiser und weitsichtiger Staatsmann" war, wie Präsident Wladimir Putin in einem Telegramm an Kissingers Witwe Nancy befand.

Doch erwartungsgemäß fiel das Urteil über Kissinger nicht überall positiv aus. Das Magazin Rolling Stone etwa verfasste die Zeile: "Henry Kissinger, der von Amerikas herrschender Klasse geliebte Kriegsverbrecher, ist endlich gestorben". Das Magazin The Atlantic warf ihm "Gefühllosigkeit gegenüber den Opfern von globalen Konflikten" vor. Den Grund dafür konnte man unter anderem in der New York Times lesen. Zur Verteidigung amerikanischer Interessen sei Kissinger notfalls bereit gewesen, "demokratische Werte mit Füßen zu treten": So betrieb er mit dem Auslandsgeheimdienst CIA den Sturz des demokratisch gewählten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende in Chile. Er soll die Bombardierung Kambodschas im Vietnamkrieg genehmigt haben, die mindestens 50.000 Zivilisten das Leben kostete. Er unterstützte das pakistanische Militär mit Waffenlieferungen bei einem Völkermord im Osten des Landes, dem heutigen Bangladesch, und billigte 1975 die Invasion Indonesiens in Osttimor, bei der mehr als 100.000 Menschen starben.

In Fürth schloss sich im Juni während eines Festakts zu seinen Ehren ein Kreis für Kissinger

Kissinger, der seine Doktorarbeit über Fürst Metternich – die treibende restaurative Kraft hinter der politischen und territorialen Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress 1814/15 – geschrieben hatte, betrachtete Politik vor allem als Auseinandersetzung der Großmächte. Er war ein Schachmeister der Geopolitik. Für kleinere Staaten oder Minderheiten war in seinem Weltbild nicht immer Platz.

Im Fürther Stadttheater sagte er im Juni: "Als letzte Veranstaltung zu meinem 100. Geburtstag rundet sich der Kreis meines eigenen Lebens hier harmonisch ab." Im Juli flog er nach China, dessen Öffnung er im Auftrag des Antikommunisten Richard Nixon mit einem Geheimbesuch 1971 eingeleitet hatte. Es schloss sich ein weiterer Kreis.

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