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Interview
13.05.2022

Ex-US-General über Putins Armee: „Nicht mit der Roten Armee zu vergleichen“

Die russischen Truppen haben bei ihrem Einmarsch in der Ukraine schwere Verluste erlitten.
Foto: Alex Chan, dpa

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine droht in einem Abnutzungskonflikt zu enden, sagt Mark Kimmitt, Brigadegeneral a.D. der US-Armee. Er erklärt, dass US-Informationen helfen, russische Generäle zu töten.

Herr Brigadegeneral, hat Russlands Präsident Putin mit seiner Weltkriegsrede am 9. Mai den russischen Truppen im Feld einen Schub gegeben?

Mark Kimmitt: Es ist schwer, in dieser Rede irgendetwas herauszulesen, was die in der Ukraine kämpfenden Truppen anspornen könnte.

Wie bewerten Sie die bisherige militärische Leistung der russischen Armee?

Kimmitt: Ich würde die Performance der Russen derzeit als sehr unterdurchschnittlich bezeichnen. Verglichen mit früheren russischen oder sowjetischen militärischen Operationen haben sie klar versagt. Was wir in der Ukraine sehen, ist nicht mit der Roten Armee zu vergleichen, die im Zweiten Weltkrieg die deutsche Wehrmacht niedergerungen hat. Zudem verüben die Russen offensichtlich Kriegsverbrechen. Das ist nicht nur entsetzlich, sondern auch höchst unprofessionell. Zwar haben die Russen einige ihrer Unterziele erreicht. Sie haben sich im Donbass festgesetzt. Sie kontrollieren die Landbrücke zur Halbinsel Krim. Sie haben aber nicht ihr großes Ziel erreicht, nämlich die Hauptstadt Kiew im Handstreich zu nehmen und die politische Führung durch ein Marionettenregime zu ersetzen. Jetzt deutet alles auf einen langen, blutigen Abnutzungskrieg hin. Die Russen handeln nicht gemäß ihrer eigenen klassischen Doktrin …

Wie sieht diese Doktrin aus?

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Kimmitt: Ein Teil der Doktrin schreibt vor, zu Beginn eines Angriffes die feindlichen Stellungen massiv mit Artillerie und Raketen zu attackieren. Der Gegner wird sturmreif geschossen, ein „shock and awe“. Dann erfolgt ein frontaler Hauptangriff mit Bodentruppen auf einer Linie. Als die Rote Armee 1945 zum Sturm auf Berlin ansetzte, zogen die Kommandeure 9000 Geschütze auf einer Läge von 35 Kilometer zusammen. Etwas Vergleichbares sehe ich heute in der Ukraine nicht. Wenn die Russen in der Ukraine angreifen, fehlt oft der nötige vorherige massive Artilleriebeschuss. Ich glaube, die russische Armee hat Probleme mit der Artillerielogistik. Und die Russen rücken nicht einheitlich vor, sondern in nicht zusammenhängenden Linien. Sie unternehmen kleine verstreute Angriffe, aber keine Großangriffe.

Ist auch der Kampf mit taktischen nuklearen Waffen ein Teil der Doktrin?

Kimmitt: Ja. Das russische Militär betrachtet den Einsatz taktischer nuklearer Waffen als Teil einer konventionellen Kriegsführung. Diese Waffen stehen bei den Russen gewissermaßen am Ende eines Kontinuums von Kriegsgeräten, die auf dem Schlachtfeld zum Einsatz kommen können.

Glauben Sie also, dass Putin taktische nukleare Waffen einsetzen wird?

Kimmitt: Ich könnte mir vorstellen, dass die Russen auf einem Truppenübungsgelände in einem entlegenen Teil ihres riesigen Landes taktische Nuklearwaffen verschießen. Das wäre eine klare Botschaft zur Einschüchterung an ihre Gegenspieler: „Seht her, wir haben die Waffen und wir machen auch Gebrauch davon“. Andererseits glaube ich nicht, dass Putin tatsächlich taktische Nuklearwaffen in der Ukraine oder bei einem möglichen Angriff auf Moldau gebrauchen wird. Er würde sich diese Waffen für einen Kampf gegen Nato-Länder aufheben.

Das nukleare Muskelspiel der Russen geht aber weiter. In einem Manöver in Kaliningrad übten sie „elektronische Starts“ von mobilen ballistischen Iskander-Raketensystemen, die mit nuklearen Sprengköpfen bestückt sein können …

Kimmitt: Ja, dieses Manöver passt gut in Putins nukleare Drohkulisse hinein. Die Tatsache, dass der Ort der Übungen an zwei Nato-Mitgliedsländer grenzt, verschärft die Spannungen mit dem Westen erheblich. Putin hat die politische Konfrontation bewusst weiter eskalieren lassen.

