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Schwabmünchen

03.11.2019

Aktion in Schwabmünchen: Ein Autor an der Ladenkasse

Autorensamstag in der Buchhandlung: Konzentriert verfolgte Boris Koch (rechts) die Einweisung in das Kassensystem durch Inhaber Hans Grünthaler.
Bild: Uwe Bolten

In der Buchhandlung Schmid startet die „Woche der unabhängigen Buchhandlungen“ mit Boris Koch als Verkäufer. Wie sich der Schriftsteller zwischen Kunst und Kommerz sieht.

Eine wohlige Atmosphäre umfängt die Kunden und Mitarbeiter. Der Teppichboden und die Wandregale, gefüllt mit Büchern, dämpfen die Worte der zahlreichen Menschen in der Buchhandlung Schmid. Es scheint, die Geschäftigkeit und Unruhe der nur wenige Meter entfernten Fuggerstraße habe keine Möglichkeit, in den Verkaufsraum vorzudringen.

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Ziel: Weg vom Einheitsbrei der Innenstädte

Inhaber Hans Grünthaler erklärt einer Kundin die Besonderheit dieses Autorensamstags in Schwabmünchen: „Alle kleinen unabhängigen Geschäfte prägen durch die Wege weg vom Einheitsbrei die Individualität einer Stadt. Dazu zähle ich nicht nur uns Buchhändler, obwohl wir derzeit die Woche der unabhängigen Buchhandlungen veranstalten.“ Grünthaler verweist auf den neben ihm stehenden Boris Koch. Der preisgekrönte Autor mit Wurzeln in Langerringen steht dem professionellen Händler beim sogenannten Autorensamstag zur Seite.

Für ihn ist die Arbeit als Buchhändler nichts unbekanntes, er hatte sich in seiner Berliner Zeit in einer freien Buchhandlung die notwendigen Kenntnisse angeeignet. Die Kassiervorgänge laufen flüssig, die Kundengespräche gestaltet er freundlich. Die ein oder andere Bewegung hektisch, in der Harmonie der Atmosphäre zwar etwas irritierend wirkend, erledigt er seine Aufgaben.

Aktion in Schwabmünchen: Ein Autor an der Ladenkasse

Kunden dürfen Spezialwünsche haben

Der Wunsch einer Kundin, dass nicht er, sondern Hans Grünthaler ihr Buchgeschenk verpacken solle, bringt Koch nicht aus dem Konzept. „Ist das schon etwas für Zwölfjährige“, wird er von der nächsten Kundin gefragt. In der Hand hält sie einen Sammelband von Kochs Erfolgsromanen „Der Drachenflüsterer“. Ein Lächeln umspielt seine Mundwinkel und er gibt sachlich Auskunft, ohne sein Werk zu bewerben. Gerne erfüllt er den Wunsch der Mutter, die das Buch als Geschenk für ihren Sohn erwirbt, und signiert das über 1000-seitige Taschenbuch; definitiv ein besonderes Geschenk.

Koch, der jetzt mit seiner Lebensgefährtin, der Autorin Kathleen Weise und der gemeinsamen Tochter in Leipzig wohnt, kennt die Buchhandlung schon aus seiner Jugendzeit. Er hatte in Schwabmünchen das Gymnasium besucht und dort wohl auch die Werke Schillers, Kafkas oder von Kleists als kleines Reclam-Heft erworben. Heute stehen seine Bücher selbst in den Regalen.

Der Autor sieht sich zwischen seiner Kunst und dem Kommerz

In den kurzen Pausenzeiten steht Boris Koch zum Gespräch zur Verfügung. „Ein Autor muss beide Bereiche betrachten: den künstlerischen und den geschäftlichen. Auf der einen Seite gehe ich an mein Buch und schreibe es, wie ich meine, die Leser begeistern zu können. Gleichzeitig muss ich im Auge haben, dass es verkauft wird, davon lebe ich und da spielt neben Ketten auch der unabhängige Buchhändler eine gewisse Rolle. Aber nicht jeder ist so engagiert wie hier“, sagte er zum Spannungsfeld zwischen Kunst, Kommerz und Händler.

Zum Umgang mit der Internetkonkurrenz auf dem Markt besitzt er als Literat eine ausgewogene Betrachtungsweise. „Als Autor möchte man ja gekauft werden. In der Regel haben wir Autoren kaum Einfluss darauf, wo wir verkauft werden. Dazu gehören Internethändler, Buchhandelsketten, aber auch der unabhängige Buchhandel. Natürlich ist es schön, wenn meine Werke an möglichst vielen Stellen erhältlich sind. Ich selber kaufe bevorzugt im Laden ein. Und das gilt nicht nur für Bücher“, bezieht er Stellung, bevor die Anzahl der Kunden seine Unterstützung in der Buchhandlung notwendig macht.

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