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Augsburg
03.06.2024

Zu Besuch an einem Geburtsort der Demokratie

Die Fußgängerzone von Danzig ist bunt und belebt. Hier gibt es viel Gastronomie und viele Museen. Hinter den historischen Fassaden jedoch verbergen sich moderne Gebäude.
Foto: Radoslow Zukowski

Danzig war schon vieles: reiche Hansestadt, freie Stadt, Ort der Solidarnosc-Revolution... Heute zeigt Danzig, was es außerdem ist: ein weltoffenes Urlaubsziel mitten in Europa.

Wenn man Stadtführerin Ewa Jaroszynska zuhört, dann bekommt man den Eindruck, dass Danzig ein Mittelpunkt der Welt ist oder es zumindest für viele Jahrhunderte einmal war. Und sie hat nicht einmal unrecht: Ewa steht vor einem Relief der einstigen Hansestädte, jenes Städte- und Handelsbundes, der im Mittelalter große Teile Mittel- und Nordeuropas verband. Sie erläutert, dass Danzig jahrhundertelang eine der reichsten der vielen Hansestädte war, dass alle Waren, die aus Polen auf der Ostsee verschifft werden sollten, durch dieses Seetor hinaus in die Welt gelangten. 

Der alte Kran an einem Seitenarm der Weichsel entlud in früheren Zeiten die Güter von den Schiffen.
Foto: Radoslaw Zukowski

Das Relief mit den Hansestädten ist erst wenige Jahre alt und befindet sich in einem Neubau eines Stadtteils, der eng mit der historischen Wirklichkeit verbunden ist: auf der Speicherinsel. Ähnlich wie in Hamburg mit seiner Speicherstadt gab es auf dieser kleinen Insel zwischen Nebenarmen der Weichsel nur Lager, sogenannte Speicherbauten. Die Holzgebäude sind bis auf das letzte gegen Ende des Zweiten Weltkriegs abgebrannt. Erst in diesem Jahrtausend wurde die Speicherinsel wieder aufgebaut – mit neuen Häusern im historischen Stil. Schicke Büros, Hotels, Restaurants, viele Touristen, das ist dort heute zu finden. Was die Stadtplaner dennoch geschafft haben: Das alte Flair, die Geschichte der Stadt, ist spürbar.

Das Europäische Zentrum für Demokratie entstand auf dem Gelände der ehemaligen Lenin-Werft in Danzig. Ein Denkmal steht davor.
Foto: Radoslow Zukowski

Im 17. Jahrhundert verschwand der Kaufmannsbund Hanse offiziell aus der Geschichte. Doch nicht nur die deutschen Hansestädte Lübeck, Hamburg und Bremen, die den Namen heute noch mit Stolz führen, hielten auch in der Folge eng zusammen. Im Mittelalter und auch in den Jahrzehnten danach trafen sich die in der Hanse verbundenen Städte regelmäßig zum Hansetag, um Fragen des Handels zu besprechen und Beschlüsse zu fassen. Vor 26 Jahren schloss sich dann die Neue Hanse zusammen, eine Verbindung, die heute für Gemeinschaft, für Forschung, für attraktiven Tourismus und für Europa als gemeinsames Projekt steht, sagt Karol Gzyl von der Danzig-Stiftung. Geschlafen hat er in den vergangenen Wochen wenig. Praktisch Tag und Nacht ist er mit den letzten Vorbereitungen zum 44. Internationalen Hansetag befasst. Der findet diesmal in Danzig vom 13. bis 16. Juni statt.

Was für den Handelsbund im Mittelalter wichtig war: In Europa den größtmöglichen Frieden erhalten – denn im Frieden handelte es sich einfach besser und leichter – und Völkerverständigung, das steht auch heute im Mittelpunkt der Hansetage. Neu wird in Danzig sein, dass Politiker der einzelnen Kommunen zusammenkommen, um Probleme einer Stadtgesellschaft zu besprechen, die es in den Niederlanden genauso gibt wie in Polen: Verkehr und Mobilität, Nachhaltigkeit oder das Leben in multikulturellen Städten. An anderen Veranstaltungsorten treffen sich Wissenschaftler zum gemeinsamen Austausch.