Könnten es die Streitkräfte des Kremls in einem konventionellen Krieg mit den Nato-Truppen aufnehmen?

Kimmitt: Zurzeit nicht. Ganz klar nein. Die russischen Kampfeinheiten wären für eine Konfrontation mit der Nato-Streitmacht nicht stark genug. Zu viele Truppen sind bereits in der Ukraine gefangen, verwundet oder gefallen. Auch dürfte die Moral vom einfachen Soldaten bis hin zu den Generälen erheblich angeknackst sein. Zudem haben die Russen viel Material verloren oder es wurde beschädigt. Bis Ende April mussten sie nach Angaben eines Analysten des „Centers for Strategic and International Studies“ 939 Panzer, 421 Artilleriegeschütze, 185 Flugzeuge und 155 Hubschrauber abschreiben. Wahrscheinlich lassen sich die Ausfälle durch Reaktivierung von Systemen aus der Sowjetzeit zahlenmäßig kompensieren. Nur sind diese Systeme veraltet und es ist nicht klar, ob die nötigen Besatzungen verfügbar sind.

Wie bewerten Sie die militärische Leistung der Ukrainer?

Kimmitt: Sie haben bisher noch nichts wirklich Spektakuläres geleistet. Ihre Moral und ihr Kampfeswille verdienen jedoch die höchste Bewertung, sie sind hervorragend. Die Armee profitiert von der eindrücklichen Führung durch Präsident Wolodymyr Selenskyj und dem überlebenswichtigen westlichen Nachschub mit Waffen und Munition. Ich verweise ebenso auf die nachrichtendienstliche Unterstützung der Nato-Länder, um Ziele wie den Lenkwaffenkreuzer Moskwa zu lokalisieren.

Die „New York Times“ berichtet, dass von den USA bereitgestellte Informationen der Ukraine helfen, russische Generäle zu attackieren und zu töten …

Kimmitt: Bei unseren Tracking-Fähigkeiten, insbesondere beim Tracking von Mobiltelefonen, ist das nicht verwunderlich. Es macht Sinn, dass wir die Infos an das ukrainische Militär weitergeben. Das ukrainische Konzept, auf Generale zu zielen, ist gut durchdacht. Damit können die Ukrainer die russischen Kommandostrukturen erheblich schwächen. Ein Verband ohne Führung bewirkt weniger als ein Verband mit Führung. Außerdem haben die Verluste auf oberster russischer Ebene eine große symbolische Wirkung. Sie demonstrieren, wie verwundbar Putins Armee ist.

Die Russen greifen vermehrt das Eisenbahnnetz und Bahnhöfe an. Können sie so den Nachschub aus Nato-Ländern entscheidend schwächen?

Kimmitt: Beide Seiten haben erkannt, wie wichtig der Nachschub nicht nur mit Waffen und Munition, aber auch mit Proviant, Treibstoff und Ersatzteilen ist. Die Ukrainer zielen auch auf den russischen Nachschub. Bislang kann ich nicht erkennen, dass eine Partei bei der Zerstörung der Nachschublinien einen großen Vorsprung hat.

Sorgen die westlichen Lieferungen für eine waffentechnische Überlegenheit der Ukrainer?

Kimmitt: Meiner Einschätzung nach sind die meisten Waffensysteme der beiden Kriegsparteien in etwa gleichwertig. Es gibt aber auch große Vorteile für die Ukrainer. Sie setzen Drohnen sehr effektiv bei der Feindaufklärung und bei Angriffen ein. Besonders sticht die Drohne Bayraktar TB2 aus türkischer Produktion hervor. Die Russen hingegen scheinen nicht über ein vergleichbares System zu verfügen. Überhaupt sieht es so aus, als ginge der russische Vorrat an Präzisionswaffen zur Neige.

Zur Person: Mark Kimmitt, 67, Brigadegeneral a.D., war unter Präsident George W. Bush einer der ranghöchsten Militärs. Er diente etwa in Bosnien, im Kosovo und im Irak. Er war auch in Deutschland stationiert.

