Wenn hier von Stadtbild die Rede ist, bitte nicht an unseren gegenwärtigen Bundeskanzler denken. Die britische Firma Radical Storage, ein weltweiter Anbieter von Gepäckaufbewahrung, hat sich in seriöser Weise um das Thema äußeres Erscheinungsbild einer Stadt bemüht. Wohl wissend, dass der erste Eindruck durch Dreck sowie Müll erheblich beeinträchtigt werden kann, hat das Unternehmen via Internet die saubersten und schmutzigsten Städte ermittelt.
70.000 Google-Rezensionen wurden untersucht
Untersucht wurden die Städte des „Top 100 City Destinations Index“, also populäre Städteziele. In die Analyse flossen jeweils die Bewertungen der zehn beliebtesten Attraktionen einer Stadt ein. Dafür wurden in den vergangenen zwölf Monaten über 70.000 Google-Rezensionen nach den Begriffen „dirty“ und „clean“ durchsucht. Um unter die saubersten Fünf zu kommen, mussten mindestens 94,7 Prozent der Bewertungen positiv ausfallen. Um als besonders schmutzig zu gelten und damit zu den dreckigen Top Five zu zählen, reichte es, dass mindestens 28,2 Prozent der Kommentare das Wort „schmutzig“ enthielten. Tourismus spielt insbesondere beim Wegwerfmüll eine große Rolle, weil sich jeder Reisende irgendwann mal fragt: Was mach’ ich jetzt mit dem To-Go-Becher, der Serviette oder der Wasserflasche?
Was die fünf saubersten Besucher-Metropolen der Welt betrifft, so fällt auf, dass mit Krakau auf Platz eins und Warschau auf Platz vier gleich zwei polnische Städte auf den vordersten Positionen brillieren. Begründet wird dies mit massiven Investitionen in Abfallmanagementsysteme wie Recycling und die Instandhaltung öffentlicher Räume.
In Doha sind die Mülleimer KI-gesteuert
Auf Platz zwei liegt Sharjah, gefolgt von Singapur und schließlich Doha (Platz 5). Was alle drei Staaten verbindet, sind autoritäre Regierungen, die dem Stadtbild Sauberkeit verordnet haben. Wer in Sharjah schmutzt, riskiert hohe Bußgelder bis zu 2000 Dirham (ca. 460 Euro). Singapur sorgt schon lange mit einer Kombination von Verboten (Müll, Spucken, Kaugummi), effizienter Abfallwirtschaft, umweltfreundlicher Architektur und Erziehung für ein lupenreines Erscheinungsbild. Die Goldversion eines Müllsystems leistet sich Doha: Dort hat man KI-Behälter aufgestellt. Sensoren überwachen hier Füllstand, Gewicht, Geruch, Temperatur und sogar die Recyclingfähigkeit des Inhalts und melden, wenn der Container geleert werden muss. Aufgestellt sind diese schlauen Mülltonnen überall, wo sich viele Menschen aufhalten, also in Stadien, Parks und U-Bahnstationen.
Was die dreckigsten Metropolen betrifft, so befinden sich die meisten in Europa. Das mag daran liegen, dass europäische Citys hoch in der Gunst von Besuchern stehen und deswegen zum Teil unter Overtourism leiden. Das ist ganz bestimmt der Fall in Budapest. Ungarns Hauptstadt erhält den unrühmlichen Titel der schmutzigsten Metropole in den User-Kommentaren. Die Stadt hat in den vergangenen zwei Jahren geradezu einen Boom erlebt. Im ersten Halbjahr 2025 wurden 13,5 Millionen Besucher gezählt, ein Plus von 6,2 Prozent gegenüber 2024. Im September schwoll Budapests Touristenzahl gar um zwölf Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahrs an. Die Stadtreinigung und Müllabfuhr kommen nicht mehr nach, dem Besucherstrom hinterher zu putzen.
So kämpft Rom gegen den Schmutz und den Dreck
Auf Platz zwei folgt Rom. Auch hier kämpft die Metropole gegen Schmutz und Dreck. Offensichtlich nicht effizient genug. Denn Besucher vergeben schlechte Noten in puncto Sauberkeit. Ein Grund, warum viele die Stadt als dreckig empfinden, ist, dass nicht allein die drei Millionen Einwohner Müll produzieren, sondern auch weit über 30 Millionen Besucher pro Jahr. Die suchen nicht selten nach öffentlichen Abfallbehältern, die – wenn vorhanden – meist schon übervoll sind, weil das Abfallmanagement es noch nicht geschafft hat, sie öfter zu entleeren. Ergo landet viel Müll auf der Straße.
Las Vegas hat den dritthöchsten Pfui-Faktor und ist zugleich die einzige Metropole außerhalb Europas, die es unter die Top Five schafft. Jährlich besuchen rund 40 Millionen Touristen das Spielerparadies. Hotels, Casinos und Shows – kurzum alles konzentriert um die glitzernde Vergnügungsmeile The Strip. Angesichts des Nachtlebens rund um die Uhr und der Millionen vorbeiziehenden Bummler von auswärts verwundert es wenig, dass die Trottoirs am Ende einer langen Nacht eher einem Schlachtfeld gleichen, selbst wenn es sich dabei um recyclebaren Müll handelt.
Auch Florenz, das Platz vier auf der Negativliste einnimmt, kämpft mit dem Müll der vielen Besucher. Vor allem in der Altstadt, aus ähnlichen Gründen wie Rom. Allerdings hat sich die Stadt der strikten Mülltrennung verschrieben und versucht, selbst den rund 24 Millionen Besuchern pro Jahr das System, das dem deutschen gleichkommt, in fünf Sprachen zu erklären. Aber ganz offenbar muss die Stadt noch länger ihrer Kundschaft aus aller Welt Unterricht im Müllwegwerfen erteilen, denn der strandet vorerst noch oft in Ecken und um die vollen Müllbehälter herum.
Das Müllsystem von Paris ist hoffnungslos veraltet
Paris steht auf Platz fünf der Pfui-Liste. Allerdings muss man ein bisschen relativieren, denn vor den Olympischen Sommerspielen 2024 gönnte sich die Metropole eine Großreinigung. In der Seine kann man nun wieder schwimmen. Allerdings löst das nicht die Probleme des hoffnungslos veralteten Müllsystems der Stadt und der hohen Streikbereitschaft der Angestellten. Überquellende Abfallsäcke und -container gehören zum Stadtbild. Die Pariser haben außerdem mit 28 Prozent eine unterdurchschnittliche Recyclingquote. Der europäische Durchschnitt liegt bei 47 Prozent. Gleichzeitig stürmen rund 50 Millionen Gäste pro Jahr die Stadt der Lichter, die ohne die Metropolregion nur rund zwei Millionen Einwohner zählt, und hinterlassen tonnenweise Müll
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