Blick vom Rathausturm auf die Kirche Mariä Himmelfahrt.
Foto: Jana Tallevi

Davon freilich bekommen Touristen, die zum Hansetag nach Danzig reisen, wenig mit. Auf sie wartet stattdessen ein großes Straßenfest. Jede ehemalige Hansestadt – erwartet werden tatsächlich knapp 70 Städte, so Karol Gzyl – wird einen anderen Platz der Stadt bespielen und Tanz, Musik, Spezialitäten und Lebensgefühl mitbringen. Malerischer Hintergrund werden Straßenecken sein, die, zumindest in der Rechtstadt, ein wenig noch an die Zeit des einstigen Hansebundes erinnern. "Wir wollen zeigen, dass die Tradition der Hanse uns noch immer vereint und Teil unserer Identität ist", sagt der Kulturmanager.

Mit einem Angriff bei Danzig begann 1939 der Zweite Weltkrieg

Dabei ist in Danzig praktisch alles, was heute historisch erscheint, viel schöner Schein. Das hat freilich mit einem anderen historischen Ereignis zu tun, welches das alte Danzig praktisch völlig zerstört hat. Am 1. September 1939 griffen Hitlers Truppen die Halbinsel Westerplatte vor Danzig an. Dort waren polnische Truppen stationiert, die dem Land Polen einen Zugang zu einem Ostseehafen garantieren sollten. Der Angriff gilt als Beginn des Zweiten Weltkrieges. Seit fast 60 Jahren erinnert inzwischen ein Gedenkort an die Verteidiger der Westerplatte, die den Hitler-Truppen etwa eine Woche lang standhielten. Erst ganz am Ende des Krieges, im späten Winter 1945, war Danzig wieder Schauplatz schwerster Luftangriffe. Am Ende waren fast 90 Prozent der historischen Altstadt zerstört. 

Zu Zeiten der alten Handelsstadt waren die Kaufmannshäuser bis zu knapp 70 Meter lang. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die neuen Häuser kleiner. Dahinter entstanden grüne Innenhöfe und Nebengebäude.
Foto: Jana Tallevi

Zum Ende des Krieges musste die zu einem großen Teil deutsche Bevölkerung Danzig verlassen. Wieder aufgebaut wurde die Stadt auf einzigartige Weise. Im Sozialismus entschloss man sich, die verbliebene Bausubstanz in der alten Rechtstadt so wieder zusammenzufügen, wie die Stadt ausgesehen haben könnte, hätte es den großen preußischen Einfluss im 19. Jahrhundert nicht gegeben. Der Name Rechtstadt weist dabei auf den Umstand hin, dass man in der Stadt Danzig viele Jahrhunderte lang selbst das Recht in Händen hielt, unabhängig von anderen Herren. 

Die schönen alten Häuser sind fast alle nur Fassade

Dass das meiste nur Fassade war, was im sozialistischen polnischen Staat aufgebaut wurde, ist besonders gut von oben, von den Türmen der Kirche Mariä Himmelfahrt oder dem Rathaus zu sehen: Waren die alten Kaufmannshäuser zwar schmal, dafür aber bis zu 70 Meter tief, fügte man nun einfach eine erhaltene Fassade an die andere – und ließ dahinter Wohnblöcke, Nebengebäude und grüne Innenhöfe entstehen. Mitten in der Stadt wurde auf diese Weise von ganz unterschiedlichen Menschen und Familien einfach nur gewohnt. Das ist bis heute so: Große Handelsketten, die sonst Städte auf der ganzen Welt in ähnlicher Weise prägen, gibt es in der Rechtstadt nicht. Museen, Cafés und Restaurants bestimmen die autofreien Straßenzüge und sorgen Tag und Nacht für friedliches, buntes, städtisches Leben. Wer ein großes Modegeschäft sucht, muss sich in Danzig in den großen Shoppingzentren außerhalb umschauen. Erreichbar sind diese jedoch leicht zu Fuß.

Der Eingang zur ehemaligen Danziger Lenin-Werft. Daneben ist das Europäische Zentrum für Solidarität entstanden.
Foto: Jana Tallevi

Stattdessen entstand mitten in der Stadt, direkt an die Rechtstadt angrenzend, eine riesige Industrieanlage. In der Danziger Werft, später Lenin-Werft, arbeiteten in den besten Zeiten bis zu 30.000 Menschen. Der Riesenbetrieb gilt als die Keimzelle der Demokratie in Polen und in Osteuropa überhaupt und als mitverantwortlich für das Ende des Sozialismus im damaligen Ostblock. Die Arbeitenden galten immer schon als aufmüpfig. Aufstände im Jahr 1970 wurden blutig niedergeschlagen. Schon damals war Lech Walesa unter den Streikführern. Er war dabei, als die Streikenden im Sommer 1980 weitere Siege erzielten und ein Abkommen mit dem polnischen Staat unterschreiben konnten, in dessen Folge die Gewerkschaft Solidarnosc, Solidarität, gegründet wurde. 1989 stürzte das Regime in Polen, kurz darauf wurde Lech Walesa Staatspräsident.

