Die Bundesregierung will verstärkt in Forschung und Zukunftstechnologien investieren, davon könnte Bayern besonders profitieren. Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) setzt vor allem auf den direkten Draht zu seiner Parteifreundin Dorothee Bär an der Spitze des neu zugeschnittenen Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt. „Jedenfalls ist es ein ganz neues Gefühl, dass in Berlin jemand ans Telefon geht“, sagte er unserer Redaktion und fügte hinzu, er wäre „schon froh, wenn Bayern – anders als in der Vergangenheit – nicht benachteiligt wird“.
Doch nicht nur in der bayerischen Staatsregierung sind die Erwartungen hoch, sondern auch in der Wirtschaft. Ulrich Scheib, Chef des Augsburger Raumfahrtunternehmens MT Aerospace, bezeichnete die Fokussierung auf Zukunftsbranchen als starkes Signal. „Das neue Ministerium wird das Wachstum der Raumfahrtindustrie nachhaltig fördern“, sagte er unserer Redaktion.
Fließen die Forschungsmilliarden nach Bayern?
Das von CSU-Chef Markus Söder als Hightech-Ministerium titulierte Haus könnte in der Tat eine entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, wohin Milliardensummen aus dem Haushalt fließen. In anderen Bundesländern wird man die Arbeit von Ministerin Bär entsprechend wachsam verfolgen. Umso wichtiger scheint es Blume zu sein, gar nicht erst den Verdacht eines bayerischen Klüngels aufkommen zu lassen: „Um es klar zu sagen: Forschungsmilliarden für Bayern sind kein Geschenk, sondern hart erarbeitet.“ Er verweist darauf, dass der Freistaat schon früh auf Technologien wie künstliche Intelligenz, Quantencomputer oder Raumfahrt gesetzt habe.
Daraus leitet die Staatsregierung nun Ansprüche ab, wenn es um Fördermittel des Bundes geht. Blume drückt es so aus: „Ich werbe dafür, dass man für die Schlüsselmissionen die Forschungsgelder so verteilt, dass man an leistungsfähige Strukturen und Vorkenntnisse andockt – und nicht bloß mit der Gießkanne operiert.“
ChatGPT eröffnet erstes deutsches Büro – in München
Auch viele Firmen in Bayern hoffen auf einen neuen Schub. Vor wenigen Tagen eröffnete das US-Unternehmen OpenAI, das durch den mit künstlicher Intelligenz gespeisten Alltagshelfer ChatGPT derzeit den Markt aufmischt, sein erstes Büro in Deutschland – und zwar in München. Ministerpräsident Söder bezeichnete Bayern aus diesem Anlass als „Silicon Valley von Europa“ und Wissenschaftsminister Blume betonte die Bedeutung solcher Ansiedlungen für den Wirtschaftsstandort: „Davon hat auch unsere Industrie etwas, denn auch sie braucht KI.“
MT Aerospace und Rocket Factory hoffen auf neuen Schub
Neben dem Bereich künstliche Intelligenz will Bayern die Raumfahrtbranche stärken. Jörn Spurmann, Mitgründer der Augsburger Rocket Factory, hält das neue Ministerium auf Bundesebene dabei für einen wichtigen Impuls: „Es unterstreicht die wachsende Bedeutung der Raumfahrtindustrie und stärkt unsere Position im internationalen Wettbewerb“, sagte er unserer Redaktion. Die Rocket Factory entwickelt Trägerraketen, die beispielsweise für den Transport von Satelliten ins All gebraucht werden. Die Branche hofft darauf, dass der Staat zu einer Art „Ankerkunden“ für solche Raketen wird.
Für MT-Aerospace-Chef Scheib spielt die Regierung dabei eine entscheidende Rolle. „Klare politische Zielsetzungen, stabile Rahmenbedingungen und ausreichend finanzielle Mittel sind für die Raumfahrt als Wirtschaftsfaktor sowie für die Souveränität unseres Landes äußerst wichtig“, sagte er. Und für Minister Blume steht fest: „Wir brauchen als Deutschland einen eigenen Zugang ins All.“
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