Zucker findet sich nicht nur natürlicherweise in Obst, Milch oder manchen Gemüsesorten. Vor allem in verarbeiteten Lebensmitteln ist zugesetzter Zucker heutzutage allgegenwärtig. Dabei empfehlen Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und die Deutsche Diabetes Gesellschaft eine Begrenzung der täglichen Zuckerzufuhr, da diese mit der Entstehung von Adipositas, Diabetes Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang steht. Auf dem Markt gibt es mittlerweile zahlreiche Alternativen zum raffinierten Haushaltszucker, von Stevia über Dicksäfte bis zu Birkenzucker und Erythrit.
Beim Einkaufen, Kochen oder Backen greifen manche Verbraucher deshalb auf Zuckerersatzstoffe zurück. Natürliche oder extra hergestellte Süßungsmittel sollen ermöglichen, dass man mit gutem Gewissen oder sogar gesünder Süßes schlemmen kann. Doch Hundehalter sollten ganz genau aufpassen, was in ihren Haushalt und damit in die Nähe ihres Haustieres kommt. Während die meisten wissen, dass Schokolade für Hunde giftig ist, ist noch nicht allen bekannt, dass eine bestimmte Zuckeralternative für Hunde ebenfalls lebensgefährlich sein kann.
Zuckerersatzstoffe: Was sind Erythrit und Xylit?
Zuckerersatzstoffe bieten sie nicht nur Vorteile, informiert die Verbraucherzentrale: Honig und Agavendicksaft enthalten beispielsweise ebenfalls Zucker. Andere Alternativen kosten mehr als die entsprechend benötigte Menge Haushaltszucker. Häufig stammen die Rohstoffe zudem nicht aus Europa: Lange Transportwege belasten Umwelt und Klima.
Laut der Verbraucherzentrale werden sowohl Xylit – auch Birkenzucker genannt – als auch Erythrit zwar aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen, aber industriell hergestellt: mit Säuren oder Laugen beziehungsweise mittels mikrobieller Fermentation. Es handelt sich also um hoch verarbeitete Zuckeraustauschstoffe. In Zutatenlisten können Verbraucher sie als „Süßungsmittel E 967“ (Xylit) und „Süßungsmittel E 968“ (Erythrit) erkennen.
Als positive Merkmale nennt die Verbraucherzentrale, dass Xylit oder Erythrit keine Karies verursachen, kaum den Insulinspiegel beeinflussen und deutlich weniger Kalorien als Haushaltszucker enthalten. Erythrit ist sogar gänzlich kalorienfrei. Wenn sie in größeren Mengen verzehrt werden, können diese Zuckeraustauschstoffe allerdings Blähungen und Durchfall bei Menschen verursachen. Während es bei Menschen lediglich zu unangenehmen Nebenwirkungen kommen kann, ist einer der beiden Zusatzstoffe für Hunde sogar hochgiftig.
Ist Xylit für Hunde giftig?
Wie unter anderem das Gesundheitszentrum für Kleintiere Lüdinghausen warnt, ist Xylit für Hunde extrem giftig. Wenn ein Hund Xylit frisst, kommt es zu einer massiven Ausschüttung an Insulin. Nach 10-60 Minuten tritt eine lebensbedrohliche Unterzuckerung auf, die unbehandelt meistens zum Tod führt. Schon kleinste Mengen – eine Dosis von 100 Milligramm Xylit pro Kilogramm Hund – können beim Hund eine tödliche Unterzuckerung, Krämpfe oder Leberversagen verursachen.
Wo wird Xylit verwendet?
Selbst wenn Hundehalter selbst kein Xylit als weißes Pulver zum Süßen kaufen, sollten sie Vorsicht walten lassen. Denn laut dem Gesundheitszentrum für Kleintiere Lüdinghausen wird es auch in Zahnpflegeprodukten, Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt.
