Gastfreundlich sind sie im Innviertel in Oberösterreich. Alle sind dort willkommen. Besonders jedoch freut man sich über die vielen Gäste, die auf dem Luftweg anreisen, und das so zahlreich, dass sie schon selbst zur Attraktion geworden sind. Die Rede ist von bis zu fünf Millionen Zugvögeln, die im Herbst und Frühjahr auf ihrer Reise gen Süden oder Norden im Europa-Reservat Unterer Inn Station machen und Vogelfreunde nicht nur aus Österreich und Deutschland anziehen. Wie die Zugvögel, die auf ihrem langen Weg dort rasten, suchen und finden auch die Touristen Erholung und Zeit zum Durchatmen in der weiten, grünen Hügellandschaft des Innviertels.
Der breite Inn ist für die Zugvögel ideal zum Rasten
Der Inn ist kurz vor dem Sperrwerk bei Burg Frauenstein besonders breit und fließt sehr langsam. Ausgerüstet mit Fernglas und viel Fachwissen begleitet Ranger Pietro Bellezza Wandergruppen zu den großen Schilfinseln, die sich dort gebildet haben. Das Wasser ist nur wenige Zentimeter tief und für die Vögel ein idealer Platz zum Rasten.
Wildgänse, verschiedene Schwäne, aber auch Grünschenkel, Seidenreiher und Krickenten entdeckt der Experte regelmäßig, doch noch immer freut er sich riesig, wenn ihm ein besonders seltener Gast vor die Linse gerät. So berichtet er mit leuchtenden Augen von einem Thorshühnchen. Der kleine Schnepfenvogel lebt eigentlich in der Arktis, kommt auf seinen Reisen selten bis an die Nordsee und quasi fast nie noch weiter in den Süden. Pietro jedoch hat im Herbst ein Thorshühnchen am Inn gesehen.
Auch Flamingos wurden schon mal am Inn gesichtet
Vor einigen Jahren wurden sogar Flamingos in der Region gesichtet, die sich dort einige Zeit aufgehalten haben. Die auffälligen Vögel waren jedoch nicht aus dem Süden gekommen, sondern wohl irgendwo aus einem Vogelpark ausgebüxt. Wie Pietro berichtet, wissen die Fachleute das, weil sie die Vögel damals als Chileflamingos identifiziert haben, die sicher nicht den langen Weg über den Atlantik geflogen sind. „Es kann aber durchaus sein, dass sich zukünftig auch mal südeuropäische Flamingos ins Innviertel verirren“, sagt Pietro. Das Thorshühnchen aus der Gegenrichtung hat den Weg ja auch gefunden.
Falken, Milane und viele Singvögel leben im naturnahen Inntal
Die längere Anreise lohnt sich. Denn bei den Wanderungen am Inn entlang treffen die Hobby-Ornithologen nicht nur Zugvögel. Auch Falken, Milane und viele Singvögel leben in den naturnahen oder renaturierten Uferbereichen und Auwäldern. Pietro kennt sie alle und weiß spannende Einzelheiten über die Besonderheiten und Lebensräume der Tiere zu erzählen.
So kann die Wanderung auch mal länger werden, denn Pietro hat viel zu berichten und das Netz der Wander- und Radwege im Innviertel ist eines der größten in Österreich. Die sogenannte „Bewegungsarena“ umfasst auf rund 1000 Kilometern 131 verschiedene Routen durch etwa 30 Gemeinden. Spektakuläres sucht man in der Region vergeblich, aber gerade das macht vielleicht den Reiz der Gegend aus. Weites Land, sanfte Hügel und zwischen den kleinen Orten immer wieder stattliche Einzelhöfe. Atemlos staunen wird hier niemand, dafür tief durchatmen, zur Ruhe kommen und sich an den kleinen Dingen freuen.
Da wäre zum Beispiel Obernberg. Der Ort hat nicht nur einen der schönsten Marktplätze Österreichs, sondern auch ein Burggelände hoch über dem Inn. Ein moderner Aussichtsturm steht dort weithin sichtbar und ermöglicht auf der einen Seite Panoramablicke über den Inn bis nach Bad Füssing in Bayern oder über das sanft gewellte Innviertel am österreichischen Ufer. Er wurde an der Ecke des Burggeländes errichtet, wo mal einer der historischen Wachtürme stand. Gegenüber sind aus einer Falknerei die Rufe der Adler und Bussarde zu hören und vor dem alten „Schüttkasten“, ein ehemaliges Lagerhaus, das jetzt ein Kunsthaus ist, blüht ein hübscher Bauerngarten. Im Hauptgebäude der Burg tagte einst das Gericht, jetzt bietet es Platz für ein Seminarhaus und ein Café.
Den Burggraben von Obernberg haben vor Jahrhunderten Menschen mit der bloßen Hand gegraben, heutzutage ist er ein Stück Natur fast mitten in der kleinen Stadt. Nur wenige Minuten vom Marktplatz entfernt wähnt sich der Wanderer im wilden Wald, um nach weiteren fünf Minuten vor der kleinen Burg herauszukommen.