Die Danziger Werft, wo die polnische Demokratie entstand, gibt es noch immer

Die Danziger Reparaturwerft gibt es noch heute, sie liegt jedoch einige Kilometer entfernt in Richtung Ostsee. Auf dem ehemaligen Werftgelände befindet sich heute das Europäische Zentrum für Solidarität. Das ist viel mehr als ein Museum, es ist Begegnungszentrum, ein Ort für politische Diskussionen, Friedensforschung und Bildung mit einer großen Bibliothek. Kaum zu glauben: Lech Walesa hat in dem Gebäude immer noch ein Büro, in dem der 81-Jährige regelmäßig arbeitet. Am Anfang waren sie keine Freunde, er und der aktuelle Präsident des Europäischen Solidaritätszentrums, Basil Kerski. Dessen Biografie ist so vielschichtig wie die Aufgaben des Zentrums selbst – und verleiht seiner Arbeit eine authentische Glaubwürdigkeit. Geboren in Danzig 1969, wuchs Kerski zunächst dort und im Irak auf, dem Heimatland seiner Vaters, bevor die Familie 1979 nach Westberlin zog. Dort studierte Basil Kerski, wurde Kulturmanager, Journalist und Politikwissenschaftler. 

Basil Kerski ist Leiter des Europäischen Zentrums für Solidarität.
Foto: Jana Tallevi

Europäische Zusammenarbeit, Verständnis füreinander, Austausch und Kommunikation – das sind für ihn grundlegende Pfeiler des Zusammenlebens in Europa. Das Solidarnosc-Museum im Zentrum, das heute auf höchster Ebene ausgezeichnet ist und seine Handschrift trägt, ist sichtbares Zeichen dafür. Aber dafür die Hanse als Sinnbild bemühen? Hierfür hat Basil Kerski keinen Sinn. "Das ist doch viel zu weit weg, viel zu abgehoben und realitätsfern", so sein Urteil. Ihn und das Zentrum beschäftige etwas anderes. Es gehe darum, was auch in Europa passieren könnte, sollte die Demokratie auf dem Spiel stehen. So, wie es jetzt in der Ukraine oder auch im knapp 150 Kilometer entfernten Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg, zu beobachten sei. 

Solidarnosc ist auch eine Kulturbewegung gewesen

Solidarnosc, das sei auch eine Kulturbewegung gewesen und typisch für das Lebensgefühl der Polinnen und Polen und vor allem der Menschen aus Danzig: Hier habe man immer schon gemeinsam mit Menschen aus anderen Kulturen zusammengelebt, mit den Deutschen, der Minderheit der Kaschuben, die hier zu Hause sind, oder mit der großen Gemeinschaft der Ukrainer, die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in einer großen Zahl nach Danzig gekommen seien. Weltoffenheit, das sei ganz typisch für diese Stadt. Mit seiner eigenen Herkunft wolle er zeigen, dass sich diese Offenheit auf Personen aus allen Teilen der Welt übertragen lasse, sagt Basil Kerski.

Kultur gibt es in Danzig auf vielerlei Art zu entdecken. Im Oria Magic House gibt es nicht nur gutes Essen und Musik, sondern auch Keramik der Künstlerin Maggie Veroli zu kaufen.
Foto: Jana Tallevi

Offen und modern, das ist Danzig auf viele Arten. Eine davon ist seine Gastronomie. Das Oria Magic House könnte so auch in Hamburg, London oder New York zu finden sein. Hier gibt es nicht nur traditionelle Gerichte ganz neu kombiniert, wie Entenbrust mit typisch polnischem Schmalzgebäck, sondern auch Livemusik auf einer kleinen Bühne und Bilder sowie Keramik der Künstlerin Maggie Veroli. Doch Danzig strebt nach mehr: Erstmals haben sich einige Restaurants um Michelin-Sterne beworben. Das Ergebnis liegt noch nicht vor. Doch das Restaurant Tygle auf der Speicherinsel soll, so heißt es, gute Chancen auf einen Stern haben. Das wundervolle Schnitzel mit Pilzen gebe einer positiven Entscheidung auf jeden Fall recht.

Eingelegter Hering gehört zu den Spezialitäten von Danzig an der Ostsee. Es gibt ihn, zumeist als Vorspeise, in ungezählten Varianten in fast jedem Restaurant.
Foto: Jana Tallevi

Diese Recherchereise wurde unterstützt von der polnischen Tourismus-Organisation.

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