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Region Augsburg: Das sagen Ukrainer zu Korruption und Friedensverhandlungen

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„Putin ist ein Wahnsinniger“: Was Ukrainerinnen aus der Region zu den Friedensverhandlungen sagen

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    Die Ukrainerinnen Kateryna Matey (von links oben), Tetiana Brova, Larysa Kuneva, Anna Kondratenko, Oksana Shynkar und Iryna Kulbovska
    Die Ukrainerinnen Kateryna Matey (von links oben), Tetiana Brova, Larysa Kuneva, Anna Kondratenko, Oksana Shynkar und Iryna Kulbovska Foto: Kilian Voß

    Seit fast vier Jahren führt Russland einen erbitterten Angriffskrieg gegen die Ukraine. Hunderttausende Soldaten und zehntausende Zivilistinnen und Zivilisten haben ihr Leben gelassen. Millionen Menschen sind aus ihrer Heimat geflohen. Wir haben sechs Ukrainerinnen, die nach Kriegsbeginn in Deutschland Schutz gesucht haben, gefragt, wie sie auf die Friedensverhandlungen und auf den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj blicken?

    Kateryna Matey aus Mukatschewe (Augsburg)

    Kateryna Matey, Vors. Ukrainischer Verein Augsburg e,V.
    Kateryna Matey, Vors. Ukrainischer Verein Augsburg e,V. Foto: Annette Zoepf

    Die Ukraine ist offen für Gespräche. Die Verhandlungen betrachten wir aber mit Sorge, denn es wird großer Druck auf die Ukraine ausgeübt, die Menschen auf den von Russland besetzten und in frontnahen Gebieten aufzugeben. Damit wird auch die europäische Friedensordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebaut wurde, gefährdet, und wir kehren in die Zeit zurück, in der das Recht des Stärkeren gilt und Grenzen wieder mit Gewalt verschoben werden dürfen. 
    Neuwahlen sind laut der ukrainischen Verfassung unter Kriegsrecht nicht möglich. Das wäre in Deutschland nicht anders. Der jüngste Korruptionsskandal macht uns wütend und besorgt, zeigt aber auch, dass Antikorruptionsbehörden, Medien und Zivilgesellschaft funktionieren und es nicht einfach unter den Teppich gekehrt wird. Die Ukraine befindet sich seit 2014 im Krieg mit Russland und hat sich trotzdem im Korruptionsindex von Transparency International um 37 Plätze verbessert. 

    Tetiana Brova aus Kiew (Schwabmühlhausen)

    Ukrainerin Tetiana Brova ist infolge eines russischen Angriffs verwitwet.
    Ukrainerin Tetiana Brova ist infolge eines russischen Angriffs verwitwet. Foto: Tetiana Brova

    Die aktuellen Verhandlungen sind offensichtlich sinnlos, genau wie das Abkommen von 1991. Damals verzichteten wir unter Sicherheitsgarantien der USA, Russlands und Großbritanniens auf unsere Atomwaffen. Anschließend tötete Russland Tausende Ukrainer und zerstörte Hunderte Siedlungen. Russland braucht Verhandlungen nur, um einen neuen Angriff vorzubereiten, und zwar nicht nur auf ukrainisches, sondern auch auf das Territorium anderer Länder. Genau wie 2008, als sie in Georgien einmarschierten. Bezüglich des Korruptionsskandals und Herrn Selenskyj kann ich zwei Dinge sagen: Erstens gibt es Korruptionsskandale überall; beispielsweise sitzt Nicolas Sarkozy derzeit im Gefängnis. Zweitens verbietet die ukrainische Verfassung Wahlen während eines Krieges, daher werden wir den Präsidenten als unsere Stimme in der Welt unterstützen. Gleichzeitig beobachtet die Gesellschaft die Korruptionssituation genau und lässt keinen Druck auf die Antikorruptionsbehörden zu.