So findet sich Xylit in immer mehr Produkten wie zuckerfreien Kaugummis, Süßigkeiten, Minzbonbons, Backwaren, Puddings, Hustensaft, Vitaminpräparaten, Mundspülungen, Zahnpasta und homöopathischen Globuli.
Hundehalter sollten also sichergehen, dass ihr Hund das Xylit-Pulver oder Produkte mit dem Zuckerersatzstoff nicht erreichen kann. Keinesfalls sollten Hunden Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel gegeben werden, die Xylit enthalten, rät das Gesundheitszentrum. Auch beim Zähneputzen sollte ausschließlich Zahnpasta für Hunde verwendet werden.
Symptome: Wie erkenne ich eine Vergiftung mit Xylit beim Hund?
Wie die Kleintierklinik der Justus-Liebig-Universität Gießen informiert, führt die entstehende Unterzuckerung bei Hunden im Gehirn zu einem Ungleichgewicht der Nervenaktivität, wodurch Symptome entstehen wie:
- Gangstörungen,
- Bewusstseinseinschränkungen,
- Zittern und
- epileptische Anfälle.
Das Kleintier-Gesundheitszentrum nennt zudem als Symptome Erbrechen, Schwäche und fehlende Ansprechbarkeit.
Zuckerersatz: Was müssen Hundehalter tun, wenn ihr Hund Xylit gefressen hat?
Haustierbesitzer, deren Hund aus Versehen etwas mit Xylit gefressen hat, müssen schnell handeln. Das Gesundheitszentrum für Kleintiere Lüdinghausen empfiehlt, sofort einen Tierarzt um Rat zu fragen. Doch der Weg zum Tierarzt darf nicht zu weit sein, sonst könnte es bereits unterwegs zur Unterzuckerung kommen. Telefonisch könnte man Notfallmaßnahmen mit dem Arzt besprechen, etwa dem Hund Honig oder Zuckerwasser gegen die Unterzuckerung zu geben.
Die Agila Haustierversicherung informiert, dass bei einem akuten Vergiftungsverdacht auch der Giftnotruf unter der Telefonnummer +49 551 19240 hilft.
Beim Tierarzt ist eine schnelle Not-Behandlung wichtig. Wenn es noch keine Symptome gibt, kann er laut Gesundheitszentrum Maßnahmen zur Entgiftung, wie Erbrechen, einleiten. Dann können Hunde mit hoher Wahrscheinlichkeit überleben. Bei ersten Anzeichen einer Vergiftung muss der Hund stabilisiert werden. Ein spezifisches Gegenmittel gibt es aber nicht. Maßnahmen beinhalten wiederholte Zuckermessungen, Blutuntersuchungen und die Kontrolle der Leberfunktion. Bei fortschreitenden Symptomen sind die Überlebenschancen zunehmend schlechter. Wenn der Hund in einen komatösen Zustand fällt, kommen die meisten Behandlungsversuche zu spät.
Ist Erythrit für Hunde giftig?
Laut der Agila Haustierversicherung hat der Zuckerersatzstoff Erythrit – im Gegensatz zu Xylit – für Hunde keine negativen Folgen. Es wird zu 90 Prozent unverdaut ausgeschieden. Auch die Tierärztin Dr. Anette Fach erklärt auf der Webseite der Tierschutzorganisation Tasso, dass Erythrit kein größeres Problem bei Hunden zu sein scheint. Es wird sogar in Zahnpflegeprodukten für Hunde eingesetzt.
Trotzdem sollten Hundehalter ihren Vierbeinern keine mit dem Zuckerersatz gesüßten Produkte zu fressen geben oder wenn doch, sie nach dem Verzehr genau beobachten.
Übrigens: Immer mehr Hersteller bieten Hundefutter mit alternativen Zutaten an – wie Insekten. Was für viele Hundehalter zunächst ungewöhnlich klingt, kann besonders bei Unverträglichkeiten sinnvoll sein.
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