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Reisebericht
21.10.2016

Bretagne - einsame Spitze

Das Meer prägt die Bretagne – sie zählt insgesamt rund 3000 Küstenkilometer.
4 Bilder
Das Meer prägt die Bretagne – sie zählt insgesamt rund 3000 Küstenkilometer.
Foto: Birgit Holzer

Ouessant ist der westlichste Punkt Frankreichs. Die Anreise auf die Insel führt durch eines der gefährlichsten Meere der Welt. Dennoch trotzen hier ein paar Fischer dem Alltag.

Für Ondine Morin beginnt jetzt die schönste Zeit im Jahr. Wenn es noch rauer und windiger auf der Insel Ouessant wird und die Meereswellen noch stürmischer gegen die Klippen brausen. Wenn die Tage später beginnen mit dem Fischfang bei Sonnenaufgang und nur noch jene Touristen kommen, die wilde Romantik und beschauliche Abgeschiedenheit suchen. Auch von den Inselbewohnern zieht die Hälfte im Herbst und Winter aufs Festland, wo milderes Klima herrscht. Dabei wird es auf Ouessant selten richtig kalt, Schnee fällt im Schnitt nur alle 15 Jahre. Ondine hat das bislang zweimal erlebt. „Magisch war das“, erinnert sich die schmale 31-jährige Bretonin mit einer Spange in Form eines Seesterns im Haar. Ihr Name erinnert an das mythische Wasserwesen Undine. Er könnte nicht besser gewählt sein.

Namen haben eine starke Bedeutung in der Bretagne und in diesem nordwestlichen Teil der Region, dem Finistère. „Finis terre“, „Ende der Welt“ nannten ihn einst die Römer, während er in bretonischer Sprache „Pennabec“ heißt – „Anfang der Welt“. Es ist alles eine Frage der Perspektive.

So empfinden Inselbewohner wie Ondine das Leben auf dem „Kontinent“ als hektisch, während „Landratten“ das Leben auf der 20 Kilometer weit im Meer gelegenen Insel Ouessant mit ihrem – im Sommer – 800 Einwohnern auf einer Fläche von 1550 Hektar auf die Dauer als recht abgeschieden erscheinen könnte. Das Zentrum besteht aus einem kleinen Supermarkt, einer Post, einer Kneipe und der Kirche, die jahrhundertelang als wichtiger Kitt für die Menschen diente; heute verliert sie diese soziale Funktion auch bei den traditionell sehr religiösen Bretonen. Kino, Disko, Einkaufszentren, solche Zerstreuungen gibt es hier nicht. „Wir leben mit dem Wetter und den Jahreszeiten. Es ist ein gesunder Rhythmus“, sagt Ondine. Flache Heidelandschaften prägen die Insel, die „kahl“ ist – Bäume halten den Stürmen nicht stand. Daher wächst das Gras vor allem in die Tiefe statt in die Höhe und bildet einen weichen Teppich.

Eine Stunde dauert die Überfahrt zur Bretagne

Einmal in der Woche fährt die junge Frau nach Brest, die nächstgelegene Stadt auf dem Kontinent, um einzukaufen oder ins Kino zu gehen. „Ab und zu tut das gut! Es stimmt schon, das Inselleben ist mit vielen Zwängen verbunden.“ Eine gute Stunde dauert die Überfahrt, der Fahrplan der Fähre richtet sich nach den Gezeiten. Für die 50 Insel-Kinder gibt es eine Grund- und eine Mittelschule, in der mehrere Altersstufen jeweils eine Klasse besuchen. Gymnasiasten müssen ins Internat nach Brest. Dort steht das nächste Krankenhaus, schwangeren Frauen wird ab dem siebten Monat empfohlen, aufs Festland zu ziehen, in Ouessant gibt es nur eine Ambulanz. Und während die Insel bis 1900 weitgehend autark lebte und nur zwei Prozent der Waren einführte, hat sich das Verhältnis umgekehrt. Es gibt keine Landwirtschaft mehr, die Familien leben meist auf dem Kontinent. Als Insel-eigene Produkte verbleiben nur noch Fisch und Meeresfrüchte, Honig sowie Kosmetikartikel auf Algen-Basis.

Alles andere muss importiert werden mit einem satten Preisaufschlag. So kostet der Bau eines Hauses rund 40 Prozent mehr als auf dem Festland. „Das Leben ist teurer, aber dafür kauft man nur das Nötigste“, sagt Ondine. Nach einem Sprachen-, Kultur- und Kunstgeschichte-Studium in der westfranzösischen Hafenstadt La Rochelle kehrte sie vor acht Jahren gemeinsam mit ihrem Mann Jean Denis auf ihre Heimatinsel zurück.

