Viele (Neu-)Hundehalter setzen Belohnung im Training automatisch mit Leckerlis gleich – und verschenken damit Potenzial. Denn die Beziehung, die Aufmerksamkeit und das gemeinsame Erleben beeinflussen die Motivation und den Trainingserfolg ebenfalls stark. Welche Belohnungsarten gibt es neben dem Futter – und wie finden Hundehalter heraus, was für ihren Hund am besten funktioniert?
Wie kann man Hunde im Training belohnen?
Der American Kennel Club (AKC), der größte Dachverband der Rassehundezüchter in den Vereinigten Staaten, fasst es so zusammen: Training mit Belohnungen macht Spaß, stärkt die Bindung zwischen Mensch und Hund und weckt vor allem die Lernfreude des Hundes. Für einen maximalen Trainingserfolg sollten Hundehalter die Kraft positiver Verstärkung nutzen.
Das bedeutet laut der Stiftung Vier Pfoten, dass man erwünschte Verhaltensweisen mit etwas Positivem wie Lob, Leckerlis oder Spielen verstärkt. Dadurch erkennt der Hund, dass sich sein Verhalten auszahlt – und zeigt es künftig deutlich öfter. Welche Belohnungen kann man also nutzen, um den Hund im Training zu bestärken?
Hundetrainerin Katharina Schlegl-Kofler informiert in ihrem Ratgeberbuch „So einfach geht Hundeerziehung“: Futter ist eine der besten Belohnungsarten, denn die meisten Hunde fressen gerne und man kann Leckerlis gezielt im richtigen Moment geben. Am besten sind dafür kleinere, weiche Happen geeignet. Außerdem sollte man Leckerbissen verwenden, die dem Vierbeiner auch besonders gut schmecken. Das können, je nach Hund, banales Trockenfutter sein, Käse- oder Fleischstückchen oder spezielle Hunde-Snacks aus dem Handel.
Neben den Leckerlis können Hundehalter ihr Tier laut Schlegl-Kofler aber auch auf andere Arten belohnen, etwa durch:
- Streicheleinheiten
- Lob mit der Stimme
- Das Lieblingsspielzeug des Hundes
- Eine bestimmte Tätigkeit wie Schnüffeln oder einem Ball hinterherjagen
Welche Belohnung genau man für den eigenen Hund verwenden kann, hängt davon ab, ob sie für ihn interessant genug ist. Sie darf außerdem nicht ständig verfügbar sein. Der Hundetrainerin ist zudem wichtig zu betonen, dass der Zeitpunkt der Belohnung genauso wichtig ist wie die Art: Hunde verbinden ein Lob immer mit dem, was sie zuletzt getan haben. Deshalb muss die positive Verstärkung sehr schnell erfolgen, damit der Hund sie noch mit dem gezeigten Verhalten verknüpft.
Übrigens: Manche Hunderassen sind besonders verfressen, etwa der Labrador Retriever. Das hat genetische Gründe und kann zu Problemen wie Übergewicht führen. Andererseits sind diese Hunde auch beim Training stark durch Futter motiviert – sie können mit einer Belohnung durch Leckerlis oft gut lernen.
Über welche Belohnung freuen sich Hunde besonders?
Während Futter also ein bewährtes Belohnungsmittel im Hundetraining ist, haben neuere Forschungen gezeigt, dass manche Hunde soziale Bestätigung ähnlich hoch oder sogar höher bewerten als den Erhalt von Leckerlis.
So veröffentlichte ein neurowissenschaftliches Team vom New College Florida im Fachmagazin Social Cognitive and Affective Neuroscience seine Untersuchungsergebnisse dazu, wie stark das Belohnungszentrum im Gehirn von Hunden auf persönliches Lob und die Gabe von Futter reagierte. Die Messungen zeigten, dass bei 87 Prozent der Hunde die soziale Zuwendung den gleichen oder sogar einen größeren Belohnungseffekt zu haben schien als die Futtergabe. Die Untersuchung machte aber auch eine große Variation von individuellen Vorlieben der Hunde deutlich.
Streicheln, Stimme, Spielen: Wie funktionieren diese Belohnungen beim Hundetraining?
Weitere Maßnahmen, auf die Hundehalter beim Training achten könnten, sind zum Beispiel ein stressfreier Start: Wie das wissenschaftliche Reportage-Magazin geo.de informiert, lernen Hunde am besten, wenn sie entspannt sind. Demnach haben verschiedene Studien der letzten Jahre gezeigt, dass Berührungen bei Hund und Mensch die Ausschüttung von Oxytocin fördern und gleichzeitig den Cortisolspiegel senken. Das macht Hunde empfänglicher fürs Training und stabilisiert die Bindung zu ihren Besitzern.
Kurze Streichel‑„Mikropausen“ werden von Hunden als Belohnung wahrgenommen und halten länger an als Futter – ideal, um die Motivation ohne Dauerfütterung hochzuhalten. Aber Vorsicht: Nicht jeder Hund mag ausgiebiges Kuscheln. Auch das Streicheln am Kopf, wozu viele Menschen tendieren, mögen viele Hunde gar nicht.
Auch die Stimme und verbales Lob funktionieren als Verstärker beim Training. Laut geo.de verstehen Hunde zwar nicht jedes Wort, aber sie reagieren sensibel auf unseren Stimmklang und den Rhythmus. Wenn Hundehalter ihren Vierbeiner ansprechen und ihm dadurch Aufmerksamkeit und Zuwendung zukommen lassen, wirkt sich das positiv auf das Lernerlebnis aus.
Gemeinsames Spiel kann ebenfalls eine großartige Belohnung sein. Eine Studie im Fachjournal Animals zeigte: Kurze Spielphasen nach einem Trainingsblock verbessern nachweislich die Gedächtnisleistung von Hunden. Zeitlich begrenzte Zerr‑, Beute‑ oder Rennspiele erhöhen die Motivation und vertiefen die Mensch‑Hund‑Beziehung.
Fazit: Leckerlis sind nicht die einzige effektive Belohnungsmethode beim Hundetraining. Soziales Lob, Berührung oder Spielen können genauso gut motivieren und die Bindung zwischen Mensch und Tier stärken. Was für den individuellen Hund funktioniert, muss der Hundehalter herausfinden: Liebt das Tier eine Streicheleinheit, Fleischwurst oder ein Ballspiel am meisten? Auch eine Mischung aus verschiedenen Belohnungsarten ist möglich. Hundetrainerin Sabine König empfiehlt beispielsweise, Leckerlis zu nutzen, wenn man etwas Neues aufbaut oder bei besonders schwierigen Situationen. Sobald das Verhalten gefestigt ist, kann es durch Lob, Spiel oder soziale Interaktion verstärkt werden. So bleibt der Hund motiviert, ohne dass er sich nur aufs Futter verlässt.
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