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10.05.2022

Tja nicht nur die russischen Streitkräfte werden hoffnungslos überschätzt, sondern auch die US Streitkräfte und andere. Die Russen kommen in der Ukraine nicht voran. Die USA und ihre alliierten haben es in zwanzig Jahren Zeit Milliarden US Dollar, modernster Waffen nicht geschafft, Badelatschen tragende Taliban mit uralt Knarren zu besiegen. Kurz: Russen und Ammi, beide "Flaschen leer".

Bei Kriegsverbrechen geben sich auch beide nichts. Und beim Lügen sind sie auch gleich. Beide bringen Demokratie und Freiheit.

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11.05.2022

Ich glaube nicht, daß die russischen Streitkräfte überschätzt werden. Würden sie ihr Waffenpotential, und das muß nicht ABC sein, voll einsetzen, wäre die Ukraine in einigen Tagen ein Trümmerhaufen. Sie nehmen zu viel Rücksicht, im Gegensatz zu den Amis in VietNam, z.B..

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11.05.2022

Sehr geehrter Herr Wolfgang B.

Mit dieser Meinung sind Putin und Sie wahrscheinlich alleine.
Die Rote Armee hat heute ca. 1,0 Millionen Soldaten. Ca 300-400 davon sind im Ukraine-Konflikt direkt gebunden. Die Verluste (Gefallen/Verwundet/Gefangen) werden schon auf bis zu 60.000 Geschätzt. Wie viele desertiert sind, weiß keiner. In Putins „Privatarmee“, den Speznas herrscht Aufruhr, weil die für einen Fronteinsatz nicht ausgebildet und ausgerüstet sind. Die Generale fallen im Dutzend (So was ist völlig neu). Wie viel Personal im Hinterland für den Raketenbeschuss notwendig ist kann man nur raten. Gleichzeitig müssen die Pazifik- und die Nordmeerflotte unterhalten werden. Die Grenzen im Kaukasus können nicht vernachlässigt werden.
Was soll Putin den zurückhalten? Seine T-14? Von dem „Wunderding“ gibt es keine 200. Die werden für die Ausbildung gebraucht.
Taktisch hat man auf die neuen, weltweit hoch beachteten Methoden der Bataillonstaktischen Gruppe zur Anwendung gebracht und ist krachend gescheitert, weil die Kommunikation zusammengebrochen ist und die eingesetzte Panzertechnik (T-72 bis T-90) dafür einfach nicht gemacht ist. Dieses Gerät ist für den Massenhaften Einsatz konzipiert, als die Rote Armee noch 5 Millionen Soldaten hatte. Die Russen waren ja so schlau, das Internet in der Ukraine zu zerstören. Die Ukrainer sind daraufhin auf die Satelliten von Elon Musk umgestiegen, die Russen haben, Achtung Brüller, über das ukrainische Mobilfunknetz kommuniziert.

Also erhellen Sie uns, was hält Putin zurück?

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10.05.2022

Aha. Im Irak. Dann kennt er sich ja mit Kriegsverbrechen und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg ja bestens aus.

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10.05.2022

Sehe ich auch so. Bei allen Scheusslichkeiten, die Putin veranstaltet, sollte man im Westen mal nachvollziehen, wie ein Land, das den Irak-Krieg begonnen hat auf andere wirkt, wenn es denen vorschreiben will, was sie zu tun und lassen haben.

Wir halten uns immer fuer so gut, dass wir keine Ahnung haben, wie ueberheblich wir auf Laender wie Russland, China oder afrikanische wirken muessen.

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10.05.2022

Haben wir Deutsche einen Vorteil, weil wir im Irak dank Gas-Gerd nicht dabei waren?

Nein, wir landen trotzdem in der rassistischen Schublade "Westen".

>> Wir halten uns immer fuer so gut, dass wir keine Ahnung haben, wie ueberheblich wir auf Laender wie Russland, China oder afrikanische wirken muessen. <<

Darf ich ihre Beitrag so werten, dass wir einfach egoistischer, härter und brutaler sein sollten? Wenn uns jemand blöd kommt schicken wir einfach die nächste Wagner-Gruppe? Das ist doch die Sprache die von den genannten Despoten gesprochen und verstanden wird?

Und sagen Sie nicht Afrika - der UNO Entscheid zum Ukraine Krieg hat es sehr deutlich gemacht - wird haben da Freunde und wir haben Länder mit gegenläufigen Interessen, die wir signifikant schlechter behandeln sollten. Da gibt es ein Oben der demokratischen Welt und ein Unten der Nähe zum Faschismus.

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11.05.2022

Leider ist es tatsächlich so, dass die Amerikaner genau wie die Russen hinsichtlich Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit kein unbeschriebenes Blatt sind.

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