Heute sind die beiden zwei von vier Fischern der Insel, die auf nachhaltige Weise mit der Angel fangen und tagsüber ihren Pollack, Austern oder Makrelen an Touristen und Einheimische verkaufen. Es gibt nur 120 Arbeitsplätze auf Ouessant, „man muss sich seinen Job selbst schaffen“, sagt Ondine. Neben der Fischerei hat sie sich als Fremdenführerin selbstständig gemacht, bietet Leuchtturm-, Nacht- und Sturmführungen an, Rundgänge über Themen wie modernes Inselleben, Archäologie oder Schiffbrüche. Wegen seiner unberechenbaren Strömungen und Gegenströmungen und dem dichten Nebel gilt das Meeresgebiet hier am Finistère als eines der gefährlichsten der Welt. Das erklärt die wichtige Funktion der Leuchttürme. Der 74 Meter hohe Créac’h mit seiner Reichweite von rund 36 Kilometern ist einer der leuchtstärksten Leuchttürme Europas. Die See gibt und nimmt zugleich – manchmal wurden in all den Jahrhunderten exotische Waren, Schuhe oder Holz von gekenterten Schiffen angeschwemmt, manchmal aber auch Leichen.

Ouessant wird auch die "Insel der Frauen“ genannt

Der Respekt vor dem Meer hat Ouessant seit jeher geprägt. Über Jahrhunderte hinweg waren die Männer Seefahrer, trieben Handel, lernten fremde Sprachen und Kulturen kennen, während die Frauen zu Hause blieben, für die heile Rückkehr ihrer Männer, Brüder und Söhne beteten und den Alltag selbstständig meisterten. „Insel der Frauen“ heißt Ouessant deshalb auch. Männer waren rar. „Wenn du einen siehst, beiß rein, es reicht nicht für alle“, lautete ein Sprichwort; zeitweise gab es sogar Heirats-Wartelisten. Und wenn ein Mann aufbrach, lag das Wachskreuz, die sogenannte „Praella“, schon bereit, das anstatt seiner Leiche beerdigt wurde, falls er nicht mehr zurückkam. Auf der Nachbarinsel Molène, die 14 Kilometer vom Festland gelegen ist, zeigt ein Freiluftmuseum, dass die traditionellen Häuser aus angetriebenem Holz und so funktional wie Schiffe gebaut waren mit abgerundeten Tischkanten, Betten wie Kojen und einer Küche, die Kombüse hieß.

Doch das gehört zur Geschichte. Viele Traditionen haben sich seit den 50er und 60er Jahren überlebt, als die Handelsmarine ihre Bedeutung verlor. Die Zahl der Fährverbindungen stieg an, die Insel näherte sich dem Kontinent an, wollte ihren Rückstand aufholen. In den 90ern gehörte sie zu den ersten Gebieten Frankreichs mit leistungsstarker Internet-Verbindung. Traditionelle Kostüme werden nur noch bei Festen getragen. Kamen die ersten Touristen bereits seit 1850 nach Ouessant, so sind es inzwischen 150000 pro Jahr. Hilfreich war, dass das Gebiet des „Iroise-Meeres“ mit einer Fläche von 3500 Quadratkilometern, das fast die gesamte bretonische Westküste mit einschließt, das Label eines nationalen „Meeres-Naturparks“ erhielt. In dem geschützten Bereich befindet sich Europas größtes Algenfeld mit mehr als 300 registrierten Arten, es gibt 120 Fischarten und rund 100 Delfine, die das Ehepaar Christel und Luc Peron akribisch registriert.

Täglich fahren sie vom Küstenort Le Conquet aus ins Meer hinaus, fotografieren die Tiere und notieren Auffälligkeiten, um die Informationen an ein Meeresforschungsinstitut in La Rochelle weiterzuleiten. Für Besucher bieten sie Bootsausflüge entlang der Steilküsten und bis zur Insel Molène an. Das Meer kann hier abrupt von einer ruhigen, spiegelglatt wirkenden Fläche hin zu einem aufbrausenden Wellengebiet wechseln. Es geht vorbei an Kormoranen, Kegelrobben und den Delfinen. Das Paar gibt ihnen Namen wie „Flipper“, „Welcome“ oder „Maman Bulle“ („Mama Blubberblase“), mit begeisterten Rufen begrüßen sie die Tiere, die neugierig um ihr Boot springen. „Wir bleiben nie länger als 20 Minuten, um sie nicht zu stören“, erklärt Christel. Das Gleichgewicht und die Ruhe sollen erhalten bleiben. Und das gilt für „Mama Blubberblase“ ebenso wie für Ouessant: Durch ihren Seefahrer-Geist war die Insel immer weltoffen, durch ihre Abgeschiedenheit blieb sie stets einsam. Und sie wird es in der nächsten Zeit ein wenig mehr, denn Ondines Lieblingsmonate haben begonnen.

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