Auch noch so entspanntes Wandern und Entdecken macht müde und hungrig. Zum Glück gibt’s im Innviertel die Therme Geinberg. Vor rund 30 Jahren hat man tief unter der Gemeinde Thermalwasser gefunden und das riesige Vorkommen angezapft. Die Quelle ist eine der ergiebigsten in Europa. Aus fast 2000 Metern Tiefe kommt das Wasser mit knapp 100 Grad Celsius an die Oberfläche. Mit seiner Mineralienmischung ist es als Heilwasser anerkannt. Genau das Richtige also, um sich nach einer ausgiebigen Wanderung im warmen Wasser zu erholen.
Wärme aus Thermalwasser lässt in Geinberg fast rund ums Jahr Tomaten wachsen
In Geinberg entstand nicht nur die Therme mit Wellnessbereich, Saunen und einer Karibik-Lagune mit Palmen und Sandstrand. Ein Vier-Sterne-Hotel mit luxuriösen Spa-Villen wurde ebenso gebaut wie ein Nahwärmenetz, mit dem die Haushalte im Ort und unter anderem auch das größte Gewächshaus Österreichs beheizt werden. Der Name „Biohof Geinberg“ klingt deutlich idyllischer, als die Anlage aussieht, aber 13 Hektar Gewächshausfläche, auf der fast rund ums Jahr Tomaten und Gurken wachsen, fallen einfach auf.
Das Gemüse vom Biohof landet nicht nur in vielen österreichischen Supermärkten, sondern auch in den Küchen der Restaurants in der Region. Küchenchefs mögen offenbar das Innviertel ebenso gern wie die Zugvögel. Die Dichte der Hauben-Restaurants ist hoch. Eins davon ist das Geinberg5, mit Küchenchef Björn Greisberger, das zum Spa-Resort gehört.
Im Örtchen Aspach ist der „Lebensweg der Kunst“ Teil der Bewegungsarena. Er widmet sich der Künstlerfamilie Daringer, die im ganzen Ort Spuren hinterlassen hat. Engelbert, Franz, Otto und Markus Daringer waren Kirchenmaler, Restauratoren und Bildhauer und schon seit über 100 Jahren in der Gemeinde Aspach und auch darüber hinaus aktiv.
Ob das monumentale Kruzifix an der Kirche, der „Hochzeitsfries“ am heutigen Rathaus oder die Bronzeskulptur der trauernden Mutter am Kriegerdenkmal, an zwölf Stationen im Ort kann man das Werk der Daringers erleben – alles ganz entspannt, natürlich. Die Wege sind kurz.
Tiefergehende Informationen über die Künstler bekommen Gäste zudem im Daringer-Museum, in dem es nicht nur ums Anschauen, sondern auch ums Begreifen der Kunst geht. Das Anfassen der Skulpturen aus Stein und Holz ist deshalb ausdrücklich erwünscht. Durch die bewusst gesetzten Fenster gibt es auch hier wieder besondere Ausblicke und die Hügellandschaft des Inntals findet sich auch in einigen Bildern wieder.
Die Zugvögel ziehen nach kurzer Zeit erholt weiter und auch die Gäste haben nach ein paar Wanderungen und einem Tag in der Therme ihre Akkus aufgeladen und können wieder in den Alltag starten. Wer allerdings nicht wie Nils Holgersson mit den Wildgänsen unterwegs ist, braucht für die An- und Abreise nach Oberösterreich ein eigenes Auto. Denn der öffentliche Nahverkehr ist dort längst nicht so gut ausgebaut wie das Netz der Rad- und Wanderwege.
Kurz informiert
- Anreise: Am einfachsten mit dem Auto über die A94 bis Simbach/Braunau.
- Unterkunft: Die Region bietet alles, von der einfachen Fremdenpension bis zum edlen Hotel. Näheres zu den Unterkünften und auch zur „Bewegungsarena“ unter www.innviertel-tourismus.at.
- Therme: Die Therme Geinberg hat fast rund ums Jahr geöffnet und verfügt seit Kurzem auch über einen luxuriösen Oriental-Spa-Bereich nur für Erwachsene. Angeschlossen ist das Spa-Resort mit Hotelzimmern oder edlen Villen im Geinberg5. Mehr dazu unter www.sparesortgeinberg.at.
- Europareservat Unterer Inn: Interessante Details über das große Vogelschutzgebiet gibt es bei zwei Ausstellungen in Ering und Frauenstein. Außerdem gibt es einen Erlebnisweg mit Stationen zur Vogelwelt, zu den Auen und verschiedenen Lebensräumen. Über das „Naturium am Inn“ können geführte Touren gebucht werden (www.naturium-am-inn.eu).
- Kunstmuseum Aspach: Die Werke der Familie Daringer sind in Aspach im ganzen Ort zu sehen. Das Daringer-Kunstmuseum ist freitags bis sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet (www.daringer.at).
- Aussichtsturm: Der neue Aussichtsturm heißt „eINNblick“ und befindet sich auf dem Burggelände in Obernberg (www.obernberg.at).
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