    Larysa Kuneva aus Saporischschja (Ulm)

    Larysa Kuneva, Tierärztin aus der Ostukraine
    Larysa Kuneva, Tierärztin aus der Ostukraine Foto: Larysa Kuneva

    Die Friedensverhandlungen betrachte ich mit Sorge. Denn der Druck auf Russland ist derzeit nicht so groß, dass es gezwungen wäre, den Krieg zu beenden. Moskau akzeptiert nur die Kapitulation der Ukraine oder die Fortsetzung des Krieges. Wenn Russland Frieden wollte, würde es einem Waffenstillstand zustimmen. Nur gemeinsam mit den westlichen demokratischen Ländern können wir die Unabhängigkeit der Ukraine verteidigen. Es gibt keine andere Option, als Selenskyj im Amt zu belassen. In der Einheit liegt unsere Stärke, und Wahlen würden zur Uneinigkeit führen. Der Druck ausländischer Institutionen auf Vertreter der ukrainischen Behörden, deren Aktivitäten laut Finanzermittlungen ausländischer Länder ein Risiko für die militärische Leistungsfähigkeit der Ukraine darstellen, muss deutlich verstärkt werden.

    Anna Kondratenko aus Kiew (Augsburg)

    Fotografin Anna Kondratenko
    Fotografin Anna Kondratenko Foto: Anna Kondratenko

    Manche vergessen, dass die russischen Aggressoren den Krieg begonnen haben – nicht die Ukraine. Manche wollen darüber entscheiden, welches Territorium abgegeben werden soll, wobei sie vergessen, dass die Ukraine ein souveräner Staat mit klar definierten Grenzen ist. Man kann nicht in ein anderes Land eindringen, Menschen töten und schreckliche Dinge tun und anschließend noch behaupten, man habe ein Recht auf diese Gebiete. Hochrangige Beamte müssen für Korruptionsvergehen zur Verantwortung gezogen werden. Es ist sehr gut, dass Ermittlungen durchgeführt werden und die Informationen über den Skandal an die Öffentlichkeit gelangt sind. Selenskyj führt das Land unter äußerst schwierigen Bedingungen, und gerade jetzt braucht die Ukraine Stabilität, Entschlossenheit und einen Präsidenten, der den Kurs der Verteidigung und der internationalen Unterstützung aufrechterhalten kann. Ob er dafür geeignet ist oder nicht, lässt sich nicht eindeutig sagen – er ist der amtierende Präsident bis zu den nächsten Wahlen, und derzeit muss er die Ermittlungen unterstützen und weiterhin seine Pflichten erfüllen.

    Oksana Shynkar aus Kiew (Höchstadt)

    Oksana Shynkar
    Oksana Shynkar Foto: Laura Gastl

    Ich erwarte mit großer Zuversicht eine Lösung in den Verhandlungen zwischen den USA, der Ukraine und Russland, die diesen Krieg beenden kann. Es muss irgendein Wunder geschehen. Russland ist ein Terrorstaat. Putin ist ein Wahnsinniger, der die ganze Welt in Angst und Schrecken versetzt. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass Trump Putins Agent ist. Ihm geht es nur um Ruhm, Geld und die Weltherrschaft (möglicherweise im Bündnis mit Russland). Aber ich habe auch Hoffnung für Europa, das ja auch mit Wahnsinnigen verhandelt. Meine Meinung zu Präsident Selenskyj: Er tut viel für die Ukraine. Er wollte diesen Krieg ganz sicher nicht und versucht mit aller Macht, ihn zu beenden. Was die Korruption angeht, kann ich mit Gewissheit sagen: Korruption existiert in der Ukraine, in allen Bereichen. Aber sie existiert ausnahmslos überall auf der Welt. Natürlich muss sie beseitigt werden. Doch eine einzelne Person kann das nicht schnell ändern, insbesondere nicht in einem Kriegszustand. Einer der Hauptgründe für den Ausbruch dieses Krieges war Russlands Widerstand gegen Selenskyjs Antikorruptionspläne. Zunächst müssen wir Putin und diesen irrsinnigen Krieg stoppen. Ich bin zuversichtlich, dass sich die Ukraine erholen wird, und wir werden alles daransetzen, die Korruption so schnell wie möglich zu beseitigen.

    Iryna Kulbovska aus Hostomel (Neu-Ulm)

    Iryna Kulbovska ist Erzieherin und Psychologin
    Iryna Kulbovska ist Erzieherin und Psychologin Foto: Iryna Kulbovska

    Ich glaube, dass jeder Ukrainer diese Verhandlungen verfolgt, die allerdings nichts als Besorgnis um unser Land und unsere Kinder hervorgerufen haben. Der Ablauf dieser Verhandlungen ist auch eine Schande für Amerika, das sich als Bollwerk der Demokratie positioniert hatte. Die Ukraine muss standhaft bleiben. Das Wichtigste ist unsere Einheit. Deshalb brauchen wir bis zum Ende des Krieges keine politische Konfrontation.

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